Vom Handschuh bis zur Nährplatte für genaue Luftkeimuntersuchung

Förderpreise fürs LaborShop

Preisträgerin Elke Kristiansen hat mit ihrem „LaborShop 24“ Erfolg.

Groß-Zimmern - „Wir suchen Gewerbefläche in Groß-Zimmern oder Umgebung zum Mieten oder Bauen“, sagt Elke Kristiansen und macht damit ihre wirtschaftlichen Expansionsabsichten deutlich. Von Finanzkrise ist derzeit bei der Groß-Zimmernerin nichts zu spüren. Seit sie sich vor einem Jahr mit ihrem „LaborShop 24“ selbständig gemacht hat, geht es für die 44-Jährige steil bergauf.

Vorher war sie jahrelang bei einem großen Pharmaunternehmen in Darmstadt als Laborleiterin tätig, bis sie sich die Frage stellte: „Ich kenne mich auf diesem Gebiet bestens aus. Wieso vertreibe ich die Sachen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe, nicht einfach selbst?“

Im Juli 2008 wagte sie den Schritt als Unternehmerin und bringt seitdem Laborartikel, Instrumente sowie die dazugehörigen Verbrauchsgegenstände an ihre Kunden. Letztere kommen in der Regel aus dem Mittelstand, da die großen Pharmaunternehmen Kooperationsverträge mit Firmen haben, die als sogenannte „Laborvollversorger“ auftreten. Beim Mittelstand bleibt für die gebürtige Bensheimerin trotzdem noch immer ein riesiger Markt übrig. Unter anderem liefert sie an Ärzte, Kliniken, Industriebetriebe mit kleinen Labors, Untersuchungsämter, Kläranlagen, Biologen, Heilpraktiker oder an die Lebensmittelverarbeitung. Dabei verlassen Desinfektionsmittel oder Handschuhe für Pflegedienste ebenso die kleine Firma wie Nährplatten, mit denen Baubiologen eine Luftkeimuntersuchung durchführen. 5 000 Produkte kann sie bereits in ihrem Bestand verzeichnen, jede Woche kommt ein neuer Lieferant dazu. Neukunden werden durch Direktwerbung, auf Messen und Kongressen requiriert, zum Teil kommen diese auch selbst auf sie zu. „Wir wachsen von Monat zu Monat“, kann Kristiansen stolz behaupten.

Stolz ist sie auf ihren Shop vor allem deshalb, weil sie damit, wie sie sagt, eigentlich keine Marktlücke aufgetan hat. Ihre durchschlagenden Vorzüge beschreibt sie mit Kundennähe, guter Beratung, moderaten Preisen und einem selbst ausgearbeiteten Internet-Auftritt, der für sie das wichtigste Fenster nach außen ist.

Alle Zulieferer, vor allem jene aus Fernost, lässt sie prüfen und auditieren, so dass sie für deren Qualität garantieren kann. Selbst Kinderarbeit schließt sie auf diese Weise aus. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist der Komplettservice: So vertreibt sie nicht nur Laborprodukte, sondern hat auch gleich jene Einrichtungen an der Hand, die die Proben untersuchen. Nicht anders läuft es bei den Messgeräten, die regelmäßig gewartet und kalibriert werden müssen. So ergibt die Dienstleistung einen geschlossenen Kreislauf.

Vor wenigen Wochen hat Kristiansen in Karlsruhe gleich zwei Förderpreise eines Mittelstandsprogramms bekommen. Der Innovationsrat befand ihr „LaborShop“-Konzept als tragfähig und zukunftsweisend.

Als Preis bekam sie ein Softwareprogramm im Wert von 15 000 Euro. Das liefert ihr zukünftig die Schnittstelle von ihrer Online-Datenbank zum rationellen Produzieren eines Kataloges. Den Weg über eine Werbeagentur hat sie sich damit gespart. Den zweiten Preis hat sie vor wenigen Tagen in Hamburg eingelöst: Dort nahmen Experten an drei Tagen nochmals ihr Konzept unter die Lupe und gaben Verbesserungsvorschläge, um so die letzten Schwachstellen - beispielsweise was die Homepage oder das Finden ihres Shops in den Internet-Suchmaschinen angeht - zu bereinigen. Die Prüfung war für sie kostenfrei, sonst schlägt sie mit 1 000 Euro pro Tag zu Buche.

Derzeit klingelt jeden Tag ein Lieferdienst im Odenwaldring und bringt ein Paket. Zwar ist an die Privatwohnung von Kristiansen ein Büro angegliedert und vorne im Haus ein kleines Lager angemietet, trotzdem stapeln sich zahlreiche Warenkisten im Wohnzimmer – ein Zeichen für gut florierenden Umschlag. Der Hauptversand geht derzeit noch von einem in Weinheim angemieteten Lager aus. Das gehört einer Firma, die als sogenanntes „Warehouse“ für andere Betriebe deren Produkte lagert und verschickt.

In Zukunft soll alles heimatnah abgewickelt werden. In Bezug auf ein Gewerbegrundstück hat sie sich schon mit Bürgermeister Achim Grimm getroffen. „Wir wollen investieren“, kündigt die 44-Jährige an.

Zwei Hilfskräfte greifen ihr bereits für den anfallenden Schriftverkehr im Büro unter die Arme. Für Kristiansen lässt sich diese Arbeit nicht auch noch erledigen. „Die 12 Stunden Arbeit pro Tag reichen mir ohnehin schon nicht“, so die Unternehmerin.

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