Leserserie: Mein Platz in Zimmern

Orte mit besonderen Geschichten

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Die Gästebücher von Christel und Heinrich Herbert sind kleine Schätze: Über viele Jahre hinweg haben sie darin die Erinnerungen an Geburtstage, Hochzeitsjubiläen und andere wichtige Fest gesammelt.

Groß-Zimmern - Jeder hat in seinem Heimatort einen Lieblingsplatz. So auch Christel Herbert. Von Julia Glaser 

Auf rund 25 Quadratkilometern leben hier etwa 16.000 Menschen. Von außen betrachtet unterscheidet sich Zimmern kaum von anderen Gemeinden. Was den Ort für die Bewohner aber zu etwas Besonderem macht, sind persönliche Erlebnisse, Eindrücke und Erinnerungen, die sie mit Zimmern verbinden.

Dabei ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welche Ecke einem etwas bedeutet. Ein Platz, an dem man sich wohl fühlt, mit dem man vielleicht eine interessante Geschichte verbindet, an den man immer wieder gerne zurückkehrt. Manche dieser Stellen können im Lauf der Zeit durch Veränderung des Ortsbildes verschwunden sein – nicht aber aus der Erinnerung.

Damit möglichst viele Menschen solche Plätze kennenlernen, stellt der LA in lockerer Folge Orte mit besonderen Geschichten Groß-Zimmern vor. Die Berichte von Lesern sollen helfen, die Plätze eventuell auch aus einer anderen Perspektive zu sehen und auf Dinge aufmerksam zu werden, die vorher nicht aufgefallen sind. Vielleicht wird so auch das Interesse geweckt, einmal einen Platz zu besuchen, den man noch nicht kannte und für den man sich bisher nicht interessierte. Vielleicht können diese Berichte auch dazu beitragen, dass Groß-Zimmern neu Zugezogenen, die dem Ort noch skeptisch gegenüber stehen, vertrauter und ein Stück mehr Heimat wird.

"Wir haben alles, was wir brauchen"

Christel Herbert liebt ihr „Zimmern“ – jede Ecke davon. „Manchmal setze ich mich einfach auf mein Fahrrad und radle durch den Ort. Das ist für mich fast wie Urlaub.“ Sich für einen Lieblingsplatz zu entscheiden, fällt ihr deshalb schwer.

Nach einigem Überlegen weiß sie aber: „In der Jahnstraße haben wir das Paradies entdeckt“. Dort hat sie fast ihr gesamtes Leben verbracht, zusammen mit ihrem Ehemann Heinrich.

„Wir haben alles, was wir brauchen: den Gemüseladen, Ärzte und die Post“. Christel und ihr Mann wissen, welche Geschäfte es einst in der Straße gab, wo die Bäckerei war, die Versicherung, der Hutmacher und die Bierwirtschaft. „Als das Löwenbräu abgerissen wurde, waren wir dabei. Und als das Rathaus gebaut wurde, haben die Kinder im Neubau gespielt“, erinnert sich das Paar, das seit über 50 Jahren verheiratet ist.

27 Jahre lang war Christel Herbert Wirtin

In der Jahnstraße war auch der „Münchner Hof“, die Gastwirtschaft, die Christel Herbert über 27 Jahre lang leitete. Eine Zeit, an die sie sich mit Freude und Begeisterung in den Augen erinnert. „Als ich meine Kneipe aufgemacht habe, wurde ich von den Gästen verwöhnt – das waren alles meine Väter. Die haben sich sogar bei mir abgemeldet, wenn sie in den Urlaub gefahren sind“, erzählt sie. Geöffnet war, wenn Christel da war – und wenn sie einmal kurz weg musste, wurde einer der Gäste mit dem Zapfen beauftragt. „Wenn ich mit dem Enkelchen rüber in die Halle zur Turnstunde gegangen bin, hat wer da war zapfen müssen. Wo hat man denn so was heute noch?“, sagt sie.

Stressige Zeiten gab es natürlich auch hin und wieder – aber die Christel, wie sie von den Besuchern liebevoll genannt wird, konnte sich immer auf ihre Gäste verlassen. Jeder hat geholfen, wenn es darauf ankam. Als sie die Wirtschaft vor rund zwölf Jahren schloss, gab es noch einmal ein großes Fest. Die Arbeit hatte aber nicht sie, sondern der Kerbborschte-Jahrgang 1961/62. Ihre „Jungs“, die sich für die Herzlichkeit bedanken wollten, mit der sie im Münchner Hof immer empfangen wurden. Am Kerbfreitag treffen sie sich alljährlich noch bei ihr. „Das ist das einzige Mal im Jahr, wo alle 25 Borschte zusammenkommen“, erzählt sie stolz.

LA sucht noch mehr Lieblingsplätze

Die Geschichten über die Straße, ihre Kneipe (auch klein Moskau genannt) und die Menschen, die dort ein- und ausgingen – ein ganzes Buch könnte man damit füllen. Und die Christel hat schon mehrere Gästebücher, in denen Geburtstage und Jubiläen mit Fotos und Glückwünschen festgehalten sind. Auch wenn der Münchner Hof seine Pforten inwischen geschlossen hat, wird dort noch gefeiert. Ihre „Skatbuben“ dürfen auf ihre Geburtstage anstoßen, und auch Familie Herbert feiert hier noch regelmäßig – am liebsten mit rotem Sekt.

Die Freundschaft und die Treue, die ihr viele der Gäste immer noch halten, erklärt sie ganz einfach: „Es kommt alles nur daher, wie man sich mit den Menschen abgibt – das bekommt man auch zurück“.

Haben auch Sie einen Lieblingsort in Zimmern, den Sie vorstellen möchten? Dann erzählen oder schreiben Sie uns davon: red.gross-zimmern@da-imnetz.de, oder Sie vereinbaren einen Termin mit der LA-Redaktion unter 8279453. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten.

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