Flüchtlingssituation in der Gemeinde

Frühere Fehler nicht wiederholen

+
Rund 30 Teilnehmer sind zur Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge ins Jugendzentrum gekommen.

Groß-Zimmern - Wir können alles brauchen“, betonte Bürgermeister Achim Grimm am Montag im Jugendzentrum. Gut 30 Interessierte waren zur Informationsveranstaltung der Gemeinde und des Runden Tisches zum Thema Flüchtlinge gekommen. Von Gudrun Fritsch 

Sachmittel seien jedoch nur eines: „Besonders wichtig ist die persönliche Begegnung“, hob Grimm hervor. Gemeinsam mit Jugendpfleger Tom Hicking, Ute Decker, stellvertretende Vorsitzende des örtlichen VdK und Sprecherin des Runden Tisches, und Thomas Koch, dem Leiter des Flüchtlingsamtes beim Landkreis Darmstadt-Dieburg, informierte Bürgermeister Grimm über die aktuelle Lage.

Noch bevor es richtig losging, gab es erste Angstrufe. „Was haben Sie in der Bahnhofstraße im Blick?“, wollte ein besorgter Anwohner wissen, dem es offensichtlich nicht recht wäre, wenn Flüchtlinge dort in den ehemaligen „Kaiserhof“ einziehen würden. Ein anderer monierte: „Wer wird hier eigentlich als Flüchtling bezeichnet? Rückblickend auf die Zeit 1945/46 ist das nämlich irritierend.“ Diese Fragen führten zu Kopfschütteln beim Rest der Runde.

„Das Landesaufnahmegesetz (LAG) spricht von Flüchtlingen“, erklärte Koch und beschrieb, die Kommunen seien das letzte Glied in der Kette. Der Bund nimmt die Menschen auf und quotiert nach Einwohnergröße. Hessen erhält 7,1 Prozent, davon gehen 21 Prozent in Lankreise und Städte. Fünf Prozent der Asylberwerber für Hessen kommen so nach Darmstadt-Dieburg.

„Wir müssen Flüchtlinge aufnehmen“

„Wir versuchen die Fehler aus den 90er Jahren nicht zu wiederholen“, so Koch. In Zimmern hatte man damals mit der Firma Vogel einen Großanbieter in der Röntgen- und der Friedhofstraße gefunden. Ganze Gruppen von Asylbewerbern wurden am Ortsrand untergebracht, blieben unter sich und größtenteils sich selbst überlassen. „Es soll kein solches Heim mehr geben. Wir versuchen die Menschen auf kleine Wohneinheiten zu verteilen“, sagte Grimm. Deshalb sei man jetzt dringend auf der Suche nach geeignetem Wohnraum.

Im ersten Halbjahr 2014 werden insgesamt 20 Personen erwartet, die Zahl für die weiteren sechs Monate steht nocht nicht fest, aber bei der aktuellen politischen Lage sei nicht damit zu rechnen, dass es weniger werden. „Wir müssen die Flüchtlinge aufnehmen. Wenn keine Wohnungen gefunden werden, muss auf öffentliche Gebäude ausgewichen werden. Eine Containersiedlung wäre die schlechteste Lösung.“

Keine Berührungsängste

Koch beschrieb die Ankunftsituation: Dienstag ist der Tag, an dem er die sogenannten Bindungslisten mit den Namen der Flüchtlinge erhält. Dann erst bekommt er Informationen über Nationalität, Geschlecht und Geburtsdatum der Flüchtlinge. Zwei Tage bleiben, um zu überlegen, wo sie untergebracht werden könnten. Am Donnerstagvormittag fährt der Bus von der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen am Krankenhaus in Groß-Umstadt vor, wo das Flüchtlingsamt vorübergehend untergebracht ist.

Im Verlauf des Gespräches zeigte sich, dass die meisten Teilnehmer, darunter viele Nachbarn der Flüchtlinge in Klein-Zimmern, keine Berührungsängste haben. Im Gegenteil: „Die Leute sind sehr nett und gebildet. Wenn sie kommen haben sie nichts. Wir möchten gerne helfen“, beschrieben einige, die schon gespendet haben, und stellten ganz Fragen nach ärztlicher Betreuung, Sprachkursen und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Wer Interesse hat, kann am Samstag nach Klein-Zimmern kommen (Ankündigung siehe oben) oder Tobias Lauer fragen, den Ansprechpartner für den „Runden Tisch Flüchtlinge“ in der Projektwerkstatt, Wilhelm-Leuschner-Straße 2.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare