Die ganze Gemeinde trauert

Klein-Zimmern (guf) - Die letzten Tage sind überschattet vom Freitod eines 17-Jährigen aus Klein-Zimmern. Der überaus engagierte und beliebte Jugendliche hatte sich am Samstag das Leben genommen. Die ganze Gemeinde ist betroffen und trauert.

Staatsanwalt Sebastian Zwiebel teilte am Montag mit: „Gegen 13.15 Uhr wurde von einer Streife der Polizeistation Dieburg im Waldgebiet Birkenruh die Leiche eines 17-Jährigen gefunden, der sich durch Erhängen das Leben genommen hatte.“ Der Junge sei am Vortag von seinen Eltern als vermisst gemeldet worden. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er die Verantwortung für drei Brände am 30. Juli und  3. August, als es zweimal brannte, in der Mark- und der Schulstraße in Klein-Zimmern einräumte.

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Zu den inzwischen über 20 Brandstiftungen im Ort ermittelt die Polizei seit Juli, in diesem Zusammenhang wurde der 17-Jährige, der auch Mitglied der Feuerwehr ist, am Donnerstag, 25. August, als Zeuge im Beisein seines Vaters befragt. Bei einer Begehung des Brandortes mit der Kriminalpolizei am 29. August hatte ein Beamte Streichhölzer und Grillanzünder sichergestellt, mit der Bemerkung: „Da hat der Täter wohl einen Fehler gemacht.“ Der Jugendliche habe sogleich darauf hingewiesen, dass er die Gegenstände beim Einsatz berührt habe. Nur so kam es zur Vorladung der Polizei, wo er keine Angaben zu Brandursachen machte. „Bei Minderjährigen ist es Vorschrift, die Erziehungsberechtigten hinzu zu ziehen. Wenn wir von einer Selbstgefährdung ausgehen, schalten wir sofort unsere Psychologen ein“, betonte Polizeisprecher Christopher Roth auf Nachfrage des LA. Doch gefährdet schien der Jugendliche zu diesem Zeitpunkt nicht. Erst in seinem Abschiedsbrief hat er gestanden, drei kleinere Brände gelegt zu haben, bei denen es nur zu sehr geringem Schaden kam. „Mit den anderen habe ich nichts zu tun“, betonte er. Als Motiv für die Taten gab er an, „er habe durch die Brände den Zusammenhalt innerhalb der Wehr verbessern wollen“, so Zwiebel.

Besonders betroffen sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. „Wir sind keine Berufsfeuerwehr und einfach zu nahe dran. Auf sehr tragische Weise haben wir einen Kameraden verloren und in erster Linie stehen auch bei uns die Trauer und das Mitgefühl mit der Familie. Viele von uns sind selber Angehörige“, berichtet Gemeindebrandinspektor James Bennett. Man verurteile zwar jede Brandstiftung, aber konkret müsse man auch die Hintergründe beachten und „die Trauer überwiegt. Er hat uns ein schweres Erbe auferlegt.“ Mit professioneller Hilfe wolle man das Geschehene aufarbeiten. Die Feuerwehr, die auch von der Familie des Jugendlichen seit Generationen mit getragen, wird ihn mit einem letzten Geleit verabschieden.

Bestürzt und geschockt sind die vielen Freunde und Mitschüler des 17-Jährigen, der in zahlreichen Vereinen aktiv und sehr beliebt war. Als stellvertretender Vorsitzender des Kreisschülerrates wollte er demnächst für den Vorsitz kandidieren, auch bei den jungen Katholiken war er sehr engagiert.

„Die Anteilnahme ist riesig. Viele Freunde haben sich gemeldet und betonen: Wir lassen ihn nicht alleine“, berichtet der Vater. Dies und das Argument von Pfarrer Christian Rauch, dass „sein Sohn in der Klein-Zimmerner Kirche gelebt und dort alles mit getragen“ habe, haben ihn davon überzeugt, nicht wie zunächst geplant im engen Kreis Abschied zu nehmen. Allein die Verwandtschaft sei schon sehr groß, zudem werden zahlreiche auswärtige Besucher erwartet. Da die Parkplätze in Klein-Zimmern begrenzt sind, sollten Ortsansässige möglichst auf die Mitnahmevon Autos verzichten.

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