Ganz im Zeichen des Teamgeistes

+
Echte Herausforderung an das Gleichgewicht: Frei auf dem Ball stehend den Reifen um den Arm schwingen.

Groß-Zimmern ‐ Ganz schön schwer ist es, auf einem Ball zu stehen und dabei auch noch einen kleinen Reifen um den Arm zu schwingen. Auch nicht gerade einfach ist es, auf einem Brett zu balancieren, das auf einer kleinen runden Tonne liegt. Von Ulrike Bernhard

Aber die Kinder lieben diese und andere Herausforderungen und so ist sie immer ausgebucht, die Zirkuswoche der Ferienspiele. So groß war der Andrang in den letzten Jahren, dass es jetzt den Zirkus Baldini sogar zwei Wochen lang in der Ferienzeit gibt.

„Die größte Herausforderung ist allerdings nicht die an die motorischen Fähigkeiten der Kinder“, sagt Jugendpfleger Tom Hicking, der das Zirkusprojekt startete. „Viel wichtiger ist, dass die Kinder sehen, dass Zirkus nur im Team geht“. Die Kinder lernen, andere mit ihren ganz speziellen Fähigkeiten zu akzeptieren, so die Beobachtung von Hicking nach mittlerweile sehr vielen Zirkuswochen. Schließlich kommt der Zirkus nicht nur in den Ferienspielen, sondern auch zu Projektwochen für die Schulen. „Gleich in der zweiten Schulwoche werden die Schüler der fünften Klassen der Albert-Schweitzer-Schule Gelegenheit haben, sich im Zirkusprojekt besser kennen zu lernen“, erklärt Hicking.

„Ich habe zwei neue Freundinnen gefunden“

Die Kinder melden sich zu den verschiedenen Gruppen, wie der Leiterakrobatik, dem Hula-Hop oder der Jonglage nach Interesse an und treffen dabei oft auf andere, die sie nicht kennen. So wie zum Beispiel die neunjährige Desiree, die ganz glücklich am zweiten Tag der Zirkuswoche verkündet: „Ich habe zwei neue Freundinnen gefunden“. Desiree versteht sich in der Gruppe, die Kunststücke mit Ponys und einem Pferd einübt, ganz besonders gut mit der siebenjährigen Sascha und der gleichaltrigen Hanna. Die drei Mädchen sind mit anderen ausgeschwärmt, um Löwenzahn für die Hasen zu suchen.

Auch das gehört dazu, anderen Gruppen zu helfen, wenn gerade mal Zeit ist. „Im Zirkus funktioniert nichts wenn nicht alle zusammenarbeiten“, meldet sich noch mal der Jugendpfleger zu Wort. Er hat schon häufig erlebt, dass auch nicht so selbstsichere Kinder in der Zirkuswoche regelrecht aufblühen. „Auch wenn sich manche am Anfang nicht so richtig trauen, durch das Anfeuern der anderen Kinder werden sie mutiger“.

Ebenfalls nicht einfach: Auf dem Brett auf einer Rolle zu balancieren.

Da Hicking viele der Kinder dann im Kinder- und Jugendzentrum wiedersieht, weiß er auch, dass diese Veränderung oft erstaunlich nachhaltig ist. Vielleicht ist auch das eine Erklärung dafür, warum die Zirkus-Ferienspiele so beliebt sind. Also nicht nur das Erlernen von neuen Fähigkeiten und die Erfahrung, mal selbst in der Manege zu stehen und den Applaus einzuheimsen.

„Für viele Kinder ist es wie das Eintauchen in eine neue Welt“, sagt Hicking. „Im Zirkus sind einfach Dinge möglich, die sonst so nicht vorstellbar sind“. Wahrscheinlich macht all dies die große Anziehungskraft der Woche in und um die Manege aus. Schließlich kommen ganz viele Kinder seit Jahren immer wieder in diese ganz besondere Ferienspielwoche. Und manche können gar nicht davon lassen. Wenn sie schon zu alt sind, um noch mitmachen zu können, dann kommen sie, um den Teamern hilfreich zur Seite zu stehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare