Fließend über das Thema Wasser reden

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Spielerisch experimentieren die Kinder mit Christiane Hucke und unterhalten sich dabei fließend über das Thema Wasser.

Groß-Zimmern - „Wann sagt man spülen und wann waschen? Was ist der Unterschied zwischen knapp und kaum?“ Auf der gerunzelten Stirn von Dr. Zvi Penner kräuseln sich die Fragezeichen. Von Gudrun Fritsch

Der Schweizer Professor mit dem weißen Rauschebart ist Sprachwissenschaftler, „Eigentlich komme ich aus der Babyforschung“, erklärt er und beschreibt seine Erfahrungen: „Das große Geheimnis kleiner Kinder ist, dass sie nach Bedarf filtern. Wir erhalten viel zu viele Informationen, 99 Prozent davon sind überflüssig. Wenn die Flut Kindern zu viel wird, kommen sie beim Spracherwerb ins Schwimmen und es entstehen Lernstörungen“, beschreibt Penner und taucht ganz und gar in sein Element ein - diesmal mit Wasser.

Seit Montag leitet der Begründer des Sprachförderprogramms für den Kindergarten „Kon-Lab“ mit einigen Helfern in der Angelgartenschule das innovative Projekt „Ferienabenteuer auf Deutsch“. Durch spezielle Förderung der Lese- und Wortschatzkompetenz bei Grundschülern bekommen die Kinder die Möglichkeit, noch vor dem Übergang in die weiterführende Schule ihre Bildungschancen zu verbessern. Viele haben Leseverständnisprobleme, weil ihnen die entsprechende Wortkenntnis fehlt.

Träger des Pilotprojektes ist das Diakonische Werk Darmstadt-Dieburg. Leiterin Edda Haack ist beeindruckt vom Engagement der Akteure, den Unterstützern und Mitfinanzierern bei der Stadt Darmstadt, der Gemeinde Groß-Zimmern und der HEAG. „Das neue Projekt wäre ohne Bettina Bock, die Initiatorin der Stiftung Zuwachs, nicht umsetzbar“, erklärt Haack. Die „Sprachwerkstatt“ wird derzeit an zwei Standorten durchgeführt. Mit dabei sind neben den Groß-Zimmerner Grundschülern Kinder der Heinrich-Hoffmann- und der Mornewegschule in Darmstadt.

Mindestens sieben unterschiedliche Sprachen sprechen die 22 Schüler zwischen sieben und zehn Jahren. Die meisten sind hier aufgewachsen, in den Kindergarten gegangen und sprechen recht gut Deutsch. „Die Präzision der Sprache ist oft nicht einfach zu verstehen. Muttersprachler erlernen die feinen Unterschiede in der passenden Umgebung. Um Wortbedeutung zu trainieren, bieten wir inszenierte Erlebnisse an und versuchen dabei die Aufmerksamkeit zu polarisieren“, sagt Professor Penner, den die Kinder einfach „Zvi“ nennen.

Mehr über Kon-Lab, das Sprachförderprogramm von Dr. Zvi Penner, erfahren Sie hier.

Seyda (9) und Gözde (8) sprechen zu Hause Türkisch. „Wir haben heute viel über den Waschbär Benjamin und Biber Oskar erfahren“, beschreibt Seyda den Vormittag. Die beiden Buch-Figuren führen die Kinder auf eine Reise von der Quelle des Rheins bis zur Mündung. „Der erste Tag war ganz schön aufregend“, meint Gözde, während sie ihre Arbeitsmappe verziert. Nach dem Essen im Jugendzentrum werden auf dem Schulhof naturwissenschaftliche Experimente zum Thema Wasser, Bewegung, Kraft und Energie durchgeführt. „Wir haben hier viel Spaß und lernen auch noch was“, meint Ronja (9) vernünftig, während ihr Bruder Robin (8) lieber noch auf dem Hof tobt. Bei Gruppenausflügen wird diese Woche unter anderem eine Schiffswerft besichtigt und Boot gefahren. Das Besondere an Penners Konzept ist, dass an erster Stelle Experiment und Beobachtung des Geschehens stehen und aufkommende Fragen anschließend besprochen und erklärt werden. „Abstrakte Begriffe wie Bewegung, Bewegungsachse, Kraft, aber auch Geschwindigkeit, Entfernung oder Abstand entstehen im gemeinsamen Gespräch und werden zu Wissen“, beschreibt Penner diesen Lernansatz. Die Frage der Didaktik überlässt er allerdings lieber den Lehrern.

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