Förster offeriert neue Perspektiven mit rotem Rahmen

Zwei Männlein steh'n im Walde und sind im Bild

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Waldbilder im neuen Rahmen: Revierförster Martin Starke und Bürgermeister Achim Grimm laden zu neuen Betrachtungen des Waldes ein.

Groß-Zimmern - Ein roter Holzrahmen in lichter Höhe mitten im Wald. Das ist kein Spleen eines illustren Künstlers, sondern die Tat von Förster Martin Starke. Mit diesem Stilmittel möchte der Forstmann für neue Perspektiven sensibilisieren. Von Ursula Friedrich 

Die Augen von Spaziergängern, Sportlern und Wanderern sollen sich durch die knallrote „Galerie der Nachhaltigkeit“ auf Besonderheiten in der Natur richten, die vielen Erholungssuchenden sonst verborgen blieben. Im gesamten Wald des Forstamtes Dieburg sind die Förster rührig und hängen verschieden große Bilderrahmen auf, um so auf wichtige Aspekte von Wald, Waldbewirtschaftung und Naturschutz hinzuweisen.

„Diese 200-jährigen Eichen sind sehr selten“, erläuterte Martin Starke seinem Gast. Bürgermeister Achim Grimm ließ sich mit auf einen Spaziergang durchs Ökosystem nehmen. Bis zu 1 000 Insektenarten können in der Krone des mächtigen heimischen Baumes leben - der im Alter von 200 Jahren keineswegs zum alten Eisen gehört, sondern mühelos den 800. Geburtstag erreichen kann. Dennoch sind ältere Eichenbestände wie in Zimmerns Gemarkung an der Langen Schneise (Höhe Hirschkäferwiege) eher eine Seltenheit.

Wohnung und Lebensraum

Seltene Käfer wie Eremit und Eichenheldbock, Höhlenbewohner wie die Hohltaube, aber auch Fledermausarten nutzen Eichen als Wohnung und Lebensraum. Die Passion eines Fledermausexperten aus Alsbach-Hähnlein hat vor einiger Zeit für eine kleine Sensation gesorgt. „Von 24 in Deutschland heimischen Fledermausarten leben bei uns 15“, sagte Starke, „das gelingt nicht einmal im Frankfurter Stadtwald, der sieben Mal so groß ist wie unser Wald.“ Dank der ehrenamtlichen Naturforschungen von Rudolf Böhm wurde die seltene Bechsteinfeldermaus nachgewiesen. Erst seit drei Jahren ist die Nymphenfledermaus als eigene Art wissenschaftlich manifestiert - auch sie fühlt sich in Zimmerns Wald wohl.

Ein weiteres Waldbild am Breiten Beckerweg zeigt die natürliche Verjüngung des Waldes. Auf dem Stamm einer vom Sturm gefällten Kiefer haben junge Bäume Wurzeln geschlagen. Hier komprimiert sich das reichhaltige Leben im Ökosystem Wald auf engstem Raum, Moose, Käfer, Flechten, Insekten, Gräser und Pilze sind zu entdecken. „Das Waldbild ist für mich auch Sinnbild für die nachhaltige Bewirtschaftung unseres Waldes“, so der Revierförster. Es kann als Mahnmal gedeutet werden, die Waldbesitzer „auf nachhaltige Forstwirtschaft und so die Verpflichtung für Generationen hinweist.“

Groß-Zimmerns Wald hat neben seiner zentralen Bedeutung für das Klima vor allem eine Funktion: Er dient Sportlern, Wanderern, Tier- und Naturliebhabern, kurzum Erholungssuchenden als perfektes Umfeld. Wer bei dieser Gelegenheit einen roten Rahmen entdeckt, dem erschließen sich so noch ganz neue (Wald-) Perspektiven.

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