Nistkastenbau in der Waldschule

Kinderstuben für Bienen

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Zimmerwerkstatt Waldschule: Felix, Opa Manfred Amann und Nabu-Chef Lothar Jacob (von links) beim Bau der Nisthilfen für Wildbienen.

Groß-Zimmern - Die umweltpädagogische Arbeit in der Waldschule rückt immer wieder brandaktuelle umweltpolitische Themen in den Mittelpunkt. Von Ursula Friedrich 

Pragmatisch, theoretisch, mit profundem Fachwissen werden Veranstaltungen zum runden naturkundlichen „Event“, wie neudeutsch so gerne formuliert wird. Wenn die hier aktiven Fachleute Claudia Wiedling, Lothar Jacob oder Forstmann Martin Starke für ihre Themen begeistern, wirkt das nicht dogmatisch. Wildkräutersammlungen, Weidenflecht-Workshops, Nistkastenbau, Fledermausführungen oder Geocaching werden zwar nicht zur Massenbewegung, doch Familien und naturliebende Bürger schätzen die Arbeit, die hier im Kleinen so rührig vorgenommen wird.

Ein Dutzend Handwerker ließen sich unter Anleitung des Waldschulteams am Samstag zu Zimmerleuten für Insektenhotels ausbilden. „Eigentlich sind es keine Hotels“, stellte Nabu-Chef Lothar Jacob gleich klar - Kinderstuben würde die Nutzung der Nisthilfen wohl eher treffen. Die angehenden Eltern sind winzig und aus vielerlei Gründen vom Aussterben bedroht. Nisthilfen für die rund 550 Bienenarten in Deutschland werden immer knapper. Die intensive Ausbreitung menschlicher Lebensräume ist die Hauptursache. Topgepflegte Gärten lassen beliebten Aufzuchtsstätten für Wildbienen, Totholz, Holzritzen und anderen Nistgelegenheiten keine Chance.

Schilfmatten, Stöckchen und Ziegel

Die tüchtigen Zimmersleut in der Waldschule sorgten für Abhilfe. Nicht nur Bretter wurde verarbeitet, auch Schilfmatten, Stöckchen und Ziegel. Gerlinde Born, die extra aus Altheim anreiste, war mit Feuereifer dabei. „Ein kleines Insektenhotel habe ich gekauft, jetzt will ich selbst noch ein großes bauen“, erklärte sie, „mein Garten ist riesig, da gehe ich voll drin auf.“ Felix, mit 13 Jahren der jüngste Teilnehmer, will sein Kästchen unter der Terrasse des Opas platzieren. Manfred Amann ist von der Idee des Enkels begeistert.

Wildbienen ähneln zwar Wespen, auch was den Appetit angeht, sind aber nicht aggressiv. 35 Prozent der deutschen Wildbienen haben es auf die Rote Liste bedrohter Arten geschafft, sieben Prozent sind inzwischen ausgestorben. Den Insekten, die mit ihrer Bestäubungsleistung für Nutz- und Wildpflanzen unerlässlich sind, gilt es mit selbstgebauten Nisthilfen oder artgerechten Gärten die Chance zum Überleben zu bieten. Das Nisthilfenprojekt in der Waldschule wurde aus Mitteln des Hessischen Umweltschutzprojekts Messeler Hügelland gefördert.

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