Fotografierte Heimatgedanken

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Eines der Fotos, die Mark Hamer für die Ausstellung anfertigte. Das passende Zitat dazu ist: „Heimat ist die Kindheit und alles, was wir so angestellt haben.“

Groß-Zimmern - „Ich habe über einhundert Gespräche und Interviews geführt“, berichtet Fotograf Mark Hamer rückblickend. „Natürlich gab es viele doppelte Nennungen wie beispielsweise den eigenen Garten, den Otzberg oder die Kirchtürme von Groß-Zimmern. Von Verena Scholze

Insgesamt habe ich aber ein breites und spannendes Spektrum an Antworten erhalten, die mich vor einige Herausforderungen stellten“, erzählt der Klein-Zimmerner Künstler zufrieden.

Für seine Ausstellung „Heimat – Gedanken in Bildern“ , streifte der 41-Jährige Brite, der vor rund 20 Jahren nach Deutschland kam, in seiner Freizeit durch Klein- und Groß-Zimmern. Wahllos befrage er dabei Mitbürger auf der Straße, welches Bild in ihren Gedanken entsteht, wenn sie an Heimat denken. Die Antworten der Befragten waren vielfältig und brachten oft Überraschendes zu Tage. Eine Herausforderung für den Fotografen war es dann, diese Gedanken in schwarz-weiß-Bilder umzusetzen.

Nachdem die Sammlung der Zitate abgeschlossen war, machte sich Hamer an die fotografische Umsetzung.

Die meisten Fotos entstanden im Umkreis von Zimmern

Ich hatte eine Vielzahl an Zitaten immer im Kopf präsent“, erzählt er. Im Auto lag zudem stets ein Heft mit den Aussagen der Interviewten, um darauf zurückgreifen zu können. „Nun stellte sich mir die Frage, wie man hierzu ein optisch passendes Motiv findet“. Seine Situation vergleicht Hamer mit einem Bergsteiger vor dem Aufstieg. Auch der müsse davon ausgehen: „diesen Berg bewältigt man Schritt für Schritt“. Seine Fototouren, die größtenteils im Umkreis von Zimmern stattfanden, seien wie ein meditativer Prozess zu verstehen: „Ich brauchte auf den Touren immer etwas Zeit, um in das Thema zu kommen“, erklärt Hamer. „Dann sieht man Dinge und entwickelt einen Blick fürs Motiv“.

Einfachere Umsetzungen waren für den Fotografen Gegenstände, während er sich bei emotionalen Beschreibungen auf sein Bauchgefühl verließ. „Bei meinen Fototouren hatte ich immer einen hohen Anspruch an mich selbst und zugleich natürlich den Termindruck im Kopf“, so Hamer. „Oft hatte er bereits ein konkretes Motiv zu einem Zitat im Kopf und kam dann schließlich mit einer ganz anderen Ausbeute nach Hause“, erinnert sich seine Frau Andrea lächelnd, die ihrem Mann während der gesamten Projektzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. „Im Juni hatte er mal eine besonders stressige Zeit“, erinnert sie sich. „Da musste ich ihn mal ein bisschen bremsen und den Aufwand relativieren“.

Die Arbeit an der Sammlung der Zitate und die Umsetzung der Fotos erfolgte zeitweise parallel. „Meine Interviewzeit betrug rund sechs Monate“, blickt Hamer zurück. Drei bis vier Monate benötigte er für die fotografische Umsetzung und allein zwei Monate nahm die Auswertung der Zitate und Bilder in Anspruch.

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Ich hatte mir einen Termin gesetzt, an dem ich die finale Auswahl getroffen haben wollte“, erklärt Hamer. Seit 14 Tagen ist diese Auswahl nun abgeschlossen und der Künstler ist zufrieden. „Ich fühle mich momentan wie in der Ruhe vor dem Sturm“, lächelt er. Die Ausbelichtung der Bilder ist erfolgt, die Rahmung steht nun bevor. „Ich habe versucht, eine gute Mischung zusammen zu stellen“, sagt der Fotograf, der bei der Auswahl der Fotos auch auf den Rat seiner Frau zurückgriff. „Sicherlich habe ich ein paar Lieblingsbilder aber die Entscheidung liegt allein bei ihm“, erklärt Andrea Hamer.

Rückblickend haben beide das Thema und die Umsetzung des Projektes als sehr positiv empfunden. „Der Höhepunkt war für mich, neue Menschen kennen zu lernen“, sagt Hamer, „denn ich wollte mit meiner Fotografie den Bogen zu den Menschen und deren Gedanken spannen. Es war wie der Beginn einer Reise bei der man noch nicht weiß, wo es hingeht“, lächelt er.

Nach Abschluss des Projektes möchte der Künstler erst einmal etwas zur Ruhe kommen und sich wieder voll und ganz der Familie widmen. „Es hat mir sehr großen Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, nach einer Ruhephase ein neues Projekt mit einem anderen Thema umzusetzen“, lächelt Hamer.

Die Ausstellung „Heimat-Gedanken in Bildern“ wird am 18. und 19. September im Kulturzentrum Glöckelchen zu sehen sein. Danach werden die Bilder auf der Veste Otzberg ausgestellt, wo sie in verkleinerter Form am 26. und 27. September zu sehen sind.

Informationen zum Projekt findet man hier.

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