Gerald von Schumann, Besitzer der Sonnen Apotheke in Groß-Zimmern, überrascht von Großeinsatz

„Gefäß zu jeder Zeit intakt“

Einen Großeinsatz hat am Freitagvormittag ein kleines Gefäß mit der Chemikalie Pikrinsäure in der Sonnen Apotheke ausgelöst. Unverhältnismäßig und rufschädigend, meint Inhaber Dr. Gerald von Schumann, weil das Gefäß vollkommen intakt war.
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Einen Großeinsatz hat am Freitagvormittag ein kleines Gefäß mit der Chemikalie Pikrinsäure in der Sonnen Apotheke ausgelöst. Unverhältnismäßig und rufschädigend, meint Inhaber Dr. Gerald von Schumann, weil das Gefäß vollkommen intakt war.

Groß-Zimmern – Viel Lärm um nichts? Das stimmt nicht ganz, aber trotzdem war Dr. Gerald von Schumann überrascht als am Freitag massenhaft Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst vor seiner Sonnen Apotheke an der Wilhelm-Leuschner-Straße standen (wir berichteten). Zwar hat von Schumann den Einsatz durch seinen Anruf bei der Polizei selbst ausgelöst, nachdem eine Mitarbeiterin ein mit der – im Falle der Austrocknung hochexplosiven – Chemikalie Pikrinsäure gefülltes Gefäß im Schrank gefunden hatte.

So einen großen Einsatz inklusive Räumung der Apotheke und des ganzen Gebäudes hat er aber nicht erwartet. Schließlich handelte es sich dabei nur um knapp 30 Milliliter in einem (entgegen der Einsatzmeldung) Plastikgefäß und nicht in einem Fass. „Das Gefäß war zu jeder Zeit intakt, das kann auch das Landeskriminalamt (LKA, d. Red.) bestätigen“, stellt von Schumann klar. Auch betont er, dass die Lage zu jeder Zeit unter Kontrolle gewesen sei – und vor allem die Säure nicht zu explodieren drohte. „Solange das Gefäß nicht bewegt wird, droht hier gar nichts, dann steht es noch in 50 Jahren so da“, erklärt der Apotheker. „Wir haben zur Sicherheit im Vorfeld schon den Laborschrank verschlossen, der Schlüssel wurde verwahrt, niemand konnte ihn ohne mein Wissen oder Befugnis öffnen.“

Eigentlich hätte das Gefäß schon längst entsorgt sein sollen, weil von Schumann es in der Apotheke nicht braucht. „Bis 2012 war es eine Vorgabe, dass jede Apotheke einen gewissen Vorrat an Pikrinsäure hat. Das ist jetzt aber nicht mehr so“, sagt er und betont noch einmal, dass die Chemikalie mit Wasser verdünnt (was sie in der Regel auch ist) vollkommen ungefährlich sei. „Sie wurde oder wird schließlich sogar auch in Schulen benutzt.“ Kunden bräuchten beim Gang in die Apotheke jedenfalls keine Angst zu haben, dass sie explodiert. „Ich wollte in diesem Fall einfach nur vorbildlich und richtig handeln“, erzählt von Schumann. Dass der Einsatz so groß ausgefallen sei, habe daran gelegen, dass bei der Kommunikation mit der Notrufzentrale etwas schiefgelaufen sei. „Normalerweise ist das laut LKA eine Sache von 20 bis 30 Minuten und nicht wie bei uns von drei Stunden. Ich will gar nicht wissen, wie viele Apotheken in Deutschland sich beim LKA melden und dabei keinen Großeinsatz auslösen.“

Aufgefallen ist das undurchsichtige Gefäß mit Pikrinsäure bei einer routinemäßigen Durchsicht. Das sollte eigentlich längst entsorgt sein. Da dies nicht passiert ist und die Apotheke die Substanz nicht mehr benötigt, sollte dies jetzt erfolgen. Das sei vor allem unter dem Aspekt zu sehen, dass keine akute Gefährdung bestand, weil der Schrank abgeschlossen war. „Natürlich ist potenzielle Gefahr in Verzug“, gesteht von Schumann, „und die zweifelhafte Substanz sollte schnellstmöglich entschärft werden.“ Aber schnellstmöglich hieße nicht überstürzt mit der Masse an Einsatzkräften, die schließlich vor Ort waren. „Klar kann man sagen, besser zu schnell und zu scharf reagiert. Das muss man dem Beamten zugutehalten, aber hier wurde klar überreagiert.“ Vorgesehen war laut von Schumann, dass eigentlich nur eine Streife vorbeikommen sollte, mit der er dann das weitere Vorgehen besprechen wollte. „Hätte man mich im Vorfeld über das Vorgehen informiert, hätte ich es direkt unterbunden, da ich mich schon eineinhalb Stunden zuvor informierte, wie vorzugehen ist.“ Daher auch die explizite Frage nach dem LKA, die die Pikrinsäure auch ohne große Absicherung schnell erledigt hätte. Die Räumung des gesamten Grundstücks sei ebenso nicht nötig gewesen. „Diese kleine Menge ist damit zu vergleichen, dass man einen Böller in der Hand zündet. Was natürlich auch schlimm ist“, will von Schumann nichts kleinreden, „aber eben nicht im Verhältnis zu diesem Großeinsatz.“

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