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Die einen füllen und schieben Schubkarren...

Groß-Zimmern (ula) ‐ Unkraut jäten, Löcher buddeln und Abfalleimer herumschleppen sind nicht immer die Höhepunkte im Aufgabenpensum kindlicher Haushaltshilfen. Beim zweitägigen Arbeitseinsatz auf dem Quartiersplatz der Wohnanlage Angelgarten- und Dresdner Straße legten sich die jungen Helfer allerdings gleich doppelt ins Zeug.

Ich hab schon ein paar Blasen“, erklärten ein paar junge Damen, die emsig Holzschnipsel per Schubkarren ankarrten und in Blumenbeeten verteilten. „Ich arbeite hier oben“, tönte der kleine Phil (5) aus der Höhe eines Spielgeräts herab – er war mit dem Abschleifen der Holzteile beschäftigt. Zum zweiten Mal packten Anwohner der Wohnanlage mit an, um unter dem Motto „Soziale Stadt“ das rund 5 000 Quadratmeter große Areal zwischen den Wohnhäusern umzugestalten. Besonders Kinder scheuten das ungemütliche Wetter nicht, und halfen tatkräftig mit.

Beim ersten Einsatz hatten wir 114 Helfer“, resümierte Tobias Lauer von der verantwortlichen „Projektwerkstatt“. Zu den ersten Planungstreffen waren sogar 140 Anwohner erschienen, beseelt von der Idee ihre Wohnanlage aufzuwerten und etwas gegen die Anonymität in ihrem Umfeld zu unternehmen, in dem 700 Menschen aus 35 Nationen leben.

Zu Beginn nur 15 Helfer am Start

Diesmal waren es deutlich weniger Helfer, vermutlich wegen des mäßigen Wetters, so Lauer erklärend.

...die anderen in luftiger Höhe die Holzbalken abschleifen.

Zum Auftakt am Freitag waren zwar nur 15 „Arbeiter“ am Start, krempelten jedoch doppelt motiviert die Ärmel hoch. Resultat: Vier Bänke wurden aufgestellt, die Beete rund um den Bolzplatz hergerichtet, Fliederbüsche und kleinere Pflanzen wurden gesetzt und außerdem Abfalleimer aufgestellt.

Wegen der nasskalten Witterung ruhen derzeit die Bautätigkeiten an der langen Bank aus Klinkerstein, die später den neuen Sandkastenbereich umsäumen soll.

Dafür ließ Architekt Thomas Heinrich bereits in aller Frühe am Samstag die stattlichen Findlinge anliefern, die nun zum Hüpfen, Balancieren oder Rasten entlang des Spielplatzes dienen.

Programm ist bis 2017 ausgelegt

Wissenswertes rund um das Projekt Soziale Stadt liefert die Internetseite der Projektwerkstatt.

Wir sind ganz gut vorangekommen“, so die Bilanz des Architekten, der selbst mit anpackte und zwei Jugendlichen bei der Installation des „Dog-Stops“ half. Denn für Hundehäufchen ist das grüne Herzstück der Wohnanlage natürlich tabu. „Wichtig ist, dass im Bewusstsein der 700 Bewohner der Eindruck einer schönen Anlage ist, mit der man dann auch pfleglich umgeht“, sagte Heinrich. Er hofft, dass Sachbeschädigungen, die in der Vergangenheit durch einzelne Täter angerichtet wurden, künftig unterbleiben. Obwohl die vier neuen Spielgeräte, Schaukeln und Wippen, vermutlich erst im Juni installiert werden, präsentiert sich das Areal in einem sehr gepflegten Bild, das Lust zum Spielen und Verweilen macht. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs werden die neuen Geräte auf dem Spielplatz fachmännisch anbringen. Im September steht ein weiterer Arbeitseinsatz mit Hilfe der Bewohner an, dann soll auch gefeiert werden. Das Vorhaben wird zwar von Bund, Land und Kommune zu je einem Drittel finanziert – ein Großteil der Arbeiten wird jedoch in Eigenhilfe ausgeführt. Dies ist die Kernidee des Programms „Soziale Stadt“, in das Zimmern 2007 aufgenommen wurde. Vor kurzem entstand ebenfalls unter diesen Vorgaben ein neuer Außenbereich für die angrenzenden Schulen. Bürgerliches Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu tragen, machen auf diese Weise Dinge möglich, die aufgrund der allgemeinen Ebbe in den öffentlichen Kassen nicht realisierbar gewesen wären. „Und wir können noch mehr in Angriff nehmen“, sagte Lauer, „denn das Programm ist bis 2017 angelegt“. Die Initialzündung müsse jedoch von den Menschen der Gemeinde kommen.

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