Knackpunkt bleibt das Parken

Groß-Zimmern: Bau- und Planungsausschuss diskutiert über Erneuerung der Ortsdurchfahrt

Die Neugestaltung der Zimmerner Ortsdurchfahrt räumt Fahrradfahrern hohe Priorität ein. Jetzt muss das Gemeindeparlament entscheiden.
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Die Neugestaltung der Zimmerner Ortsdurchfahrt räumt Fahrradfahrern hohe Priorität ein. Jetzt muss das Gemeindeparlament entscheiden.

Die Planung für das Großprojekt neue Ortsdurchfahrt nimmt Fahrt auf: Schon am 1. Juni muss der Förderantrag eingereicht werden, um die Landesmittel für die grundhafte Sanierung und Umgestaltung der Straße Groß-Zimmerns auf rund 500 Metern Länge zu bekommen.

Groß-Zimmern - Politisch hält man weiterhin an der Ausbauvariante „Pro Radverkehr“ fest. 2022 sollen die Arbeiten zunächst am Kanalnetz beginnen. Der sportliche Zeitplan baut einen gewissen Druck in der Politik auf. Mit der politischen Entscheidung „Pro Radverkehr“ werden auf der Ortsdurchfahrt Groß-Zimmern die Weichen für eine Verkehrswende gestellt.

In den Detailplanungen tun sich aber Hürden auf, zuletzt durch die Intervention von Hessen Mobil. Und es gibt Kröten zu schlucken, denn die mäandernde Hauptverkehrsader ist zu schmal, um alle Wünsche zu berücksichtigen. Stand jetzt fallen vom Kreisel Waldstraße/Bertha-von-Suttner-Straße bis zur Kreuzung Wilhelm-Leuschner-/Darmstädter Straße 21 Parkplätze weg.

Die erste Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Montagabend hatte es folglich gleich in sich. Die grundhafte Sanierung der L 3114 in Richtung Reinheim ist ein zukunftsweisendes Thema. Und da kommt eine ungewollte Dynamik rein. So hatte die Landesbehörde Hessen Mobil zunächst die Ausbauvariante „Pro Radverkehr“ nicht mitgehen wollen und Nachbesserungen verlangt, berichtete der neu gewählte Ausschussvorsitzende Christian Hader (SPD). Knackpunkt: Die Fahrbahnbreite für den Kfz-Verkehr entsprach nicht den gewünschten Standards von Hessen Mobil. Moniert wurde außerdem die Lösung des künftigen Haltens und Parkens.

Im Zuge des Dialogs mit der Planungsbehörde, wurde die Gemeinde plötzlich auch noch mit neuen Tatsachen konfrontiert: „Wir waren überrascht, dass der Förderantrag-Termin plötzlich nach vorne gerutscht ist“, erklärte Bürgermeister Achim Grimm am Montagabend im Ausschuss.

Die Frist für die Antragstellung wurde vom 30. September auf 1. Juni vorverlegt. Am 1. August müssen die Entwurfspläne für die Detailgestaltung der Hauptstraße vorliegen. Jetzt müssen Planer und Politiker Vollgas geben und in der Gemeindevertretersitzung am kommenden Dienstag, 25. Mai, den Beschluss zum Ausbau der Straße fassen. Einig wurde man sich hinsichtlich der Priorisierung: Die Variante „Pro Radverkehr“, die zwei 1,50 Meter breite Fahrstreifen für Fahrräder vorsieht, konnte sich durchsetzen.

In einer Sitzung mit Hessen Mobil, dem Planungsbüro Sweco und dem Ältestenrat der Fraktionen am vergangenen Mittwoch fand sich eine Kompromisslinie. Die Fahrbahn für den Kfz-Verkehr wird, wie von Hessen Mobil eingefordert, von 4,50 auf 5 Meter verbreitert. Der an den Kfz-Verkehr abgegebene halbe Meter geht zu Lasten der Gehwege, die auf beiden Seiten um je 0,25 Meter gestutzt werden. Weil die Straßenbreite im Verlauf stark variiere, seien die Gehwege je nach Bebauung schmaler oder breiter, so Ingenieur Steffen Holz vom Frankfurter Planungsbüro Sweco.

Die Anbindung der Dieburger- und Angelstraße zur Hauptstraße in Groß-Zimmern wird möglicherweise vollständig gekappt.

Eine Engstelle ergibt sich im Mündungsbereich der Dieburger- und Angelstraße auf die Bertha-von-Suttner-Straße in Höhe der Bäckerei, wo der Fußweg kurzzeitig nur 73 Zentimeter schmal ist. Hier steht wegen der schlechten Sichtverhältnisse gleichzeitig die größte Veränderung im Raum: das Abtrennen der Dieburger- und Angelstraße.

Die Planungsvariante sieht vor, beide Straßen baulich vollständig abzunabeln und dort eine Einbahnstraßenregelung einzuführen. Eine zweite Option würde die Zufahrt von der Hauptstraße auf die Nebenstraßen weiterhin ermöglichen, nicht jedoch die Ausfahrt aus den Seitenstraßen.

Derzeit ungelöst ist das Queren der Suttner-Straße für Fußgänger in Höhe der Bäckerei zur Angelgartenstraße. Hier, so ZiLi-Vertreter Janek Gola, seien viele Kinder und Jugendliche Richtung Gesamtschule unterwegs. Da bereits in Höhe der Friedensschule (Ecke Kreuzstraße) eine Ampel steht, habe Hessen Mobil einer weiteren Ampel in fußläufiger Nähe an besagter Stelle nicht zugestimmt, erklärt der Bürgermeister. Dennoch: Es bleibt ein sensibler Punkt, den man im Auge behalten will. Auf Anregung von Thomas Unterleider (CDU) soll außerdem geprüft werden, ob die Anzahl der Stellplätze vor der Bäckerei erweitert werden kann. Stand jetzt würde nur ein Parkplatz verbleiben.

Das von Hessen Mobil eingeforderte Parkraumkonzept will die Gemeinde nachliefern. Im Gesamtvorhaben bleibt die Lösung des Parkens und Haltens eine Herausforderung. Auf den vorgesehenen Fahrradstreifen von 1,50 Metern sei Halten grundsätzlich verboten, sagte Planer Holz.

„Der Wegfall von Parkraum ist ein schmerzlicher Einschnitt. Wir wollen versuchen, das durch ein Parkraumkonzept zu verbessern. Wir müssen dazu auch das Parkleitsystem überarbeiten“, erklärte Achim Grimm. Hierzu sind auch Anliegerversammlungen vorgesehen.

Den zeitlichen Druck durch Hessen Mobil erklärt sich der Bürgermeister mit dem Gesamtbauvorhaben, dass nicht ins Stocken geraten sollte. Auf die Kanalsanierung soll direkt die Straße folgen, so Grimm. Der Auftrag zur Sanierung des Kanalnetzes wurde ausgeschrieben und ist zwischenzeitlich vom Gemeindevorstand vergeben worden.  (zah)

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