Klaus Olwigs Erinnerungen an die Mauer

Flucht, bevor es zu spät ist

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Klaus Olwig schaffte es noch vor dem Bau der Berliner Mauer in den Westen.

Groß-Zimmern - „Es war zwar nur eine S-Bahn-Station, aber dazwischen Lagen Welten“, sagt Klaus Olwig, als er sich an die Zeit zurückerinnert, in der die Mauer unausweichlich Ost- von Westberlin trennte. Von Corinna Hiss 

Der 79-Jährige, der schon lange seine ostdeutschen Wurzeln zurückgelassen und sich in Groß-Zimmern eine neue Heimat aufgebaut hat, weiß, wovon er spricht. Dass er noch vor dem Bau der Mauer in den Westen zog, hatte er allerdings einer traurigen Fügung zu verdanken: „Mein Vater war im Krieg gefallen und in der der DDR bekam ich keine Halbwaisenrente. Also lebte ich bei Verwandten im Westen, um die 50 DM zu bekommen.“ Während Mutter und jüngerer Bruder im Osten blieben, ging Olwig in Westdeutschland zur Schule, machte eine Lehre und studierte. „Ich war nicht einverstanden mit der DDR-Politik, also war klar, dass es kein zurück gibt“, sagt er heute. Seine Wohnung lag nahe der S-Bahn-Station Frohnau – das Elternhaus nur eine Haltestelle entfernt im östlichen Hohen Neuendorf.

Als sich die politische Lage weiter zuspitze, konnte er seine Familie überreden, in den Westen zu kommen. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag“, so der 78-Jährige. Im April 1961 gab seine Mutter das Haus auf und nahm mit wenig Hab und Gut heimlich die S-Bahn in den Westen. Was damals keiner wusste: Nur wenige Monate später wurde die Mauer gebaut.

Beruflich hat es den Rentner dann in den Landkreis Darmstadt-Dieburg verschlagen. „Ich sagte immer zu meiner Mutter: Vergiss’ das Haus in Hohen Neuendorf, das ist nur materielles Gut. Wir bauen einfach ein neues“, erzählt er und weiß jetzt im Nachhinein, dass er damit Recht behalten sollte.

Am 9. November 1989 erfuhr er beim gemeinsamen Fernsehen mit seiner Mutter vom Fall der Mauer. „Als wir das sahen, haben wir geweint vor Freude darüber, dass sich jetzt alles ändern wird“, sagt Olwig, den der Mauerfall auch nach 25 Jahren noch berührt.

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