Goldene gut gerüstet

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Das größte Heimatfest wurde auch 1960 toll gefeiert: 28 junge Borschde und ihr Kerbmädsche ließen die Zimmerner Kerb hoch leben.

Groß-Zimmern ‐ „Wir sind eine Supertruppe“, bekräftigt die Männerrunde am Tisch. Seit 50 Jahren halten sie zusammen – zusammengeschweißt durch ein Großereignis, das zwar ein halbes Jahrhundert zurückliegt, aber geschildert wird als wäre es gestern gewesen: Die Kerb 1960. Von Ursula Friedrich

28 junge Männer und eine Frau des Jahrgang 1940 ließen das größte Heimatfest hochleben – und sind seither nicht zu trennen. Die „Goldenen Kerbborschde“ 2010 feierten kürzlich ihr Jubiläum schon einmal standesgemäß: Mit viel guter Laune, deftigem Braten, edlen Weinen und viel Musik. Die Jazzkapelle „Dixi Stampers“ besuchten die „Goldenen Buwe“ und ihr Mädsche zu besuchen – auch ohne Gage.

Bei nostalgischen Ausflügen in die Vergangenheit wird klar: „Früher war die Kerb noch besser“ – obwohl die Borschde unter Kerbvadder Dieter Geiß (verstorben) viel mehr anpacken mussten, denn sie waren Träger des Festes. Ohne Unterstützung eines Vereins oder der Kommune stemmten sie vier Festtage. Während sich das Publikum am Samstagabend im Kaisersaal amüsierte, saßen sie an der Kasse. Arbeiten statt Tanzen war am Wochenende die Devise.

Die rot-weißen „Goldenen Kerbborschde“ 2010 feiern ihr Jubiläum.

Dennoch gibt es glänzende Augen, wenn die Erinnerungen wach werden: Die Kerbbobbe Leila war am „Brickelsche“ abgeholt worden, fehlte nur noch das Kerbmädsche. Elfriede Hix, geborene Herbert, erfüllte gleich mehrere Anforderungen. Ledig, jung und eine Schönheit ihres Jahrgangs. Außerdem gelang es der jungen Frau mühelos, im Pettycoat die Leiter aus dem ersten Stock des Heimathauses hinab zu steigen – dort wurde sie von einer Kutsche erwartet.

Früher wurde „Stroh“ gesammelt

Manch ein Brauch von damals ist heute vergessen: dass die Kerbborschde ihr Quartier in einer Feldscheuer beim Bauer Schütz hatten (und dort Ochsen melken wollten) und am Montag zum Frühschoppen mit der Kapelle von Borsch zu Borsch zogen und dienstags „Stroh“ sammelten. Stroh war ein dehnbarer Begriff und umfasste alle Spenden: Brötchen, die der Bäcker spendierte, Wurst, die es vom Metzger gab, ein bisschen Bares oder auch echtes Stroh, um die Kerbbobbe Leila zu entzünden.

Hier schließt sich der Kreis in die Gegenwart: Als die Kerbbobbe in Flammen aufging, flossen Tränen. Die Buwe traten hinter Kerbpfarrer Werner Störgel ihren Trauermarsch an, denn nun war es vorbei. Für die kommende Kerb 2010 haben sich die Goldenen gerüstet. In ihren Farben rot-weiß wird der Jahrgang 1940 zur Feier antreten und natürlich auch beim Umzug dabei sein.

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