Prognose: Durch Geburtenüberschüsse und Wanderungsgewinne wird Bevölkerung bis 2030 bis zu zehn Prozent größer

Groß-Zimmern ist junge, wachstumsstarke Gemeinde

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Wachstum: Auf der Südseite des Neubaugebiets „Schlädchen“ steht bereits die komplette Häuserzeile. In rasantem Tempo waren die Baugrundstücke vermarktet. Die Wachstumschancen von südhessischen Kommunen sind angesichts von Binnenwanderungen, hoher Nachfrage und spottbilligem Baugeld immens. Allerdings müssen auch die Infrastrukturkosten mitkalkuliert werden. Auf der anderen Seite lässt sich auf diese Weise auch Infrastruktur sichern.sr

Groß-Zimmern - Der „demografische Wandel“ ist landauf, landab zum Dauerthema geworden. Beim Landkreis Darmstadt-Dieburg sammelt Tamara Eschler dazu die statistischen Zahlen, aktualisiert sie und fasst sie gelegentlich auch zu Vorträgen zusammen. Von Sebastian Richter 

Auf Bitte des Lokalanzeigers hat sie jetzt ihr Material für den nächsten Auftritt in Dieburg um Details zu Groß-Zimmern ergänzt. Erste Überraschung: Groß-Zimmern gehört im Landkreis Darmstadt-Dieburg zu den Gemeinden mit den höchsten Wachstumsprognosen bis zum Jahr 2030. Ähnlich hoch, nämlich fünf bis zehn Prozent, ist im Osten des Landkreises die Prognose nur noch für Eppertshausen, im Westen werden Erzhausen, Griesheim und Alsbach-Hähnlein so eingestuft. Für die laut Immobilienfachleuten so beliebten Nachbar-Wohnorte Dieburg und Groß-Umstadt werden hingegen Werte von Stagnation bis maximal 5 Prozent prognostiziert.

Damit setzt sich in Zimmern ein deutlicher Wachstumstrend fort. 1989 lag die Bevölkerungszahl noch bei deutlich unter 11.000, mittlerweile sind rund 13.500 erreicht, Zimmern liegt damit in etwa gleichauf mit Münster. Steiler ist für den Zeitraum ab 2011 in der Nachbarschaft nur die Kurve für Dieburg, worin sich laut Eschler wohl die Ausweisung des großen Neubaugebiets auf dem Campus abbildet.

Überhaupt scheint es eine Beziehung zwischen der Ausweisung von Bauland und Entwicklung der Bevölkerungszahl zu geben – was eigentlich auch logisch auf der Hand liegt. Siedlungsplaner weisen darauf hin, dass ein moderater Neubau von Wohnraum schon dann geboten ist, wenn eine Kommune auch nur in etwa so bleiben will wie sie ist.

Die südhessischen Kommunen profitieren derzeit von einer kleinen „Völkerwanderung“. Während es im ländlichen Raum Mittel- und Nordhessens immer leerer wird, lassen sich immer mehr Menschen im Süden nieder – wenn auch vorzugsweise in den städtischen Metropolen, allen voran Frankfurt, das bei einem Wachstum um 15 000 Einwohner pro Jahr noch vor 2030 die Marke von 800 000 reißen wird.

Die Binnenwanderung ist aber nicht unbedingt ein Mittel gegen die Alterung der Bevölkerung. Doch es gibt offensichtlich schon eine gewisse Beziehung zwischen Zuzug und Geschwindigkeit dieses Alterungsprozesses. Groß-Zimmern ist jedenfalls im Osten des Landkreises die einzige Gemeinde, für die Eschler einen Bevölkerungsanteil von unter 18 Prozent für Einwohner ausweist, die 65 Jahre und älter sind. Bei den Kindern von sechs Jahren und darunter nimmt Babenhausen im Osten mit mehr als 5,7 Prozent den Spitzenplatz ein,

Zimmern bewegt sich mit 5,4 bis 5,6 Prozent in einem breiten und noch recht guten Mittelfeld. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass Zimmern von 2005 bis 2015 sieben Jahre einen Überschuss an Geburten gegenüber den Todesfällen verzeichnen konnte, außerdem nur fünf Jahre mit leichten, sechs mit zum Teil deutlichen Wanderungsgewinnen, ab 2012 kontinuierlich.

Das Durchschnittsalter, das derzeit bei 42,2 Jahren liegt, soll bis zum Jahr 2030 dennoch auf 45,6 Prozent steigen – der Anteil der Hochbetagten ab 80 Jahren von vier auf sechs Prozent. Damit würde Zimmern allerdings immer noch eine vergleichsweise junge Gemeinde bleiben, denn schon für die Nachbarn in Dieburg liegt die Prognose bei neun Prozent.

Und: Zimmern ist eine ziemlich internationale Gemeinde. 30,4 Prozent, also knapp ein Drittel der Bevölkerung, hatten laut dem Zensus des Jahres 2011 einen Migrationshintergrund – mehr als in Babenhausen, wo es 27 Prozent waren, und deutlich mehr als in Dieburg, mit gerade einmal knapp über 21 Prozent.

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