Es gibt keine Impfung gegen Borreliose

Groß-Zimmern - Zum ausführlichen Bericht im LA vom 4. April (Seite 10) über FSME erreichte uns folgender Leserbrief: Die Borreliose-Selbsthilfegruppe Darmstadt-Dieburg möchte einige missverständliche Passagen des Textes aufzuklären. Richtig ist, dass die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)-Risikogebiete jährlich zunehmen.

Nur: Was ist ein Risikogebiet? Wenn lediglich ein einziger FSME-Krankheitsfall pro Jahr in einem Landkreis registriert wird! Im ganzen Bundesgebiet sind es 300 bis 500 FSME-Fälle pro Jahr. Risikogebiet für eine Borrelien-Infektion ist die gesamte nördliche Halbkugel.

Jedes Jahr werden in Deutschland 60 000 bis 100 000 Menschen mit Borrelien infiziert. Dabei ist die Dunkelziffer hoch, weil die Borreliose nicht erkannt wird und zudem nur in den neuen, nicht aber in den alten Bundesländern eine Meldepflicht besteht.

Bei nur etwa der Hälfte der Zeckeninfektionen tritt die typische Wanderröte (Erythema migrans) auf, weshalb bei Ausbleiben derselben sogar viele Ärzte glauben, dass keine Infektion erfolgt ist.

Ein Bluttest auf Borrelien-Antikörper gibt nach etwa drei Wochen (mit und ohne Wanderröte) Aufschluss. Wird nur ein ELISA-Suchtest veranlasst, ist der Patient auf der unsicheren Seite, denn dieser Test ist zwar billig, aber auch unzuverlässig. Sollte er negativ ausfallen, wird der genauere Immunoblot nicht mehr gemacht. Man sollte sich vergewissern, um welchen Test es sich handelt. Sollte ein erhöhter AK-Titer im Blut eine Borrelien-Infektion bestätigen, ist schnelles Handeln von Seiten des Arztes geboten, besonders wenn gleichzeitig typische klinische Symptome bestehen.

Die Zeitspanne zwischen Infektion und Nachweis eines erhöhten Borrelien-AK-Titers sollte so kurz wie möglich sein, bevor sich die Krankheit im ganzen Körper ausbreitet und Symptome wie Nackensteife, Kopf-und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Gelenk-Muskel-Nervenschmerzen, Augenentzündungen, Lähmungserscheinungen, Herz-Rhythmusstörungen, Fibromyalgien oder Depressionen das Leben zur Qual werden lassen. Wird die Borreliose im Stadium I diagnostiziert und adäquat mit Antibiotika behandelt, ist eine vollständige Heilung möglich. Je länger die Krankheit unbehandelt bleibt, desto schwieriger und teurer wird die Therapie. Wie groß die Not ist, spüren die Berater des BFBD (Borreliose-und FSME-Bund Deutschland) täglich auf der Hotline, unter 0180/5006935, die von 10 bis 12.30 Uhr geschaltet ist. Die Anrufer sind durchweg Patienten, die Jahre lang fehldiagnostiziert und falsch therapiert wurden. Vorbeugend sollten sich Spaziergänger im Wald und in Gärten, Parks, auf Wiesen oder Kinderspielplätzen mit Repellents (Apotheke) einsprühen und hinterher gründlich absuchen. Bevorzugte Stichstellen sind Kniekehlen, Leisten, Achselhöhlen, Genitalien, kurz: überall, wo es feucht und warm ist. Wichtig ist das sofortige Entfernen der Zecke mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenkarte, wobei das Spinnentier dicht an der Haut herausgehebelt wird. Anders als bei der FSME gibt es gegen Borreliose noch immer keine Impfung. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir aber zuversichtlich, dass durch die intensiven Bemühungen der Pharma-Forschung in naher Zukunft ein Impfstoff entwickelt werden kann.

Borreliose-SHG

Darmstadt-Dieburg

Margit Kullmann

Goethestr. 8

Groß-Zimmern

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