Frust nach dem Frost

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Beulen werden zu Löchern. Der Wechsel von Tauwetter und Kälte zerstört die Straßen.

Groß-Zimmern (guf) ‐ Täglich grüßt der britische Geheimdienstler; James Bond bevorzugt seinen Martini bekanntlich nicht gerührt. Für den Doppel-Null-Agenten wäre es derzeit ein Leichtes, seinen Drink in Zimmern zuzubereiten: ins Auto gesetzt, Wodka und Wermut ins Glas und los - schon nach wenigen Metern wäre der herbe Cocktail bestens geschüttelt.

Der gegenwärtig stete Wechsel von Frost- und Tauwetter verwandelt die Straßen zunehmend in Holperstrecken und Schlaglochpisten. Mit langfristigen Folgen. Klaus Keller vom Bauamt der Gemeinde seufzt mit jedem neuen Tief, das der Wetterdienst ankündigt, denn jedes Loch, das der Frost in die Fahrbahndecken sprengt, muss geschlossen werden - und wenn sich nicht bald etwas ändert, wird dies das Haushaltsloch noch vergrößern. Für die Straßenunterhaltung 2010 stehen 75 000 Euro bereit. „Notfalls müssen wir einen Antrag stellen. 2009 war das nicht nötig, 2008 wurde die Haushaltsposition um 10 000 Euro ergänzt“, erklärt der Bauamtsleiter dem LA auf Anfrage.

Ob sich Keller den Frühling herbeisehnt, ist fraglich. Laue Lüfte künden von neuen Verteilkämpfen und das Geld fehlt an allen Stellen. Daher ist eine grundlegende Sanierung des lokalen Straßennetzes von insgesamt 52,7 Kilometer Kilometern Utopie.

Bürger sollen sich bei kaputten Straßen melden

Derzeit wird eine Prioritätenliste aufgestellt. Die Bauhof-Mitarbeiter können jedoch nicht alles sehen, deshalb sollten sich Bürger melden, wenn sich eine neue Gefahrenstelle auftut. „Wir sind für jeden Hinweis dankbar, bitten aber auch um Verständnis dafür, dass nicht überall sofort etwas gemacht werden kann“, sagt Keller. Noch seien zudem nicht alle Schäden sichtbar. Wenig Trost bedeutet es für ihn, dass offensichtlich die Landesstraßen (für die das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Darmstadt zuständig ist) noch schlechter aussehen als die der Gemeinde.

Aber die schadhaften Fahrbahndecken vermehren sich auch hier rasant: Überall klaffen Löcher, an vielen Stellen ist die Deckschicht weg geplatzt, die Dresderner Straße etwa mutiert zur Teststrecke für Stoßdämpfer. Generell ist zu erkennen: Wo schon mehrfach ausgebessert wurde, bröselt und klafft es besonders. Aus Flickenteppichen werden Straßenkrater und Gulideckel liegen schief.

„Wir sind derzeit ziemlich machtlos“

Und so passiert’s seit Anfang Januar: Wasser dringt über Risse und Löcher in den Asphalt, dehnt sich bei Minusgraden aus, zerfranst das Bitumengemisch. Wenn das Eis taut, hinterlässt es Hohlräume, die zunächst nicht sichtbar sind. Der Verkehr erledigt den Rest.

Dann erschallt der Ruf  nach dem Straßendienst. „Wir sind derzeit ziemlich machtlos“, sagt Keller. Nur die größten Löcher füllen die Mitarbeiter des Bauhofs mit Kalt-Asphalt aus. „Aber der wird wieder rausgefahren.“ Damit man ordentliche Schichten aufbringen kann, muss die Bodentemperatur zwischen acht und zehn Grad liegen - plus, versteht sich. „Das wird noch dauern“, sagt Keller und macht mit einem Verweis auf Prognosen für die kommende Woche wenig Hoffnung.

Bauarbeiten wurden wegen des Wetters eingestellt

Wegen der Wetterlage liegen auch die Baustellen auf Eis. In der Lebrechtstraße wurde mit dem Straßenbau noch nicht begonnen. Voraussichtlich wird hier wohl bis in den Sommer hinein gearbeitet werden müssen.

Auch die Außenarbeiten am Kindergarten Nordring liegen brach. „Wenigstens konnten wir hier mit den Innenarbeiten weiter machen“, meint Keller zum Trost.

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