Schlechter Ertrag durch Hitze, Trockenheit und Frost

Früher Sommer schadet Obst

Groß-Zimmern ‐ „Vom gemeldeten Gewitter ist bei uns wie so oft nichts angekommen“, sagt Jörg Dressel und zuckt mit den Schultern. Der 42-jährige Landwirt wartet seit Wochen wie seine Kollegen ungeduldig auf eines: Regen. „Einen so trockenen März habe ich noch nie erlebt“, beschreibt er die prekäre Situation um das Nass von oben. Das Dilemma fing bereits im Januar an: Der Schnee verschwand sehr früh und führte dem Boden kaum Feuchtigkeit und damit so gut wie kein Grundwasser zu. Dann blieb auch noch über Monate der Regen aus. Von Michael Just

Grundsätzlich macht die Trockenheit allen Kulturen zu schaffen, ganz besonders jedoch dem Getreide: „Der Weizen versucht dieser Tage bereits die Ähren auszuschieben“, berichtet Dressel. Normalerweise geschehe das erst Anfang Juni, also zwei Wochen später.

Das frühe Austreiben ist eine Überlebensstrategie: Fehlen Wasser oder Nährstoffe in großen Mengen, versucht sich das Gewächs in seiner Not so schnell wie möglich fortzupflanzen und bildet dabei einen Haupttrieb.

„Kommt jetzt der Regen, kann das noch einiges ausgleichen. Am Ende steht aber trotzdem weniger Ertrag, das lässt sich schon sagen“, konstatiert Dressel.

Auf seinen rund 150 Hektar pflanzt er Getreide, Mais Zuckerrüben und vor allem Kartoffeln. Durch die warmen Bodentemperaturen wurde dieses Jahr so früh gesät wie nie zuvor – mit der Konsequenz, dass das Saatgut unverhofft über Wochen im Trockenen lag und kaum keimte.

Vor allem der Mais offenbart große Lücken. Während die tieferen Lagen in Gersprenznähe die Trockenheit noch ein bisschen kompensieren konnten, sieht es auf den Buckeln schlecht aus: „Da kann man jeden Tag zugucken wie's weniger wird“, erzählt der Landwirt. Wegen der sehr großen Flächen kann er im Gegensatz zum Obstanbau nicht künstlich bewässern. Da hilft nur echter Regen und der am besten gleich über mehrere Tage zum Auffüllen der leeren Wasserkammern im Boden.

Die wichtigste Komponente im Betrieb, die Kartoffeln, bieten ebenfalls ein Bild des Jammers: Die Blätter sind erfroren, statt grün herrscht die Farbe braun vor. „Die treiben wieder aus, sind aber in der Entwicklung zurück“, erklärt Dressel. Nachteilig wäre nur, wenn sich im Boden schon ein Fruchtstand gebildet hätte: Dann ginge den Knollen durch die Bildung neuer Blätter wichtige Energie verloren. „Danach sieht es aber nicht aus“, sagt der Groß-Zimmerner, der trotz aller Wetter-Kapriolen nicht glaubt, dass es sich um Folgen des Klimawandels handelt, denn: „Es gab schon immer trockene und nasse Perioden.“

Ludwig Geibel, Obstanbauer in Klein-Zimmern, sieht das Thema Klimawandel anders: Die Apfelsorte „Cox Orange“ hat er früher Ende September geerntet, mittlerweile pflückt er sie bereits um den 10. des Monats. „Ich spüre die Extreme. Der Obstanbau wird schwieriger“, sagt der Gärtnermeister.

In diesem Jahr erlebte er eine Vegetation, die noch nie so früh dran war. Die Früchte zeigten sich in den letzten Tagen ungewöhnlich weit ausgebildet – mit verheerenden Folgen beim jüngsten Nachtfrost. Von den jungen Kirschen und den Zwetschgen erfroren auf Geibels Plantagen über 50 Prozent. „Das Steinobst ist am schlimmsten betroffen, bei den Äpfeln ist die Lage etwas besser“, berichtet der 46-Jährige.

Grundsätzlich beinhalte der Obstanbau größere Risiken als die restliche Landwirtschaft. Vor allem der Frost ist ein gefährlicher Faktor. Letzte Woche zeigte die Wetterstation auf dem Hof minus 1,7 Grad und das gleich über einen Zeitraum von drei Uhr nachts bis morgens um acht. In den Senken dürfte es noch eisiger gewesen sein. Da die schwere Kaltluft zu Boden fällt, überlebten Früchte und Blüten oft nur in den Baumspitzen. „Deshalb versucht man, Obstplantagen möglichst hoch und nicht in den Senken anzulegen. Ein, zwei Grad können entscheidend sein“, erläutert Geibel. Die Bäume seien durch die Trockenheit sowieso schon im Stress, der Frost summiere das Ganze noch. Der mache weniger aus, wenn die Vegetation wie gewohnt verläuft. Gefährlich werde es immer dann, wenn zu früh ausgetrieben wird.

Bei den Erdbeeren konnte Geibel mit Folien einiges retten. Trotzdem gab es schwarze und damit erfrorene Blüten, die später keine Frucht bilden werden. In punkto Trockenheit kann der Obstbauer auf seinen 25 Hektar Land mit Bewässerungsschläuchen nachhelfen, auch wenn dies sehr kostenintensiv ist. „Stellen Sie mal drei Leute ab, die wochenlang nichts anderes machen“, sagt er und kündigt für 2011 ein schlechtes Erntejahr an: „Dort, wo die Früchte erfroren sind, hilft jetzt auch kein Regen mehr. Das ist für dieses Jahr vorbei“, sagt Geibel und ergänzt: „2012 geht die Lotterie von neuem los.“

Bei Ludwig Geibel sind etwa die Hälfte der Kirschen und Zwetschgen erfroren.Fotos: Just

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