Glocken läuten wieder

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Wollten hoch hinauf: Michael Schneider und Pfarrer Christian Rauch (rechts) im Glockenturm der St. Josefskirche. Fotos (2): Friedrich

Klein-Zimmern (ula) ‐ Jahrelang waren die Glocken im Turm der Stankt Josefskirche verstummt. Im Gottesdienst am Freitag, dem Namenstag des Heiligen Josephs, konnte die nun restaurierte Glockenanlage endlich wieder in Betrieb genommen werden.

Beide Glocken sind ein Kleinod mit individueller Geschichte. Die Größere wurde 1638 gegossen und wurde – da aus Dankbarkeit nach der Pestzeit gestiftet – Pestglocke genannt. Ihre kleinere Schwester wurde 1630 gegossen und soll unter anderem während der Beisetzung Josef von Eichendorffs geläutet haben. Die beiden instandgesetzten Glocken stammen vom Glockenfriedhof in Hamburg und wurden bereits 1952 vom Bistum Mainz gestiftet. Das ursprüngliche Geläut war während des zweiten Weltkriegs eingeschmolzen und zu Kriegsmunition verarbeitet worden.

Die Glocken sind ein Synonym für die neue Öffnung des katholischen Gotteshauses. „Wir zeigen Präsenz, die Kirche erhebt ihre Stimme“, sagt Pfarrer Christian Rauch.

Der katholische Geistliche nutzt die St. Josephskirche insbesondere für Jugendgottesdienste. Das Gotteshaus gehört zum Ensemble der Bischof-Ketteler-Schule, die sich im Besitz des Bistums befindet. „Die neue Rektorin, Anna Meißner, hat Schulgottesdienste eingeführt“, freut sich Pfarrer Rauch.

Ein frischer, junger Wind weht durch das 1896 erbaute Gotteshaus. Die Sanierung der beiden Glocken ist nur der Anfang einer umfassenden Erneuerung des Innenraums. Denn hier findet sich ein Stückwerk ästhetischer Fehlgriffe vom Stand der 60er Jahre.

Kirche aus der „stummen Ära“ befreit

So dient ein PVC-Belag als Kirchenboden, der Altarraum wird von Leuchtstoffröhren erhellt. Ein schmuckes Glasfenster an der Stirnseite wurde zugemauert, um der Kreuzigungsgruppe mit überladenen Betonfiguren Platz einzuräumen. Klotzige Holzbänke und hässliche Altäre machen das improvisierte Mobilar komplett. Sowohl die Akustik als auch Lichttechnik seien „grauselig“, ergänzt der Pfarrer die Auflistung.

Gemeinsam mit dem Bistum wird nun ein neues Konzept für das Kircheninnere erstellt. Während dies noch in den Kinderschuhen steckt, ist die Kirche zumindest aus ihrer „stummen“ Ära befreit.

Das Geläut erklingt nicht nur zu Gottesdiensten, sondern wird auch weltlichen Zwecken dienen. Per Fernbedienung können die Glocken vom Friedhof aus aktiviert werden. „So können die Toten in Würde bestattet werden“, sagt Rauch – ganz gleich, welchem Glauben die Verstorbenen angehörten, sollen die St. Josefs Glocken als Grabgeläut erklingen.

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