Nachgefragt in Kindergärten

„Was essen die Kleinen in Zimmern?“

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Der evangelische Kindergarten hat eine Köchin, die am Donnerstag eine Himbeer-Kaltspeise für den Nachtisch vorbereitet hat.

Groß-Zimmern - Bundesweit essen 1,8 Millionen Kinder ihre Mittagsmahlzeit in einer Kindertagesstätte (Kita), Tendenz steigend. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommen etliche von ihnen zu viel Fleisch, dafür aber zu wenig Obst und Gemüse. Von Ulrike Bernauer

Nur in jeder dritten Kita entspreche das Essen demnach anerkannten Qualitätsstandards. Frisch gekocht werde in den wenigsten Einrichtungen. Die meisten Kitas ließen Vorgekochtes liefern, wobei das Essen vom Caterer durchaus auch gut und ausgewogen sein kann.

Die Studie ist Anlass für den Groß-Zimmerner Lokalanzeiger einmal genau nachzufragen. Ein Ergebnis der Studie bestätigt sich auch vor Ort. So wird nur in zwei Zimmerner Einrichtungen selbst gekocht, in der evangelischen und in der Angelgartenstraße. Die Kitas Blumenstraße, Hörnertweg, Nordring, Wichernweg, die katholische Kindertagesstätte und auch der intergrative Kinderladen Kinderfrei(t)räume erhalten ihr Essen von Caterern.

Den Luxus einesgesonderten Speiseraums hat nur die Angelgartenstraße, wobei hier die Kinder über drei Jahren (Ü3) im Bistro essen, die Kleineren (U3) hingegen in ihren Gruppenräumen. „Das ist allerdings auch so gewollt, da fühlen sich die Kinder geborgener“, sagt Leiter Tobias Laudenbacher. Die anderen Einrichtungen hätten ebenfalls gerne einen Speisesaal, aber es fehlt an Platz.

Küche im eigenen Haus

Ganz bewusst haben sich die beiden Kindergärten für eine Küche im eigenen Haus entschieden. Die studierte Ernährungsberaterin (Ökotrophologin) Birgit Wilz kocht schon seit 18 Jahren für die Kinder im Otzbergring (evangelische Kita). Fleisch kommt bei ihr nicht oft auf den Tisch. In der Untersuchung war hauptsächlich bemängelt worden, dass es zu häufig Fleisch gebe, dafür zu wenig Obst, Salat und Gemüse. In der Bevölkerung herrsche immer noch das Bild vor, dass nur eine Mahlzeit mit Fleisch auch eine gute Mahlzeit sei.

In der evangelischen Kita gibt es am Donnerstag Reis mit Putenrouladen und grünem Salat und offensichtlich schmeckt es den Kindern der grünen Gruppe. Lediglich beim Dessert will eines keine Himbeernachspeise. In der Einrichtung kommt in der Regel ein- bis zweimal die Woche Fleisch auf den Tisch. Wilz hat genug Ideen für vegetarische Gerichte. Die Nudeln gibt es nicht nur mit Tomatensoße, sondern auch mit Spinat. Gerne essen die Kinder Käsepfannkuchen, Gemüseauflauf oder Karottensuppe. „Gemüse ist allerdings relativ unbeliebt, deshalb gibt es viel Salat und Obst.“

Obst und rohes Gemüse zum Frühstück

Bei den Kitas, die von Caterern beliefert werden, gibt es nach Aussage der Leitungen in der Regel zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch. „Wenn uns was nicht passt, dann sagen wir das auch“, berichtet Nicole Schild vom Wichernweg. Hier gibt es mit Rücksicht auf Kinder anderen Glaubens grundsätzlich nur Puten- oder Rindfleisch. Bei der Kita Blumenstraße ist nicht ausgewiesen, welches Fleisch auf den Tisch kommt. „Daran arbeiten wir noch“, so Leiterin Ute Zimmer. „Wenn es bei uns Schweinefleisch gibt, dann erhalten die muslimischen Kinder ein anderes Essen“, sagt Regina Pietsch von der katholischen Einrichtung. In der Kita Angelgartenstraße kommt nur Geflügel, also Pute oder Hähnchen, auf den Tisch. Schweinefleisch gibt es hingegen bei den Kinderfrei(t)räumen, „aber bei uns dürfen das alle Kinder essen“, sagt Erzieherin Ulrike Sommer. In der Kita Nordring ist Schweinefleisch hingegen tabu.

In praktisch allen Zimmerner Kindergärten wird Obst oder auch rohes Gemüse zum Frühstück gereicht. Äpfel und Bananen stehen dabei fast das ganze Jahr auf dem Speiseplan, dazu kommt Obst der Saison, zurzeit am liebsten Erdbeeren.

Die Kosten für das Mittagessen sind in fast allen Einrichtungen gleich. 60 Euro zahlen die Eltern im Monat für die Mittagsverpflegung. Dieser Regelung haben sich auch die evangelische und katholische Kita sowie die Kita Angelgartenstraße angeschlossen, die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wird. Lediglich die Kinderfrei(t)räume tanzen aus der Reihe. Hier kostet das Essen 55 Euro monatlich. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut der Studie bei 2,40 Euro für ein Mittagessen für Kinder.

Sehr unterschiedlich ist der Anteil der Kinder, die am Mittagessen teilnehmen, in den verschiedenen Zimmerner Einrichtungen. Im Wiechernweg, in der Blumenstraße, dem Nordring, bei der katholischen Kita essen etwa ein Drittel der Kinder in der Kita zu Mittag.

Im Hörnertweg sind es lediglich 20 von 85 Kindern. „Wir haben mehr Bedarf“, sagt Leiterin Schirin Mudroch. „Aber wir haben nur für 20 Kinder die Betriebsgenehmigung“. In der evangelischen Kita sind es 40 bis 45 Kinder von insgesamt 63, noch höher ist der Versorgungsgrad bei den Kinderfrei(t)räumen, hier sind es 17 von 20 Kindern. Und in der AWO-Einrichtung in der Angelgartenstraße gibt es Mittagessen für alle Kinder.

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