Ausverkauftes achtes Music-Art-Festival im Glöckelchen

Frauen-Power auf der Bühne

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Ronnie Taheny und das Outhouse Orchestra begeisterten das Publikum beim Musik-Art-Festival im Glöckelchen.

Groß-Zimmern - „10 000 Meilen würde er gehen, um zu seiner Liebsten zurückzukehren“, erzählt Deirdre Campbell-Shaw, „und das war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ganz schön weit“. Von Ulrike Bernauer

Publikumsfreundlich übersetzt die aus Schottland stammende Sängerin ihre Lieder, die nur die Zuhörer verstehen können, die Schottisch oder Gälisch verstehen. Die Erklärungen zu ihren traditionellen Titeln kommen mit viel Witz und Charme und in einem ausgezeichneten Deutsch daher.

Deirdre Campbell-Shaw beim achten Musik-Art-Festival.

Deirdre Campbell-Shaw ist der erste „Act“ des Abends beim achten Glöckelchen Music-Art-Festival und sie zieht ihr Publikum gleich in ihren Bann. Überhaupt ist das diesjährige Konzept des Glöckelchen-Vereins, diesmal nur zwei Gruppen einzuladen und das Konzert auf den oberen Glöckelchen-Saal zu beschränken, hervorragend aufgegangen. „Ausverkauft“ prangt es auf einem selbstgeschriebenen Schild am Eingang. Und tatsächlich fasst der obere Saal das musikbegeisterte Publikum kaum, einige stehen im Vorraum oder sitzen auf der Treppe.

Die Musik-Freunde sind begeistert von dem glockenhellen und hohen Sopran der Sängerin, die sich meist auf der keltischen Harfe begleitet. Ihre Stimme vermag es allerdings auch ohne Probleme, den Saal solo zu füllen. Das stellt sie bei der Zugabe unter Beweis, die sie ohne Harfenbegleitung singt.

Viele Titel von Robert Burns, dem schottischen Schriftsteller und Poeten, singt sie und die handeln meist von der Liebe. Aber auch einige selbstgeschriebene Titel sind dabei, die sich zwar musikalisch unterscheiden, aber ihrem Lieblingsthema treu bleiben.

Erst mit 34 Jahren begann Campbell-Shaw mit dem Harfespielen. „Geträumt habe ich davon seit ich 17 bin“,gesteht sie im Gespräch. Die Sängerin studierte Englisch, Germanistik und Slawistik und Musikwissenschaften. Sie lebt seit einigen Jahren in Deutschland, wo sie auch ihre Liebe fand.

Ganz anders kommt dagegen Ronnie Taheny und ihr Outhouse Orchestra daher. Während sich Campbell-Shaw schon räumlich sehr bescheidet - zwischen den Instrumenten ihrer Nachfolgerin hat sie sich mit ihrer Harfe ein Plätzchen gesucht - dominiert Taheny mit ihrem übersprudelnden Temperament ganz anders die Glöckelchen-Bühne.

Die gebürtige Australierin erzählt dem Publikum auch so einiges, allerdings auf Englisch und weniger über ihre Stücke.„Jedes Mal wenn ich aus Australien nach Groß-Zimmern komme, wohne ich in der Schützenstraße“,erklärt sie und wirft Küsschen zu ihren Gastgebern. Ortskenntnisse beweist sie, als sie Zuhörer im Publikum begrüßt, nicht nur aus Groß-Zimmern, sondern auch aus Reinheim, Dieburg oder Gundernhausen.

Dann greift sie zur elektrischen Gitarre und haut voll in die Saiten. Erst steht sie alleine auf der Bühne, so wie das Zimmerner Publikum sie kennt, dann ruft sie nach und nach das „Outhouse Orchestra“ dazu. „Ich weiß, warum es so voll ist“, lacht sie, „hauptsächlich die Männer konnten meinen Model-Musikerinnen nicht widerstehen“.Und in der Tat steht nun ein erstaunliches Trio mit Marie Suzanne de Lint (Querflöte und Gesang) und Amanda Goodfellow (Cello und Gesang) auf der Bühne. Gewandet im kleinen Schwarzen bieten sie eine Zeitlang das Bild einer Ladys-Band.

Erst Jarrad Payne (Schlagzeug und Gesang) verändert nicht nur das Bild, sondern auch den Klang. Multitalent Taheny wechselt von der Gitarre zum Keyboard oder nimmt ebenfalls auf einem Stuhl hinter dem Cello Platz. Aber immer mit übersprühender Lebendigkeit, die sich auch auf das Publikum überträgt.

Das lässt sich nach Ende des Konzertes, zumindest teilweise, trotz der späten Stunde noch animieren, in den Keller mit zu kommen, wo die After-Concert-Party stattfindet. Hier haben die Zuhörer Gelegenheit, die Künstlerinnen im Gespräch kennen zu lernen. Aber auch die beiden sehr unterschiedlichen Musikerinnen nutzten die Möglichkeit zum Austausch. Ein gelungener Abschluss eines überaus gelungenen Konzert-Abends.

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