Glücklicherweise ist alles nur Schminke

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Ein Verletzter ist geborgen und wird schnell in der Schleifkorbtrage zum Rettungswagen gebracht.

Groß-Zimmern - „Tatü-tata!“ Das Martinshorn ertönt am Freitagabend beängstigend laut, kommt näher und entfernt sich dann wieder. „Die Autos standen in der Berliner Straße zu eng. Wir sind nicht durchgekommen“, erklärt Tobias Lang, Fahrzeugführer der Freiwilligen Feuerwehr später. Von Ulrike Bernauer

Zu einem Brand bei der Firma Gruber in der Rudolf-Diesel-Straße wurden die Einsatzkräfte gerufen. Die Alarmierung: „Ein Lagerhallenbrand ausgelöst durch Schweißarbeiten, bei denen eine Gasflasche explodiert ist, zwei vermisste Personen“, kommt um 18.30 Uhr in der Leitstelle und sofort danach im Groß-Zimmerner Feuerwehrhaus an.

Das DRK braucht die Unterstützung der Feuerwehr bei der Bergung eines Verletzten von der Plattform.

Glücklicherweise handelt es sich diesmal am nicht um einen echten Brandfall, sondern um eine unangemeldete Alarmübung. Das wissen aber die Feuerwehrleute in ihren Fahrzeugen noch nicht, auch wenn die erfahrenen alten Hasen nach Eintreffen am Übungsort den Braten schnell riechen. „Ich wusste eigentlich gleich als wir hier ankamen, dass das kein richtiger Brand ist“, sagt Tobias Heller. Für Uneingeweihte sieht der Unfallort allerdings sehr überzeugend aus. Dichter Rauch dringt aus einer Lagerhalle, an verschiedenen Stellen kokelt es und ein Verletzter sitzt zusammengesunken auf einer Arbeitsplattform in drei Meter Höhe. Wehrführer und Gemeindebrandinspektor James Bennett betritt als erster das weitläufige Werksgelände und entscheidet gleich, dass die Fahrzeuge nicht bis zur Brandstelle fahren sollen. Die Wasserversorgung wird etwas weiter entfernt mit Schläuchen aufgebaut. „Die Halle hätte einstürzen können und dann hätten sich die Männer und Fahrzeuge unter Umständen im Trümmerschatten befunden“, erklärt der stellvertretende Gemeindebrandinspektor, Hendrik Timmermanns, beim anschließenden Gespräch mit dem LA. Auch die Frage, warum am Anfang nicht mehr für die Rettung des Verletzten getan wurde, kann Timmermanns beantworten. „Der Wehrführer hat sich vom Zustand der Person überzeugt und gesehen, dass die ansprechbar ist, und sich dann wieder anderen Aufgaben zugewandt. Schließlich bestand die Gefahr, dass sich in der brennenden Halle noch weitere Personen aufhalten“, erklärt er. Ein Verletzter in Gestalt eines Dummys wird tatsächlich kurz darauf auf einer Bahre zum Rettungswagen gebracht. Nachdem die Feuerwehr den Brand in der Halle unter Kontrolle hat, erweist sich die Bergung der verletzten Person auf der Plattform als härteste Nuss für die Einsatzkräfte.

Die Bergung erfordert viel „manpower“. Mit vereinten Kräften helfen alle mit.

Der Arbeiter wurde dort nämlich auf einer Seite von einem Rundstahlrohr durchbohrt. Dieser ungefähr 1,50 Meter lange Stab muss zunächst vor und hinter dem Körper des Verletzten abgeschnitten werden, um ihn von der Plattform holen zu können. Das überall verteilte Rote Rinnsal auf dem Verletzten und unter der Plattform ist glücklicher weise nur Schminke. In einer komplizierten Aktion und mit vereinten Kräften fast aller Feuerwehrmänner wird der Verletzte dann in einer Schleifkorbtrage und mit Hilfe einer Leiter geborgen und zum bereit stehenden Rettungswagen gebracht. „Bei den Alarmübungen denken wir uns immer unterschiedliche und überraschende Szenarien aus“, berichtet Timmermanns. Bei den Regelübungen wissen die Einsatzkräfte normalerweise, was auf sie zu kommt. 30 Feuerwehrleute und sieben Fahrzeuge auch aus Klein-Zimmern beteiligten sich an dieser Übung. Auch das DRK Groß-Zimmern war zugegen, die beiden Rettungshelfer waren wohl so ziemlich die einzigen, die schon vorher informiert worden waren. Im Ernstfall wäre die Schnelle Einsatzgruppe der Johanniter aus Dieburg alarmiert worden.

In voller Atemschutzmontur begibt sich ein Feuerwehrmann in die Halle.

Klaus Gruber, zusammen mit seinem Bruder Werner Inhaber des Zimmerner Stahlbauunternehmens, beobachtet mit einigen seiner Angestellten interessiert das Geschehen. „Die Feuerwehr ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob sie auf unserem Gelände üben können“, erzählt er. „Ich habe gleich zugesagt, weil ich es wichtig finde, dass die Feuerwehr vernünftig und auch einmal auf fremdem Gelände üben kann“. Und seine Rolle als aufgeregter Firmeninhaber hat er gut gespielt. „Da kam schon ordentlich Adrenalin hoch, als uns auf dem Werksgelände der aufgeregte Mann in Empfang genommen hat“, grinst einer der Feuerwehrleute nach erfolgreich abgeschlossener Übung.

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