Bürgerinformation zur möglichen Schienenverbindung zwischen Groß-Zimmern und Darmstadt

Gemeinsam zur Mobilität der Zukunft

Miteinander die Ideen zur Mobilität der Zukunft auszutauschen, das war das Anliegen der Bürgerinformation zur angedachten Bahntrasse. Auf dem Podium (v. l.): Werner Krone (Dipl-Ing. und ehemaliger Fahrdienstleiter), Uwe Schuchmann (VCD), Dr. Gottlob Grienger (Fahrgastverband ProBahn) und Karl Aßmann (Gründer und Mitglied des Roßdörfer Eisenbahnclubs). Foto: Kniza

Roßdorf - . Mobilität ist in unserer heutigen Gesellschaft ein hohes Gut, das viele Menschen direkt oder indirekt betrifft. Täglich nutzen viele Pendler im Ostkreis der Stadt Darmstadt den ÖPNV, um zu ihrer Arbeitsstelle in Darmstadt zu gelangen. Von Sebastian Kniza

Jährlich nimmt die Zahl der Umsteiger vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel aufgrund der hohen Betriebskosten des privaten Fahrzeuges zu.

Dem Verkehrsknotenpunkt Darmstadt droht dadurch laut Regierungspräsidium der verkehrsbedingte Kollaps, da schon jetzt die Kapazität der Straßen, die von den Regionalbussen befahren werden, an ihre Aufnahmegrenzen geraten. Die Dadina prüft deshalb nun die Möglichkeit eines Straßenbahnanschlusses für Groß-Zimmern und Roßdorf (der LA berichtete mehrfach). Um den interessierten Bürgern aus Groß-Zimmern und Roßdorf die Möglichkeit zur Information und Diskussion zu geben, hatten am Freitag der Verkehrsclub Deutschland VCD und der Fahrgastverband Pro Bahn zur Bürgerinformation in den Roßdörfer Sonnensaal eingeladen.

Ziel sei es, so Uwe Schuchmann vom Verkehrsclub Deutschland, die Menschen zu Wort kommen zu lassen, Lösungen alternativ zur bisher favorisierten meterspurigen Straßenbahn zu suchen und an die Diskussion der vergangen Veranstaltung anzuknüpfen.

Karl Aßmann vom Roßdörfer Eisenbahnclub gab den Besuchern einen historischen Einstieg und berichtete von der alten Eisenbahnstraße von Groß-Zimmern, Gundernhausen, Roßdorf und Darmstadt. Das Eisenbahnnetz nach Darmstadt war damals schon gut und zukunftsfähig. Die 13,1 Kilometer lange Strecke wurde 1896 erbaut und nach Beendigung des regulären Schienenverkehrs im Jahr 1984 mitsamt Gleisen und Signalanlagen restlos abgebaut. Lediglich die Strecke der derzeitigen Museumsbahn von Kranichstein zum Bessunger Forsthaus ist noch erhalten. Man solle nicht vergessen, so Aßmann, dass die Industrialisierung wie wir sie heute kennen ohne die Eisenbahn nicht möglich gewesen wäre. Da heute Arbeitswege immer länger werden und die Busse an ihre Kapazitätsgrenzen geraten, sei die Eisenbahn als Entlastung eine Überlegung wert. Der Zenith des Autos sei überschritten aufgrund seiner hohen Mobilitätskosten. Deshalb brauche man wieder eine Schienenverbindung von Groß-Zimmern nach Darmstadt.

Der ehemalige Fahrdienstleiter und Diplom Ingenieur Werner Krone erklärte die Umsetzung des Projektes sei möglich. Der Platz für die Strecke sei vorhanden und die Kosten wären mit zirka 18 Millionen Euro niedriger als bisher errechnet. Durch die neue Strecke könne auch das Darmstädter Hofgut Oberfeld angebunden werden. Der Nachteil des Bahnprojektes liege in der Ortsrandlage der möglichen Bahnhöfe, räumte Krone ein.

Andere Städte und Landkreise haben den Schritt zur Verwirklichung einer bedarfsgerechten Mobilität schon umgesetzt. Beispielsweise funktioniere die integrierte Stadtbahn, die den Landkreis mit der Stadt Karlsruhe verbinde vorbildlich, hob Dr. Gottlob Grienger vom Fahrgastverband Pro Bahn in seinem Vortrag hervor. Mit der normalspurigen Stadtbahn sei man schneller als mit dem Auto oder Bus. Außerdem könne man eine Sofortverknüpfung mit dem vorhandenen Schienennetz herstellen, wie etwa zur Odenwaldbahn nach Frankfurt am Main.

Die Pendlerströme könnten durch die angedachte Stadtbahn besser aufgefangen werden und die Betriebskosten seien niedriger, da die Eisenbahntechnik bewährt und gut zu warten sei. Mit einem Dreischienensystem in Darmstadt sei die normalspurige Stadtbahn in das Straßenbahnsystem zu integrieren. Die Stadtbahn entschärfe zudem das Nadelöhr Innenstadt.

Viele Zuhörer äußerten im Zusammenhang mit der favorisierten Reaktivierung der Bahnstrecke ihre Ängste vor möglichem Lärm im Wohngebiet. Bei der Planung fürchteten sie die bereits frühzeitige Festlegung auf eine Variante.

Viele Fragen drehten sich auch um die technische Machbarkeit und die damit verbundenen Kosten. Letztendlich lege man sich auf Jahrzehnte fest, wenn man das Bahnprojekt umsetze. „Ist die neue Bahn überhaupt nachhaltig?“, warf ein Bürger ein.

Die Odenwaldbahn fahre schließlich mit Diesel, das aus fossilen Brennstoffen gewonnen werde. Für Kritik sorgte auch der Verkehrsknotenpunkt Darmstadt Ostbahnhof. Warum solle man denn dort umsteigen, wenn man in die Innenstadt wolle, wendeten einige im Publikum ein.

Sicherlich gäbe es noch viele wichtige Punkte zu beachten und man wolle die Menschen anhören und mit ihnen planen, versicherte Uwe Schuchmann. „Niemand will Ihnen den bisherigen Bus wegnehmen“, so der Vertreter des VCD.

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