Freude bei Heimatforschern

Historischer Fund zur Kerb

Dieses Dokument von 1554 belegt, dass die Geschichte der Kerb mindestens 460 Jahre alt ist. Das bedeutet: rund 180 Jahre älter, als bisher nachgewiesen war.

Groß-Zimmern - Ein archäologischer Sensationsfund sorgte für erstaunte Gesichter bei der Jahreshauptversammlung des Groß-Zimmerner Kerbvereins. Neu gefundene Dokumente zeigen, wie früher die Kerb gefeiert wurde. Von Julia Glaser 

„Die Kerb ist älter als wir immer dachten – die Dieburger können sich bald warm anziehen“, kündigte der Vorsitzende Thomas Beutel die Überraschung des Abends an - und das sollte kein verfrühter Aprilscherz sein.

Helmut Kriha, schon immer sehr interessiert an der Geschichte seines Heimatortes, fand in der Wertheimer Zweigstelle des Landesarchivs Baden-Württemberg kürzlich Dokumente die belegen, dass die Groß-Zimmerner ihre Kerb bereits mindestens seit dem Jahr 1558 feiern. Der Abstand zur Dieburger Fastnacht, die nachweislich seit 1508 begangen wird, ist damit um einen großen Schritt kleiner geworden. „Das Archiv ist im Internet frei zugänglich. Ich habe auf gut Glück nach Groß-Zimmern gesucht und hatte 437 Treffer“, sagt Kriha.

Der passionierte Heimatforscher machte sich gleich am nächsten Tag auf den Weg ins Kloster Bronnbach im Taubertal, wo die kostbaren Dokumente aufbewahrt werden. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und nur mit weißen Schutzhandschuhen darf er sich ein Schreiben des Kellers (eine Art Verwalter) von Groß-Zimmern an den Fürsten Löwenstein ansehen.

Schriften entziffern

Teilweise kann Kriha die Schrift selbst entziffern, unterstützt wird er von einem Experten aus dem Archiv. Das erste Schriftstück ist datiert auf den 3. September 1581 und berichtet von Begebenheiten auf der Zimm’ner Kerb. Kriha sucht weiter und wird noch einmal fündig: Ein Zollschreiben aus dem Jahr 1558, in dem Adolph von Walborn mit dem Keller Wolf Schorr über den Weinzoll für den Kirchweihtag verhandelt. Dem Keller wird darin befohlen, dass er dem Walborn nur den üblichen Weinzoll für den Bartholomäustag gestatten soll. „Wer weiß, vielleicht finde ich weitere Dokumente, die noch älter sind als die Dieburger Fastnacht“, sagt Kriha. Für diesen Fall hätte Thomas Beutel bereits den passenden Kerbruf parat: „Seit 1507 wird in Zimmern Kerb ganz groß geschrieben!“

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Wiedergewählt wurden an dem Abend der Vorsitzende Beutel und sein Stellvertreter Harald Stapp, Ralf Knierieme als Schatzmeister sowie Thorsten Burger und Sarah Kolbe als Schriftführer. Weitere Wahlen: Ulrike Rippka (Kellerausschuss), Michael Heine und Holger Reitz (Vergnügungsausschuss), Achim Rudolph, Holger Bernhard und Frank Göbel (Arbeitsausschuss), Michael Wick (Öffentlichkeitsarbeit), Chris Kowal (Historische Abteilung), Johannes Mayer (Webmaster), Christian Gliesing und Dominik Wurtz (Kassenprüfer). Im Kerborganisationsausschuss (KOA) sind künftig Sven Heil, Max Senk, Christian Fröhlich, Dominik Wejwoda, Eileen Mößinger, Fabian Lankau, Steffen Heß, Thomas Fedyszin und Martin Wörtche tätig.

Bereits seit 25 Jahren sind Jutta Geier, Veronika Held, Erika Geier, Irene Hix und Sigrid Blank im Verein, für zehnjährige Mitgliedschaft wurden Johannes Mayer, Sascha Linke, Alexander Schüßler, Benjamin Rotter, Toni Modl, Matthias Reitzel, Martin Jost, Erwin und Benita Hechler geehrt.

Weitere Infos zum Kerbverein unter: www.kerbverein-zimmern.de.

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