Männer des Jahrgangs 1944/45 sind Goldene Kerbborschte 2014

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Die Goldene Kerbborschte des Jahrgangs 1944/45 sind voll in der Planung für das Fest.

Groß-Zimmern - Die Kerb 1964 steht ihnen vor Augen, als wäre sie gestern, dabei ist sie ein halbes Jahrhundert her. Anlass für den Jahrgang 1944/45 sich zu treffen und auf die Teilnahme als „Goldene“ für den Kerbumzug vorzubereiten. Von Ulrike Bernauer 

Am Mittwoch sind acht Herren in der Gaststätte der Mehrzweckhalle erschienen und planen eifrig für ihren Auftritt. Stark war der Jahrgang mit 18 Kerbborschte noch nie, sieben sind leider inzwischen verstorben. Kerbmädchen Gottfriede Löbig lässt auf sich warten. Dafür sind Kerbvadder Egon Schraub und Mundschenk Heinz Held gekommen. Ihre Kerb im Jahr 1964 war mit dem heutigen Großereignis kaum zu vergleichen. Groß war das Fest damals für Zimmern auch, aber es fand in einem ganz anderen Rahmen statt. Zwar ging die Kerb auch damals von Samstag bis Dienstag, aber es wurde mehr in den Wirtschaften gefeiert.

Der Kaiserhof spielte bei den Grün-Weißen die größte Rolle, hier fand der Tanz statt. „Das war damals ganz wichtig. Die Frauen freuten sich nicht nur darauf, sondern auch auf das neue Kleid, das es für die Kerb gab“, erinnert sich Held. Die Kerbpuppe hieß Umba und war schwarz. „Wir haben das Lied Humba tätärä umgedichtet. Umba trank Bluna und rauchte Stumba.“ Die Grün-Weißen waren der erste Jahrgang, der sich die Puppe klauen ließ. Heinrich Göbel wollte Umba nach Hause bringen und wurde überfallen. Er klammerte sich zwar so an der Puppe fest, dass er auf den Knien mitgeschleift wurde, bis die gute schwarze Hose durch war, aber am Ende siegte die rohe Gewalt.

Puppe aus Metall

Am kommenden Morgen entdeckten die Borschte ihre Puppe am Fahnenmast der Sparkasse. Dabei war sie etwas Besonderes. Sie war noch nicht aus Plastik, ihr Gestell war aus Metall. Beim Überfall wurde ihr das Genick gebrochen. Das konnten die Kerbborschte wieder richten. Und mittlerweile existiert auch dieses Gestell nicht mehr, das den Feuertod der Puppe überstanden hatte. Held hat es im vergangenen Jahr fort geworfen.

Vor allem der Kerbumzug lässt sich mit dem heutigen Großereignis nicht vergleichen. Da gab es das Dreigestirn aus Kerbvadder, Mädchen und Mundschenk, eine Kapelle und natürlich den Wagen mit den Kerbborschte. Im Jahr 1964 hielt allerdings schon die Moderne Einzug in den Umzug, statt in einer Kutsche saß das Dreigestirn in einem offenen MG. Den besaß Held. So ein Auto war für einen Kerbborschte etwas ganz besonderes und er war sehr stolz darauf.

Die Truppe um Kerbvadder Egon Schraub gab mit den Anstoß, dass der Umzug zu dem wurde, was er heute ist. Bei ihrem Zehnjährigen beteiligte sich der Jahrgang wieder und erhöhte die Teilnehmerzahl damit um ein Drittel. Das kam in Mode und nachdem der Kerbverein gegründet wurde, nahm der Umzug enorm an Umfang zu. Nostalgisch ist die Stimmung bei den Goldenen und sie erinnern sich an die Vorkerbzeit.

Kerb mit Festumzug

Kerb mit Festumzug

Da gingen viele von ihnen auch samstags arbeiten, „um das Pulver für die Kerb zusammen zu bekommen.“ Schließlich sollte ordentlich gefeiert werden und mit dem normalen Salär ging das nicht. Dem Kerbmädchen musste das Kleid bezahlt werden und für das eigene Vergnügen sollte auch etwas übrig bleiben. Wobei der Kerbjahrgang mehr Arbeit als Vergnügen hatte. „Wir mussten an den drei Eingängen des Kaiserhofs Eintritt kassieren und auch sonst war wahnsinnig viel zu tun.“

Die erste Kerb, die der Jahrgang 1944/45 so richtig genießen konnte, war 1965. Aber auch ihre Goldene wollen sie nun richtig genießen. Einen gemeinsamen Besuch auf dem Friedhof am Samstag sieht ihr Programm in diesem Jahr vor. Am Nachmittag werden sie natürlich am ökumenischen Gottesdienst teilnehmen und danach in der Mehrzweckhallen-Gaststätte essen. Zu fortgeschrittener Stunde wollen sie in der Halle selbst erscheinen. „Dort wollen wir dann unser Kerblied präsentieren.“ Am Sonntag nehmen sie selbstverständlich am Umzug teil. Ob das Kerbmädchen vorher über die Leiter aus dem Haus geholt wird, steht nicht fest, diskutiert wird es aber.

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