Achim Grimm: „Das geht an die Substanz“

Flüchtlinge ziehen ins Glöckelchen

Groß-Zimmern - In diesem Jahr hat die Gemeinde 20 Flüchtlinge aufgenommen. Bis Jahresende sollen noch weitere 20 Personen in Groß-Zimmern untergebracht werden. Trotz der intensiven Suche hat Bürgermeister Achim Grimm keine Wohnungen gefunden. Von Gudrun Fritsch 

In der Not muss auf öffentliche Gebäude zurückgegriffen werden. Die Flüchtlinge sollen nun ins Glöckelchen einziehen. „Im ersten Halbjahr war die Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsamt gut gelungen. Aber momentan ist die Liste möglicher Wohnungen oder Häuser komplett abgearbeitet“, berichtet Bürgermeister Achim Grimm dem LA auf Nachfrage. Er sei sehr traurig und betroffen, dass es so weit kommen musste. „Das geht an die Substanz.“

Es habe viele Treffen mit dem Flüchtlings-Arbeitskreis und dem Gemeindevorstand gegeben. „Wenn kein Raum zu finden ist, muss die Gemeinde auf öffentliche Gebäude zurückgreifen“, beschreibt Grimm die Rechtslage. Davon gibt es in Zimmern allerdings auch viele. „Das Glöckelchen ist gewiss keine Dauerlösung, aber momentan die einzige“, so Grimm. Die alte Friedensschule, die noch vor gut einem Jahr vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde, komme nicht mehr in Betracht. Hier werden aktuell erste Bauarbeiten durchgeführt und im Februar beginnt die Grundsanierung.

Ob Container eine Lösung wären? Eine Frage, mit der sich auch der Gemeindevorstand schon beschäftigt hat. „Wir wollen weiterhin eine dezentrale Unterbringung finden“, betont Grimm. Trotzdem müsse man Container als Zwischenlösung in Erwägung ziehen. Derzeit wird ein geeignetes Grundstück gesucht, eine Kostenermittlung steht noch aus. Das wird auch am Montag Thema im Bauausschuss sein. „Mittel hierfür wurden bereits im Haushaltsentwurf 2015 eingeplant“, berichtet Grimm. Außerdem soll sich in der kommenden Woche auch die Bürgermeisterversammlung mit dem Thema beschäftigen.

Er habe mit sehr vielen potenziellen Vermietern gesprochen. „Ein großes Problem ist, dass man erst sehr kurzfristig erfährt, wer einem da ins Haus kommt.“ Die Nutzung öffentlicher Räume zieht natürlich auch viele Probleme nach sich. Im Glöckelchen sollen der erste Stock und ein Raum in der zweiten Etage als Unterkunft für Asylbewerber genutzt werden. Die sanitären Anlagen sind alles andere als optimal. Toiletten sind zwar vorhanden, aber keine Duschen. Dazu müssten die Bewohner in die Mehrzweckhalle gehen. Auch die Küchenzeile ist eigentlich viel zu klein.

Im Erdgeschoss sollen die Bücherei und der DRK-Raum regulär weiter betrieben werden. Viele Nutzer wie - etwa die Volkshochschule - müssen jedoch umgesiedelt und etliche Veranstaltungen ganz abgesagt werden. Derzeit werde hierfür ein Notfallplan erarbeitet. Da bei Veranstaltungen im Kerbkeller die Toiletten im Haus mit genutzt werden, wird hierfür voraussichtlich eine Außenanlage aufgestellt werden müssen. „Die Glöckelchen-Nutzer werden am Montag von uns angeschrieben und informiert“, betont Grimm und fügt hinzu: „Diese Konsequenz ist auch ein allerletzter Appell an die Bürger, Wohnungen anzubieten. Der Landkreis schließt den Vertrag ab und zahlt auch die komplette Miete.“

Um die Flüchtlinge kümmern sich neben dem Amt des Landkreises auch weiterhin die Mitglieder des Runde Tisches. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich bei der Unterbringung im Glöckelchen um eine Notbelegung handeln würde, die wir als Kreis möglichst vermeiden wollen“, teilte Frank Horneff, Pressesprecher des Landkreises, auf Nachfrage am Freitagmittag mit. Aktuell gebe es auch in anderen Kommunen keinen Platz, Menschen unterzubringen. Groß-Zimmern habe wie alle anderen ein Aufnahmesoll zu erfüllen. Da es keine freien Wohnungen oder Unterkünfte im Ort gibt, müsse über eine Notbelegung im Glöckelchen sehr ernsthaft nachgedacht werden. „Wann das soweit sein wird, ist noch offen. Es kann aber durchaus schnell gehen“, so Horneff.

Über die Gegebenheiten vor Ort sei man von Bürgermeister Grimm noch nicht informiert worden und man werde sich spätestens dann einen Eindruck verschaffen, wenn die Notbelegung nicht mehr abzuwenden sein wird. „Vermutungen, beispielsweise in Schaafheim wären Plätze frei, müssen wir widersprechen. Richtig ist, dass dort mittlerweile anerkannte Asylbewerber aus Syrien leben, die nach ihrer Anerkennung vom Kreis aufgefordert wurden, sich eine Wohnungen zu suchen“, so Horneff.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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