Gelungenes Renaturierungsprojekt Erbsenbach

Auch der Biber könnte sich hier wohlfühlen

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Gelungenes Renaturierungsprojekt: der Erbsenbach bei Groß-Zimmern.

Groß-Zimmern - Europas Politiker haben Länder und Kommunen in die Pflicht genommen: Bis 2015 sollen Gewässer eine gesündere Qualität vorweisen. In Zimmern hat man bereits einen Teil der Hausaufgaben gemacht. Von Ursula Friedrich 

Während die Erweiterung der Kläranlage 2014/15 für rund drei Millionen Euro vom Gemeindeparlament bewilligt wurde, zeigt sich an einem kleinen Fließgewässer, wie Renaturierung klappen kann. Sogar mit geringen Mitteln.

Der Erbsenbach wurde auf Höhe Groß-Zimmerns über gut 1 000 Meter für rund 54.000 Euro renaturiert. Uwe Avemarie von der Unteren Naturschutzbehörde und Nabu-Chef Lothar Jakob nutzten den sonnigen Samstag, um mit wenigen interessierten Bürgern das 2010 begonnene Naturschutzvorhaben zu begutachten.

„Es gibt kaum noch Fadenalgen“, sagte Uwe Avemarie - sie sind ein Indiz für die Einleitung von Klärwasser. Die Gewässergüte des (insbesondere durch Landwirtschaft) belasteten Erbsenbaches hat sich deutlich verbessert. Die menschliche Hilfeleistung für das einst wie mit dem Lineal zurechtgestutzte Bachbett hat die natürliche Entwicklung des Fließgewässers beschleunigt.

Bis 2011 wurden in der Baumaßnahme Totholz und Störsteine eingebracht, die Sohlstruktur verbessert, 6.300 Kubikmeter Erdmaterial verschoben. Auf diese Weise wurde ebenso ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet, denn nun können große Wassermassen in die angrenzende Ackerfläche ausweichen. Am 29. Juli 2012 erwies sich dieser Retentionsraum als Rettungsanker für viele Bürger, als ein lokaler Starkregen ungeheure Wassermassen bescherte.

Richtung Dieburg hat sich aber wenig getan

Flora und Fauna entwickeln sich am renaturierten Erbsenbach rasant. „Wir haben hier jetzt ein Jagdrevier für den Eisvogel,“ erklärte Lothar Jakob, „Nachtigallen, Waldwasserläufer und Münzgrasmücke sind heimisch.“ Erlen und Weiden wachsen im Uferbereich und sorgen im Sommer für Schatten. „Gerade dort, wo die Fließgeschwindigkeit gering, die Bachrinne breit und versandet ist, erwärmt sich das Wasser unangenehm“, erläuterte Uwe Avemarie.

Ein Makel entlang des Baches in Höhe der Röntgenstraße sorgte allerdings für harsche Kritik: Ein ansässiges Unternehmen lagert illegal und bislang unbehelligt mineralölhaltigen Müll und Bauschutt – ein Umweltfrevel, der die Bemühungen einige Meter weiter, Natur- und Gewässerschutz umzusetzen, ad absurdum führt.

Während bei Groß-Zimmern nun neue Lebensräume für vielfältige Arten entstehen, hat sich Richtung Dieburg wenig getan. Dort, wo der Bach schließlich in die Gersprenz mündet. Trotz starken Interesses und „der Begeisterung von Bürgermeister Werner Thomas passiert nichts“, kritisierte Avemarie. Dabei habe Zimmern vorgemacht, wie sich mit wenig Geld Gewässerrenaturierung umsetzen lässt.

EU finanzierte Großteil der Maßnahme

80 Prozent der Maßnahme wurden aus EU-Mitteln finanziert, den Rest stemmte der Wasserverband Gersprenz. Auch bei Roßdorf und Ober-Ramstadt waren die Kommunen tätig. Die Renaturierungsmaßnahmen wurden über Silek (Schwerpunktbezogenes integriertes ländliches Entwicklungskonzept) mit erheblichen Fördergeldern des Landes Hessen durchgeführt.

Während europaweit „alle Länder weit hinter den Vorgaben der neuen EU-Wasserrahmenrichtlinien hinterherhinken und nur zehn Prozent der notwendigen Maßnahmen umgesetzt wurden, um saubere Fließgewässer zu erhalten“, so Jakob, gibt es lokal kleine Erfolge.

Und während der Erbsenbach sich ganz eigene Strukturen erarbeitet, neue artenreiche Lebensräume schafft, hat Uwe Avemarie eine ganz persönliche Vision: „Mein Traum wäre, dass sich der Biber hier ansiedelt.“ Immerhin ist der tüchtige Nager in der Gersprenz wieder heimisch – und erledigt dort die Gewässerrenaturierung ganz unentgeltlich.

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