Vom Gailsloch in den Kerbpalast

Feuchtfröhlicher Auftakt

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Alles im Fluss bei der Taufe mit Gesang von Otto Sorrentino.

Groß-Zimmern - „Wer amol in der Gersprenz woar, den bringt so schnell nix im!“ Dieser Leitsatz gilt seit nunmehr zehn Jahren. Von Ursula Friedrich

2003 wurde nämlich mit der Kerbtaufe im Wasser der Gersprenz ein neuer Brauch begründet: nur wer die Behandlung im „Gailsloch“ übersteht, darf mitfeiern. Und dass diese Zeremonie mit kneippschen Güssen wenig gemein hat, liegt auf der Hand. Auch der aktuelle Kerbjahrgang musste sich am Samstag unter lautem Gesang der feuchtfröhlichen Prozedur unterziehen. Denn, so will es der Kerbusus des 21. Jahrhunderts, nur getauft darf beim Fest der Feste in vorderster Reihe mitgefeiert werden. Die frohe Kunde vorweg: alle 38 Täuflinge des grün-weißen Jahrgangs 93/94 gingen gestärkt aus dem Wasserbad hervor. Mann um Mann wurde von den Zeremonienmeistern, dem silbernen Jahrgang 1968/69, reichlich begossen und innerlich mit Äppelwoi durchgespült.

„Zimmner Blut is koa Buttermilch“, das stellten die 38 Kerbborschte des aktuellen Jahrgangs unter Beweis.

Dass der Hessen liebstes Stöffche den traditionell gereichten Zimmerner Gerstensaft hier ablöste, konnte sich auch Kerbkoriphäe Thomas Beutel nicht erklären. Doch die Zimmerner Kerb lebt nicht nur von Tradition und Brauchtum, sondern auch von neuen Einflüssen. Faktisch gab der Äppler noch einen Grund mehr, um fröhliche Lieder anzustimmen – in diesem Fall den Äbbelwoi-Blues. Mit den Musikern Otto und Otto (Herdt und Sorrentino), die sich ebenfalls tapfer, mit Gitarre gewappnet, ins kühle Gersprenzbad begaben, war professionelle Unterstützung beim Gesang garantiert. Allerdings sind die Kerbborschte des größten Zimmerner Fests bestens vorbereitet. Das Liedrepertoire sitzt, die Euphorie ist nicht zu toppen, die Taufe überstanden. Auch wenn frühere Jahrgänge vom sicheren Ufer aus der grün-weißen Truppe gesanglich das Wasser abzugraben trachteten, bewiesen die Borschte Selbstbewusstsein.

Jeder sucht einen Platz in der ersten Reihe bei der Kerbtaufe.

Sympathiepunkte heimsten die silbernen Kerbborschte ein. Der blau-weiße Jahrgang um Kerbvadder Gerrit Poth bewies mit seiner promilleschwachen Ausrichtung des Tauffests, dass gute Laune nicht unbedingt an Hochprozentiges gekoppelt ist. „Es könnte eigentlich losgehen. Es kriwwelt schon“, schwärmte Thomas Beutel, Vorsitzender des Kerbvereins, am Ufer, an dem unter den vielen Besuchern Gedränge herrschte. Jeder Zaungast wollte einen Platz in der ersten Reihe. Die Uhr bis zum Fest tickt für viele Fans erbarmungslos langsam. Die Kerb 2013 wird erst in zwölf Tagen, vom 24. bis 27. August, ausgetragen. Mit der feuchten Auftaktveranstaltung hat der geburtenstarke neue Jahrgang nun die Legitimation für das Fest in der Tasche.

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