Gemeinde und Diakonisches Werk

„Trennung war nicht besprochen“

Groß-Zimmern - Die Gemeinde und das Diakonische Werk gehen beim Thema Soziale Stadt ab sofort getrennte Wege. Von Gudrun Fritsch 

Nachdem der LA in der vergangenen Woche über die Kündigung der Zusammenarbeit seitens der Gemeinde mit dem Diakonischen Werk zum Jahresende berichtete, teilt Bürgermeister Achim Grimm nun in einer Pressemitteilung mit: „Das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt wird ab dem 12. August in Eigenregie fortgeführt. Jugendpfleger Tom Hicking, der bisher Leiter des Programms in Groß-Zimmern war, wird die Sozialarbeit übernehmen. Nach Beratungen im Gemeindevorstand wurde dies entschieden.“

Neben der Sozialarbeit stünden im Städteprogramm nun vorwiegend bauliche Maßnahmen an. Nach Fertigstellung der Kita Angelgartenstraße sind die Arbeiten am Jugendsportpark in vollem Gange. Bis 2017 sollen unter anderem der Rathausplatz und der angrenzende Parkplatz sowie der Pausenhof der Friedensschule neu gestaltet werden. „Hicking stehen hierzu aus der Lenkungsgruppe Bauamtsleiter Klaus Keller und externe Planer zur Verfügung“, so die Mitteilung. Als Begründung für die Trennung werden neben finanziellen Einsparungen auch personelle Unstimmigkeiten genannt.

Mit der Projektwerkstatt habe man sich inhaltlich auseinandergelebt. Beim Projekt „Zimmern glänzt“ sei keine Zusammenarbeit mehr möglich gewesen, der Bürgertisch laufe seit Monaten ins Leere, die Zeitung der Projektwerkstatt greife Themen auf, die bereits in anderen Medien veröffentlicht wurden, und der Quartierbereich in der Dresdener Straße sei zu wenig betreut worden. Dort hätte es kaum Erfolge gegeben, so die Kritik.

„Damit hatte ich nicht gerechnet“

„Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Trennung war so nicht besprochen“, sagt die Leiterin des DW Darmstadt-Dieburg, Edda Haack, im Gespräch mit dem LA. Ebenso wie Sozialpädagoge Tobias Lauer ist sie geschockt. Beide halten die „Unstimmigkeiten“ für einen Vorwand und sind der Meinung, die Gemeinde wolle die Dynamik des Programms nicht tragen. „Ich bedaure sehr, dass die Kündigung damit verbunden wurde. Wir hätten lieber ein Abschiedsfest organisiert und im Resümee gezeigt, was alles geleistet wurde“, sagt Haack.

Ihr habe Bürgermeister Grimm lediglich mitgeteilt, dass er in Wiesbaden prüfen lassen wolle, ob die Gemeinde das Quartiersmanagement übernehmen kann. Dabei sei es ausschließlich um finanzielle Fragen gegangen. „Eine Personalie wurde nicht thematisiert. Wenn etwas fachlich oder menschlich schief gelaufen wäre, hätte ich sofort reagiert“, betont sie. Auch für den Sozialpädagogen kam die Kündigung seitens der Gemeinde völlig überraschend. „Jahrelang habe ich versucht zu erfahren, was vor Ort Ziele und Erfolge sind. Aber die Gesprächsangebote wurden nicht wahrgenommen“, kritisiert er und fügt an, die Gemeinde wolle die Soziale Stadt offensichtlich zunehmend reduziert auf das Städebauprojekt sehen.

Anstrengende Demokratisierungsprozesse

Bei Veranstaltungen wie „Ab in die Mitte“, das auf Ideen und Konzept von Lauer basiert, habe es eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit gegeben. „Das Fest der Kulturen wollte Bürgermeister Grimm jedoch nicht“, so Lauer. Deshalb musste es nach dem ersten Durchlauf im Folgejahr 2012 ausfallen. „Ich habe es jedoch weiter unterstützt und mit den Anwohnern durchgeführt.“ Auch der Bürgertisch, an dem sich seit November 2011 regelmäßig Menschen zu konkreten Themen zusammenfinden, habe großen Anklang gefunden. „Gegenwind gab es jedoch bald vom Gemeindevorstand, als es um die Verkehrssituation ging. Hier war Bürgerbeteiligung offensichtlich nicht erwünscht“, so Lauer.

Ein wesentliches Ziel des Bürgertisches, die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern und Politik in Gang zu bringen, habe man folglich nicht erreichen können. Auch die Diskussion um die Ortskernentwicklung sei davon betroffen. Haack betont: „Demokratisierungsprozesse sind anstrengend. Dafür braucht man Zeit und muss einander zuhören.“ Nicht umsonst laufe das Programm Soziale Stadt über zehn Jahre. „Da bricht man doch nicht in der Mitte ab. Das ist kontraproduktiv“, kritisiert sie und ergänzt: „Vieles, was begonnen wurde, kann man erst nach der Halbzeit erkennen.“ Ob die Trennung finanzielle Einsparungen für die Gemeinde bringen wird, bezweifelt Haack. „Wenn man bedenkt, was Lauer an zusätzlichen Fördermitteln eingeworben hat, ist das keine gute Rechnung.“ Zudem werde das Land wohl kaum die Honorarkosten für den Jugendpfleger übernehmen.

Zum Ende der Zusammenarbeit werden alle Projekte an die Gemeinde übergeben. Haack fühlt sich persönlich getroffen und betont: „Lauer ist ein sehr kompetenter Mitarbeiter. Er wird bereits geplante Projekte nun auf Kreisebene als Bereichsleiter für Gemeinwesen, Migration und Fluchtarbeit umsetzen.

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