Böse „Überraschung“

Wandgemälde an Mehrzweckhalle: Mitspracherecht gefordert

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Aufnahme aus der Zeit um 1910: Blick von der Hauptstraße aus in die Mittelstraße, heute Jahnstraße, mit dem Gasthaus „Löwen-Bräu“ von Emil Bernhard Breitenbach. 

Groß-Zimmern - Am 27. Mai, wenn der neue Rathausplatz eingeweiht werden soll, war eine „Überraschung“ vorgesehen: An der Mehrzweckhalle sollte ein groß dimensioniertes Gemälde der ehemaligen Gastwirtschaft „Löwenbräu“ präsentiert werden. Von Sabine Müller 

Eine böse Überraschung, meinen die Gemeindevertreter, denn sie seien nicht gefragt worden. Ein Dringlichkeitsantrag der Grünen-Fraktion lag am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses aus. Erst am 19. April habe die Öffentlichkeit von der Absicht erfahren, mit der Eröffnung des Rathausplatzes Ende Mai das Gemälde eines historischen Gebäudes dort einzuweihen, begründeten die Antragsteller ihren Vorstoß. Da vorher keine Parlamentssitzung mehr geplant sei, müsse der Punkt auf die aktuelle Tagesordnung. Dafür gab es allgemeine Zustimmung.

Gemäß Beschlussvorlage haben die Bürgervertreter aus der Presse erfahren, dass Veränderungen an einer Wand der Mehrzweckhalle zur Eröffnung des neu gestalteten Rathausplatzes vorgesehen sind. „Bei der Gestaltung des Rathausplatzes hat die Gemeindevertretung umfassend über Belag, Bepflanzung und Material der Sitzgelegenheiten diskutiert“, argumentieren die Grünen. Veränderungen könnten nicht dem Gemeindevorstand, Einzelpersonen oder Vereinen überlassen werden, und die „angebliche Anbringung von ,Logos der Unterstützer’“ müsse die Gemeindevertretung vorab bewerten. Ein 2,50 mal drei Meter großes Bild habe zweifelsfrei Wirkung auf Groß-Zimmerns „gute Stube“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Marianne Streicher-Eickhoff. „Eine Änderung der Platzgestaltung bedarf der Zustimmung der öffentlichen Gremien, zumal erhebliche Gelder hineingeflossen sind.“

„Ich gebe Ihnen recht, man hätte im Vorfeld zumindest die Ausschüsse einbinden müssen“, räumte Verwaltungschef Achim Grimm (CDU) ein. Er wollte jedoch „positiv an die Sache rangehen“ und wies jegliche „böse Absicht“ zurück. Das Thema sei so neu nicht, im Gemeindevorstand im vergangenen Jahr mehrmals besprochen worden. Der Verein „Bel(i)ebt Groß-Zimmern“ habe die Idee aufgebracht, auf diese Weise an das historische Gebäude des „Löwenbräu“ zu erinnern. Dieses lag in Nachbarschaft zum heutigen Rathausplatz und wurde im Rahmen der Ortskernsanierung 1970 abgerissen.

Nachdem ein Graffito verworfen worden sei, arbeite derzeit eine ortsansässige Fachfirma an der Gestaltung des Gemäldes, informierte Grimm. Die Kosten dafür trage der Verein „Bel(i)ebt“ sowie ein Sponsor aus seinen Reihen. „Die Überraschung war, das Gemälde bis zur Einweihung des Rathausplatzes hinzubekommen“, erklärte Grimm. Wenn jetzt aber noch darüber beraten und beschlossen werde müsse, könne die Darstellung vielleicht erst beim Kürbismarkt eingeweiht werden.

Der mit eben dieser Forderung nach Information und Parlamentsbeschluss formulierte Grünen-Antrag wurde bei Enthaltung zweier CDU-Vertreter angenommen.

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