Nur das Gelbe vom Ei

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Das Oster-Endprodukt: Christel Strauß steht im Landlädchen der Familie hinter dem Tresen.

Groß-Zimmern/Georgenhausen ‐ Bevor er in den Stall geht, muss Friedrich Strauß durch die Hygieneschleuse. Mit sauberer Kleidung steigt er auf eine Desinfizierungsmatte, die das Schuhwerk mit Formaldehyd reinigt. Von Dirk Beutel

Mittlerweile braucht er gar keinen Kalender mehr, um genau sagen zu können, auf welches Wochenende im Jahr das Osterfest fällt. Fast schon obligatorisch steigt zwei Wochen vorher die Nachfrage nach Eiern gewaltig an. Es sind vor allem Privatkunden, die auf den Geflügelhof der Familie Strauß nach Georgenhausen pilgern, um sich für die beliebte Eiersuche einzudecken. Besonders die letzten Tage vor dem Fest fordern der Familie einiges ab. Palettenweise gehen die Eier über die Ladentheke, weiß, braun oder gefärbt.

Im Regelfall treibt das keine Sorgenfalten ins Gesicht von Strauß. Doch er und sein Sohn Axel, der den Geflügelhof in dritter Generation führt, spüren jetzt auch die Auswirkungen der Nutztierhaltungsverordnung und des seit Januar gültigen Legebatterien-Verbots in Deutschland. „Wir haben noch Glück, dass unsere Kunden aus der Hotelbranche vor der Osterzeit keine Bestellungen bei uns machen. Aber auch so kann es schon mal knapp mit den Eiern werden“, berichtet der Senior. Denn die Eierproduktion lässt sich nicht gut steuern. Im Durchschnitt legt ein Huhn fünf Eier pro Woche; macht auf dem Strauß´schen Hof im Schnitt etwa eine Million im Monat. Auch der Hessische Bauernverband schlägt Alarm, er bilanziert immer weniger Eier aus deutscher Produktion: „Im vergangenen Jahr kamen nur 58,5 Prozent der Konsumeier aus deutscher Erzeugung. 2005 lag der Anteil noch bei 70,6 Prozent“, stellte der Präsident des Verbandes, Friedhelm Schneider, fest. Weniger Eier bedeutet auch weniger Legehennen, wie das Hessische Landesamt für Statistik belegt. Demnach wurden 2008 in Hessen von 1,2 Millionen Hennen rund 342 Millionen Eier produziert. Ein Jahr darauf waren es nur noch rund 940 000 Hennen mit gut 253 Millionen Eiern.

Bodenhaltung gab es schon immer bei Strauß´

Laut Verordnung ist die herkömmliche Käfighaltung von Legehennen in Deutschland verboten. Lediglich Boden- oder Freilandhaltung ist erlaubt. Eine Ausnahme bilden die mit Einstreu, Sitzstange und Scharrmatte ausgestalteten und EU-zugelassenen Käfige, in denen eine Kleingruppenhaltung zugelassen ist. Vor allem für Geflügelbetriebe aus Norddeutschland bedeutete die neue Gesetzeslage das Ende.

Strauß hatte schon immer Eier aus Bodenhaltung „wenn auch im kleinen Stil“. Heute befinden sich nahezu alle seiner 50 000 Legehennen in Bodenhaltung, rund 6 000 davon hält Strauß in den ausgestalteten Käfigen in Hallen auf Groß-Zimmerner Gemarkung.

„Wir haben die Qualität im Griff.“

Allerdings landen diese Eier in der Nudelproduktion. In den Um- und Ausbau sowie für Hygieneeinrichtungen investierte das Unternehmen in den letzten drei Jahren rund fünf Millionen Euro. Strauß legt großen Wert auf qualitativ hochwertige Eier. Die bekommt er nur, wenn es seinen Legehennen gut geht: „Wer mit Tieren arbeitet, braucht ein Gefühl und eine besondere Beziehung zu ihnen“, betont er. Auf dem Geflügelhof in Georgenhausen bekommen die Tiere frischen Mais, Weizen, Hafer, teils aus eigenem Anbau, und Sojaschrot aus Südamerika als Eiweißträger, hinzu kommt ein Kalkanteil von rund zehn Prozent. Das Endfutter mischt Strauß selbst. „Wir haben die Qualität im Griff“, betont der Juniorchef. Neben dem Eierverkauf an Wochenmarktbeschicker, dem Einzelhandel und Privatkunden ist die Familie Strauß selbst ein dankbarer Abnehmer. Friedrich Strauß verzehrt rund 400 Eier im Jahr - in allen Variationen. „Damit bin ich persönlich ein gutes Beispiel dafür, dass der Spuk um Cholesterin hochgespielt wird.“ Ehefrau Christel Strauß verkauft im Landlädchen Gemüse, Kartoffeln, Nudeln, Weine, Blumen und natürlich die eigenen Eier.

Mit den Ostereiern hatte man in den letzten zehn Jahren eher Arbeit. Aber mittlerweile gibt es drei Enkel. „Am Ostersonntag kommt die ganze Familie zusammen, und dann werden auch bei uns Eier gesucht“, sagt Friedrich Strauß zufrieden.

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