Von Frauen für Frauen

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Hochzeitsfotos aus vergangenen Tagen schauten sich diese Teilnehmerinnen beim Sonntagscafé der evangelischen Kirche an.

Groß-Zimmern - Ein vergnügliches Thema hatten sich einige Besucherinnen des Sonntagscafés der evangelischen Kirche ausgesucht. Nachdem der Kaffee getrunken und der Kuchen verspeist war, unterhielten sich die Damen damit, alte Hochzeitsfotos anzuschauen.

Das besondere Interesse galt den Brautkleidern, schließlich hatte eine von ihnen die Prachtstücke genäht. Der Erlös des Cafés ist in diesem Monat allerdings einem ernsteren Thema gewidmet. Das Frauenhaus in Münster soll finanziell unterstützt werden. In der Einrichtung ist man bemüht, Frauen in schwierigen Lagen zu helfen. „Wir werden allerdings warten, bis wir etwa 500 Euro zusammen haben“, sagte Café-Mitorganisatorin Ute Obmann-Bunte. „Das machen wir in der Regel bei den Projekten, die wir mit einer Spende bedenken.“ Die Absicht des Sonntags-cafés ist Anlass für den LA einmal nach zu fragen, wie sich das Münsterer Frauenhaus überhaupt finanziert. In einem Telefonat erklärt Angelika Dahms vom Verein Frauen helfen Frauen: „Den Löwenanteil trägt der Landkreis, er unterhält das Haus mit 265.000 Euro im Jahr.“

Der Kreis war Anfang dieses Jahrhunderts in die Breche gesprungen, als das Land Hessen seine Förderung stark eingeschränkt hatte. Das betraf damals nicht nur das Münsterer Frauenhaus, sondern viele Frauenprojekte. Lediglich 10.000 Euro bekommt das Haus noch vom Land und die sind für Präventionsprojekte reserviert. Rund 70.000 bis 80.000 Euro jährlich erhalten die Betreiberinnen des Hauses über die Unterkunftskosten, die die betroffenen Frauen bezahlen. Hinzu kommen noch circa 20.000 Euro an Spenden und gerichtlich zugeteilten Bußgeldern. „Diese Gelder benötigen wir für besondere Anschaffungen oder die Instandhaltung des Hauses“, erklärt Dahms. „Dafür reichen die Mittel des Landkreises nicht.“ Seit 30 Jahren arbeitet Dahms im Verein mit. 20 Frauen und Kinder kann das Haus gleichzeitig aufnehmen. Bedauerlicherweise ist es immer voll besetzt. „In diesem Jahr mussten wir schon 163 Frauen abweisen, weil alle Zimmer belegt waren“, sagt Dahms und fügt hinzu: „Vor 30 Jahren hatte ich eigentlich gehofft, dass ein Frauenhaus irgendwann überflüssig ist. Aber leider ist das nicht der Fall.“ Allerdings gehen die Fraueninitiativen inzwischen auch andere Wege. Sie arbeiten nicht nur mit betroffenen Frauen, sondern versuchen auch auf der Täterseite anzusetzen.

(bea)

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