Geburtstag des FSV

95 Jahre Fußballverein und Frauenwahlrecht

+
Das Geburtstagsständchen kam vom Fanfarencorps, der nicht nur Musik machte, sondern auch zahlreiche schöne Formationen zeigte oder auch mal sang.

Groß-Zimmern - „Fußball ist unser Leben, er regiert die Welt“, erklärte Bürgermeister Achim Grimm am Donnerstag auf dem Platz des FSV und erntet dafür von allen Seiten Zustimmung. Von Ulrike Bernauer 

Grimm schlug den Bogen zwischen der bald beginnenden Weltmeisterschaft in Brasilien und dem Groß-Zimmerner Fußballverein. Immerhin hat der Verein in dieser Saison den Aufstieg geschafft. Die erste Mannschaft ist in der kommenden Spielzeit wieder in der Kreisliga A. Das freute nicht nur die Fußballer, den Verein und die Fans, sondern auch Erhard Höptner vom SV Viktoria, der sich schon auf ein Zimmern-Derby freut. „Viel Glück“, wünschte Höptner bei der akademischen Feier des FSV anlässlich des 95-jährigen Jubiläums und überreichte einen Fußball, der immer das Tor treffen soll, nur die Zimmern-Derbys sollten davon ausgenommen sein.

Jens Reinhard, Vorstandsmitglied des Fußballvereins, hatte vorher den zahlreichen Gästen der Feier einen Einblick in die Vereinshistorie gewährt. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Verein gegründet, im gleichen Jahr, in dem die Frauen das Wahlrecht erhielten.

Zwei Ereignisse die Reinhard in Zusammenhang brachte. Nachdem die Frauen in der Zeit des Krieges mehr Verantwortung hatten übernehmen müssen, wollten sie sich danach nicht wieder klaglos an den Herd stellen. „Die Frauenbewegung hat eine lange Durststrecke, geprägt von viel Engagement, Schweiß, Zusammenhalt und Ausdauer hinter sich gebracht. Daraus lassen sich Gemeinsamkeiten zum Fußball ableiten, denn auch der Fußball erfordert Teamgeist, Ausdauer und ein gemeinsames Ziel, das Gewinnen.“

Früher wurde auf dem Acker gekickt

Reinhard beschrieb die Anfänge des Vereins, als die Herren ohne Vereinsheim einfach auf dem Acker spielten. Seit dieser Zeit habe sich viel verändert. Am wichtigsten, damals wie auch heute, seien die Menschen, die den Verein mit Leben füllten. Dazu gehören neben Spielern und Vereinsmitgliedern auch die Fußballfrauen, die zum Jubiläum in voller Stärke erschienen waren und auch gratulierten. Nur der Anfeuerungsruf, der im Jahr 1958, der Gründung des Klubs, noch kräftig über den Platz schallte, ist sehr viel dünner geworden.

Die Ehrung langjähriger Mitglieder durfte bei der akademischen Feier des FSV nicht fehlen.

„Wir danken auch den Altsenioren, die sich um die Pflege unseres Sportplatzes kümmern“, so Reinhard, der zu den Ehrungen langjähriger Mitglieder gleich einen von ihnen auf die Bühne rief. Werner Wurtz mäht nicht nur regelmäßig den Rasen des Spielfelds und erledigt mit seinen Alterskollegen andere anfallende Arbeiten, sondern er ist auch seit 65 Jahren Mitglied des Vereins. 40 Jahre hat er beim FSV aktiv Fußball gespielt, 20 Jahre davon in der ersten Mannschaft, danach erst bei der zweiten Mannschaft und dann bei den Alten Herren. Geehrt wurden auch Reinhold Dölcher für 60 Jahre Mitgliedschaft und Harald Herbert für 50 Jahre Vereinstreue. Seit 40 Jahren sind Stephan Buchsbaum, Stefan Herbert, Michael Kapp, Robert Klober, Michael Reichstein und Jürgen Stenglein dabei, seit 25 Jahren Roswitha Heinz. Zahlreiche Ehrungen gab es auch für zehn Jahre Mitgliedschaft. Reinhard setzt auf die Jugend des Vereins und das mit Recht. Aktuell trainieren 140 Kinder und Jugendliche auf dem Rasen in der Waldstraße und damit können fast alle Spielklassen besetzt werden.

Fanfarencorps spielte ein Geburtstagsständchen

Neben Bürgermeister Grimm gratulierten auch der Landtagsabgeordnete und Vorsitzender der Gemeindevertretung Manfred Pentz, der in seiner Jugend auch im FSV spielte und seit 26 Jahren Mitglied ist.

Glückwünsche kamen auch von Dieter Emig, der zur Belustigung der Gäste einen Antrag aus dem Jahr 1920 vorlas. Damals spielte man noch auf dem oben erwähnten Acker, der für so manchen Spieler weniger ein Spielfeld, sondern eher einen Hindernislauf darstellte. „Der untere Teil des Platzes weist noch viele Löcher auf und seit dem Planierungsversuch mit Schlacken liegen ziemlich große Mengen von Schlackenstücken umher, über die schon mancher Spieler gefallen ist und sich dabei erhebliche Verletzungen zugezogen hat“, hieß es in dem Schriftstück. Im Gegensatz dazu ließ nun so mancher Zuschauer den Blick über den sattgrünen Platz schweifen.

Auf dem marschierte nach den Reden das Fanfarencorps auf, das das Geburtstagsständchen nicht nur blies, sondern auch trommelte und sogar sang. Die Zuschauer begeisterte besonders, dass die Musiker nicht nur ihre Instrumente erklingen ließen, sondern während der ganzen Darbietung in unterschiedlichen Formationen über den Platz marschierten und so neben dem Ohrenschmaus auch optisch eine tolle Aufführung boten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare