Im Erbsenbach sucht das Wasser den eigenen Lauf

Geldfluss auf ein Drittel gesenkt

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Sehr zufrieden ist Markus Römermann vom Umweltamt mit dem Verlauf von Wasser und Kosten.

Groß-Zimmern (guf) ‐ „Unser Modell ist sowohl vom Wasserlauf als auch hinsichtlich der Kosten ein Erfolg“, berichtet Markus Römermann vom Zimmerner Umweltamt.

Vor drei Jahren haben sich viele Gemeinden für das „Integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) mit räumlichem und thematischen Schwerpunkt“ gemeldet. Auch die Renaturierung des Erbsenbaches wurde für diese Maßnahme angemeldet. „Wir sind rausgefallen, weil die Randbedingungen nicht erfüllt wurden“, beschreibt Römermann seinen Ärger von damals. Doch die Ablehnung war Ansporn für das eigene Modellprojekt, das er vor zwei Jahren startete. Vom Gemeindevorstand und den entsprechenden Behörden wurde die Maßnahme befürwortet. Die Kosten, die zu 80 Prozent über EU-Fördergelder getragen werden, wurden auf 140 000 Euro geschätzt. Im Vergleich zur Renaturierung der Gersprenz (740 000 Euro) eine recht geringe Summe. „Wir sind fast fertig und haben lediglich 45 000 Euro gebraucht“, freut sich Römermann.

Im Planbereich des Erbsenbaches wurde ein großzügiger Korridor durch Abschieben von etwa 40 Zentimeter Oberboden auf einer Breite von rund 10 Metern angelegt, in dem sich der Erbsenbach sein Abflussprofil selbstständig suchen soll. Innerhalb dieses Korridors soll es zu einer sukzessiven Entwicklung des neuen, naturnahen Gewässerabschnittes und seiner angrenzenden Uferbereiche kommen. Das alte, schnurgerade Bachprofil wird später noch mit den Erdaushubmassen teilverfüllt und so einer natürlichen Verlandung überlassen.

Zur Unterstützung dieses natürlichen Entwicklungsprozesses wurden punktuell Totholz und Störsteine eingebracht. „Totholz in einem Fließgewässer ist Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Pflanzen und Tiere. Es steigert somit die Lebensraumvielfalt“, erklärt Römermann.

Zusätzlich wurden Depots aus örtlich gewonnenem Split eingebracht, um die Qualität der Sohlstruktur zu verbessern, da diese Lebensraum für eine große Anzahl an Kleinstlebewesen ist.

Durch die Umleitung des Wasserabflusses vom „alten“ Erbsenbach in den Ausgleichskorridor soll eine artenschonende Verlagerung der Flora und Fauna in das neue Erbsenbachprofil und somit die Neubildung von Habitaten unterstützt werden. Demnächst wird am Erbsenbach eine große Infotafel stehen, die Auskunft über die Arbeiten und den Renaturierungsprozess bietet.

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