Stimmgewalt und imposanter Klang

Gigantische Passion

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Ein beeindruckendes Bild boten Chöre und Orchester bei der Johannes Passion.

Groß-Zimmern - „Gewaltig“ dieses Wort fiel so manchem Zuschauer zur Johannes Passion ein. Das galt nicht nur für die Stimmgewalt des Chores, des Orchesters und der Solisten, sondern auch für den Anblick in der evangelischen Kirche. Von Ulrike Bernauer 

Zwei Chöre sorgten für imposanten Klang, die Kantorei des evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald und der evangelische Kirchen- und otettenchor Bad König traten am Sonntag gemeinsam auf. Chor und Orchester füllten nicht nur den gesamten Altarbereich, sondern nahmen auch im Kirchenraum Platz. Dort wurde am Sonntag die Johannes Passion von Johann Sebastian Bach vorgetragen. „Dieses Werk ist in unserer Kirche noch nicht aufgeführt worden“, sagte Dirigent Ulrich Kuhn anschließend.

Partien als Solisten übernahmen Judith Devise (Sopran), Katharina Roß (Alt), Florian Cramer und Sebastian Schmeer (Tenor), sowie Peter Anton Ling und Philipp Brömsel (Bass). Die Zuhörer konnten die Leiden Christi hören und sehen, denn die Solisten sangen nicht nur ihre Stücke, sondern lebten sozusagen ihre Rollen. Das Stuttgarter Barockensemble sorgte für den rechten instrumentalen Rahmen.

Ungestörter Musikgenuss

Das Publikum war begeistert von der zweistündigen Aufführung. Dazu trug wohl auch eine Bitte von Dirigent Kuhn am Anfang bei. Es solle während der Aufführung nicht geklatscht werden, um das Werk nicht zu unterbrechen. Die Zuhörer vertieften sich in den ungestörten Musikgenuss und auch als das Werk beendet war, kein Sänger oder Instrument mehr einen Ton von sich gab, blieb es erst einmal still in der Kirche. Dafür brach dann der Beifall umso heftiger aus.

Dieses Werk von Bach zu hören, dazu bekommt man nicht allzu oft die Gelegenheit. „Man kann ein solches Stück mit einem derartigen Aufwand an Chor und Orchester auch nicht jedes Jahr aufführen“, erklärte Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik nach dem Konzert. Aber die Kirche habe auch einen kulturellen Auftrag und in der Groß-Zimmerner Gemeinde lege man einen Schwerpunkt auf die Kirchenmusik. Viele der Sänger und der Orchestermitglieder haben denn auch vor lauter Konzentration das kleine Erdbeben, das sich in der Mitte der Aufführung ereignete, kaum bemerkt. Pfarrer Merbitz-Zahradnik allerdings sehr wohl. Allerdings dachte er bei dem Knall, den er hörte, weniger daran, dass sich die Erde unter Zimmern bewegt hatte. Ein Gedanke kam ihm dennoch in den Kopf, „der Knall hätte wunderbar an die Stelle der Johannes Passion gepasst, wo gesungen wird: Und der Vorhang reißt entzwei.“

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