Aktionen zu „Ab in die Mitte“

Jimmys Kleid wird zu Strick und Faden

+
Bock Jimmy hat hier schon einen nackten Bauch. In ein paar Minuten ist er ganz von seinem Wollkleid befreit.

Groß-Zimmern - Seltsame Rufe sind am Sonntagmittag auf dem Roten Platz zu hören. Nicht nur einmal ertönt ein lautes „Määh!“ aus dem Pferch. Hauptsächlich um Schafe geht es auf dem Rathausplatz. Doch die scheinen noch etwas irritiert von der fremden Umgebung. Von Ulrike Bernauer 

Die Tiere sind der Anziehungspunkt bei der Veranstaltung „Vom Schaf zum Pullover“ im Rahmen der Aktionen „Ab in die Mitte“.  Der zwölfjährige Finn steht am Pferch und kann versenkt seine Hände in die Schafswolle. Er hat zwar schon öfter Schafe gesehen, aber selten gestreichelt. „Die haben so schönes, weiches Fell und sind eigentlich auch recht putzig“, meint er. Wie ein Schaf geschoren wird, das hat er noch nie gesehen und ist jetzt recht gespannt. Damit ist er nicht alleine. Viele Eltern mit ihren Kindern stehen um den Pferch von Öko-Landwirt Jo Jung aus Ober-Klingen.

Der entzückt erst mal alle Zuschauer, indem er die Lämmer füttert. Gierig drängen sich die Kleinen um die zwei Flaschen, die Jung in der Hand hält. „Ich gehe nach einer bestimmten Reihenfolge vor, damit auch wirklich jedes Tier etwas abbekommt“, sagt Jung. Auch so mancher Erwachsene staunt darüber, wie groß ein Lamm ist, das noch an der Flasche nuckelt. Als die Fütterung vorbei ist, schnappt sich Mitarbeiter Andreas Goldmann einen jungen Bock. Jimmy blökt erst mal ordentlich, als er in einen extra Pferch geschoben wird. Ihm geht es nun an die Wolle.

Lautes Protestgeblöcke

Goldmann klemmt den Kopf des Tieres zwischen seine Beine und fängt am Bauch an zu scheren. Als er am Unterbauch angelangt ist, sagt er: „Hier muss ich vorsichtig machen, sonst wird aus Jimmy ein Hammel, also ein kastrierter Bock.“

Besonders die Kinder sind begeistert von den Schafen und sie streicheln die Wollträger liebevoll.

Jimmy ist eigentlich noch ein bisschen jung zum Scheren, Jung lässt sonst nur ältere Tiere frisieren, denn: „Die Wolle bringt weniger ein als das, was ich für das Scheren ausgebe.“ Zu Anschauungszwecken steht Jimmy nach lautem Protestgeblöke, weil ihm die Prozedur zu lange dauerte, später ohne Pelz im Pferch. Fasziniert sind die Zuschauer von der Rohwolle. „Ins Ohr gedrückt heilt die ganz schnell Ohrenschmerzen“, verrät Goldmann. Allerdings sollte sie unerreichbar für Motten in einem Glas aufbewahrt werden, damit sie ihre Wirkung nicht verliert. „Wir machen das heute nur für die Show. Wenn die Herde geschoren wird, kommt eine Schurkolonne. Die brauchen pro Schaf zwei bis drei Minuten“, berichtet Jung.

Goldbach hingegen schert mindestens eine Viertelstunde. „Ich habe ihm gesagt, dass er extra langsam machen soll.“ Ein paar Meter weiter verarbeiten Frauen die Wolle. Allerdings haben sie keine Rohwolle, wie sie Jimmy vor ein paar Minuten verloren hat. Die Wolle von Ute Rausch aus Babenhausen ist schon bearbeitet. Sie ist gezupft, also von Schmutz befreit, kardiert, dabei entstehen flauschige Büschel, gewaschen, gekämmt und gefärbt.

Bilder der Aktionen zu „Ab in die Mitte“

Aktion: „Verstrickt mit der Vergangenheit“

„Eine Freundin hat mich zum Spinnkurs mit genommen, dann war von Null auf Hundert der Suchtfaktor da“, erzählt die Babenhäuserin. Rausch will das Hobby gerne noch mehr ausweiten, künftig will sie auch andere für das Handwerk begeistern. „Spinnen und stricken will ich eigentlich zu meinem Lebensinhalt machen.“

Kommentare