Zu Gast bei Frosch und Lurch

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Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg ‐ Das Weltkulturerbe Grube Messel ist jedem ein Begriff. Der ökologische Schatz, dessen Herzstück die Fossilienfundstätte bildet, genießt weniger Berühmtheit: das Messeler Hügelland.  Von Ursula Friedrich

Von Messel und Eppertshausen im Norden, Darmstadt im Westen, Münster und Dieburg im Osten bis nach Groß-Zimmern erstreckt sich das wertvolle Naturkleinod. Auf 10 100 Hektar Fläche, davon 9 000 Hektar zusammenhängender Wald, sind 104 Pflanzenarten der roten Liste und 156 bedrohte Tierarten zu finden. Und hier lassen sich die Nachfahren der 47 Millionen Jahre alten Messeler Fossilien life bestaunen.

Umweltministerin Lucia Puttrich reiste am Samstag an, um sich auf den neusten Stand des Projektes „Messeler Hügelland-Artenvielfalt vor unserer Haustür“ zu bringen. Dessen historische Wurzeln reichen ins Jahr 2008, als auf Initiative des Landes Hessen Daten erhoben und Partner gesucht wurden. 2010 war das Projekt in „trockenen Tüchern“, neben Städten und Kommunen, dem Landkreis, sowie dem Regierungs Präsidium sind private und gewerbliche Förderer, das Bioversum Kranichstein, der Groß-Zimmerner Förderverein Waldschule und Naturschutzverbände mit im Boot.

Das Budget hingegen ist nicht „üppig“. Rund 50 000 Euro aus verschiedenen Töpfen stünden jährlich zur Verfügung, sagte Helmut Seitel, Leiter des Forstamts Dieburg. Zweidrittel der Forstamtsfläche (13 Kommunen fallen in den Amtsbereich) machen das Messeler Hügelland aus. „Wir haben 10 000 Hektar Kommunalwald und 5 000 Hektar Staatswald“, lieferte Seitler noch ein paar Zahlen.

Trotz der kurzen Zeit, in der die Naturschutzoffensive greift, sei vieles geschehen. Und das, wie der Ministerin bei einer Waldrundfahrt präsentiert wurde, zum Teil mit bescheidensten Geldmitteln.

In Groß-Zimmern entstand mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher eine Hirschkäferwiege. Wenige hundert Meter weiter konnten in einem seichten Tümpel, der vor kurzem ausgehoben wurde, hunderte von Kaulquappen beobachtet werden. Kostenpunkt der Neuanlage: 1 100 Euro.

Die Regenerierung von Erlenbruchbereichen bei Münster sei ebenfalls umgesetzt, sagte Dr. Wolfgang Heimer von der Unteren Naturschutzbehörde, Naturschutzmaßnahmen auf dem Muna-Gelände wurden angeleiert. Viele neue Laichgewässer bieten Amphibien größere Lebensräume.

Die Pflege der Heideflächen wurde ebenfalls forciert, so etwa am „Skihang“ auf der Moret. Allein 40 neue Tümpelanlagen konnten angelegt werden. 18 Lebensraumtypen sind im facettenreichen Messeler Hügelland mit seinen Wäldern, Feuchtgebieten, sanften Hügeln und Wiesenflächen zu finden.

175 verschiedene Pflanzenarten sind hier heimisch. Und diese Artenvielfalt würde sich angesichts der Anstrengungen noch vergrößern, waren sich die Fachleute einig. Das soll sich nicht im Verborgenen abspielen. „Ökotourismus“ lautet das Stichwort für einen zweiten Schwerpunkt des Projektes, das insbesondere die Umweltbildung in den Vordergrund stellt. Laubfrosch, Waldschnepfe, Knabenkraut und Zauneidechse sollen bereits den jüngsten Waldbesuchern im Kindergartenalter nahe gebracht werden.

Die gezielte Förderung des Messeler Hügellands ist zunächst bis zum Jahr 2015 angelegt.

Auf Exkursion durch den Zimmerner Gemeindewald (oben): Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich reiste an, um die Artenvielfalt des Messeler Hügellands kennen zulernen. Tierischer Kindergarten (links): ein neuer Tümpel wurde von Fröschen bereits als Laichgewässer besiedelt – inzwischen tummeln sich zu muntere Kaulquappen.

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