Annette Meißner ist seit August Leiterin der Bischof-Ketteler-Schule für Erziehungshilfe

„Gemeinsam nach vorne gehen“

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Mit viel Elan packt Annette Meißner die Herausforderungen als Leiterin der Bischof-Ketteler-Schule an.

Klein-Zimmern (ula) ‐ Ein „Ausdauerlutscher“ liegt neben anderen Süßigkeiten auf dem Tisch. Der Energieriegel tut gut, denn Annette Meißner hat sich viel auf ihre Agenda geschrieben – davon zeugt eine übervolle Tafel mit Stichworten.

Vorhaben wie „Schulprofil erarbeiten“, „Tag der offenen Tür“ bis hin zur Einrichtung des neuen Büros will sie in Angriff nehmen. Seit August ist die 39-Jährige neue Leiterin der Bischof-Ketteler-Schule im St. Josephshaus, der einzigen Einrichtung im Kreis für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf. „Wir sind eine Schule für Erziehungshilfe und Kranke“, erläutert sie. Dies betrifft autistische Kinder, solche mit seelischen Traumata oder auch anderem Hintergrund. 38 Schüler sind derzeit an der Privatschule unter Trägerschaft des bischöflichen Ordinariats in Mainz – manche werden im häuslichen Umfeld unterrichtet.

Die besonderen Voraussetzungen der Schüler gaben für sie den Ausschlag, eine solche Stelle anzunehmen. „Verhaltensinteressante Kinder reizen mich besonders“, sagt die Lehrerin, die selbst eine spannende Schulzeit verbrachte. Als Kind einer evangelischen Pfarrersfamilie in Thüringen bezeichnet sie sich heute als „revolutionäre Schülerin, auch politisch bin ich nicht so mitgelaufen.“ 1989 kam sie in den Westen. Statt des Architekturstudiums schrieb sie sich für ein Lehramtsstudium der Sonderpädagogik ein. Mit einem Zusatzstudium für Erziehungshilfe an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität erweitert sie zur Zeit ihre Kompetenzen.

Erfahrungen mit Kindern, die aus dem „normalen Raster“ herausfallen, sammelte sie fünf Jahre als Konrektorin der Eduard-Flanagan-Schule für Lernhilfe in Babenhausen. Nun kehrt die Beamtin dem „Staatsdienst“ zunächst den Rücken, ist beurlaubt, um eine Laufbahn unter konfessioneller Trägerschaft einzuschlagen.

„Ich hatte einen guten Start und finde hier ein phantastisches Kollegium“, so die Bilanz nach wenigen Wochen. Für die fünf Förderschullehrer, die Klassen mit bis zu neun Schülern unterrichten, wünscht sie sich Verstärkung durch weitere Pädagogen, um individuelleres Arbeiten im Unterricht zu ermöglichen.

Das Ziel, die Rückführung der Kinder in eine Regelschule, gelingt durchschnittlich nur bei jedem zweiten Schüler. Die Ketteler-Schule bietet Unterricht vom ersten bis neunten Schuljahr – breit gefächert nach den Lehrplänen von der Grundschule bis zum Gymnasium. „Unsere Schüler haben keine Lernbehinderung, wir haben auch Hochbegabte“, erläutert Meißner.

Die enge Verzahnung mit den vielseitigen Angeboten des Josephshauses unterstützt ebenfalls beim „Rückführungsprozess“.

Die „Öffnung nach außen“ ist ein wichtiger Baustein des schulischen Angebots - und dieser Prozess soll wachsen: Beratende Tätigkeiten und Prävention sind die Stichworte für das dezentrale Arbeiten an Regelschulen. „Wir müssen gemeinsam nach vorne gehen – nur so kann es gehen“, beschreibt Meißner die Maxime.

Bei diesem ehrgeizigen Pensum schnurrt der Freizeitbereich zusammen. Zum engeren Familienkreis gehört Hündin „Lumpi“. Gassi gehen, Krimis lesen und wenn Zeit bleibt den Freundeskreis pflegen, so fasst die neue Leiterin ihre Hobbies prägnant zusammen.

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