Schulleiter, Querdenker und Fußballnarr

+
Einst Schulleiter in Groß-Zimmern und bis heute Fußball-Verrückter und Erster Beigeordneter der Gemeinde: Hans Wichmann wird am morgigen Sonntag 75 Jahre alt.

Groß-Zimmern - „2016 ist Schluss“, sagt Hans Wichmann - doch der Zuhörer muss erstmal nachfragen, was genau er damit meint. Von Jens Dörr

Denn der Groß-Zimmerner lässt sich nicht auf ein Steckenpferd reduzieren: Schulleiter, Fußball-Verrückter, CDU-Querdenker - der Erste Beigeordnete der Gemeinde besitzt viele Facetten. Am morgigen Sonntag (6. April) wird Hans Wichmann 75 Jahre alt. Es würde eine riesige Party, lüde er alle Wegbegleiter der vergangenen Jahrzehnte ein. Aber er zieht die Feier im relativ kleinen Kreis vor, vor allem mit der Familie. Im Zimmerner Golfclub wird er sich morgen mit seinen engsten Verwandten und Bekannten womöglich an das ein oder andere zurückerinnern - gewiss aber auch über aktuelle Themen sprechen. Denn nach wie vor ist Wichmann gerade im politischen Tagesgeschäft involviert.

Als Erster Beigeordneter der Gemeinde vertritt er oft Bürgermeister Achim Grimm im Amt. Fast jeden Montag um 8 Uhr tagt Wichmann mit dem Gemeindevorstand: „Das wird mir fehlen“, sagt er mit einem Augenzwinkern und gibt zu, dass er auf das allzu frühe Aufstehen gern verzichten könnte. Zugleich liefert der gebürtige Frankfurter, der mit seinen Eltern einst ausgebombt wurde und über Fischbachtal in seine heutige Heimat kam, die Antwort auf eingangs gestellte Frage: 2016, dann wird er 77, wird er als Erster Beigeordneter aufhören.

Bis dahin übernimmt er ungebremst seine Aufgaben. Die zeitintensivste: den Jubilaren der Gemeinde zu gratulieren, etwa bei runden Geburtstagen. „Ich mache das gerne. Die meisten Leute freuen sich“, sagt Wichmann. Er, der sich als konservativ bezeichnet, war politisch früh interessiert. „In den 50ern und 60ern habe ich die Bundestags-Debatten im Radio verfolgt.“ In den 70ern machte er in Arbeitskreisenbei der ZImmerner CDU mit. „Damals waren Querdenker aber nicht erwünscht.“ Vom aktuellen Ortsverband und der Fraktion zeichnet er ein wesentlich freundlicheres Bild: „Besonders unter Achim Grimm hat sich vieles zum Besseren verändert.“ Die Wähler wiederum erkannten 2011 Wichmanns Einsatz für Zimmern, kumulierten und panaschierten ihn bei den Kommunalwahlen von Platz 22 der CDU-Liste auf Platz neun. Ein gutes Gefühl, obgleich er seinen Platz in der Fraktion nicht einnahm: „Das hat mich damals unheimlich gefreut.“ Im Gemeindevorstand arbeitet er an anderer Stelle an Zimmerns Zukunft mit: „Die Entwicklung des Schlädchens und die Ertüchtigung der Kläranlage sind für mich die Aufgaben, die ich derzeit am wichtigsten finde“, nennt er seine tagespolitischen Prioritäten.

Ein Porträt des Mannes, der morgen das Dreivierteljahrhundert voll macht, wäre ohne zumindest kurze Schilderung seiner beruflichen Laufbahn und jener als Sportfunktionär lückenhaft. Kürzlich erhielt er vom Deutschen Fußball-Bund die nur alle drei Jahre an sehr wenige Personen verliehene Silberne Ehrennadel. Elf Jahre lang war Wichmann (bis 2008) Vize-Präsident des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) und damit auch einer der mächtigsten Männer im Landes-Fußball. In Niedernhausen begann er mit dem Kicken, spielte bis 1964 und startete dann eine Schiedsrichter-Laufbahn, die ihn bis in die Bezirksliga führte. 1968 stieg er in die Verbandsarbeit ein, zunächst als Mitarbeiter im Jugendausschuss des Fußball-Kreises Dieburg. Es folgten zwei Jahre als Kreis-Pressewart, vier als Kreis-Jugendwart, 15 als Bezirks-Jugendwart und vier Jahre als Bezirks-Fußballwart.

Sein Geld verdiente Wichmann, seit zehn Jahren pensioniert, direkt in Groß-Zimmern: in seinem Beruf als Lehrer für Mathematik, Physik, Chemie und natürlich Sport. Zwei Jahre lang lehrte er an der Friedensschule, dann 35 Jahre an der Albert-Schweitzer-Schule, davon 25 Jahre als Schulleiter. Bei all dem fand er dennoch die Zeit, sich einzumischen. „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger“, zitiert Wichmann Perikles. Und verspricht damit, auch mit 75 Jahren klare Kante zu zeigen.

Kommentare