106 Kästen gesäubert

NABU reinigt mit Pfadfindern Nistkästen

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Andre, Sarah und Xenia (v. l.) kümmern sich um einen Nistkasten. Ein Meisennest vom vorigen Jahr entfernen sie aus der Behausung.

Groß-Zimmern - Kalt ist es am Samstagmorgen. Trotzdem versammeln sich am Platz vor der Waldschule zahlreiche Kinder und Erwachsene. Im Januar werden traditionell die Nistkästen vom Nachwuchs des Naturschutzbunds (NABU) und den Pfadfindern gereinigt.

In diesem Jahr mussten einige der insgesamt 106 Kästen, saniert oder die Drahtbügel an deren Aufhängung erneuert werden. „Mit 15 unbenutzten Nisthilfen im Vergleich zu sieben leeren Kästen im Vorjahr war die Zahl aber wieder höher als 2015“, so Werner Lehmann vom NABU Groß-Zimmern.

Bei den untersuchten Nistkästen konnte in mindestens sechs Fällen eine doppelte Belegung verzeichnet werden, wobei in der Regel die Trauerschnäppern nach den Meisen einzogen. In zwei Fällen belegten auch Hornissen die Höhle, nachdem die jungen Meisen ausgeflogen waren. Es gibt aber auch weitere Untermieter. So nutzen Mäuse gerne die Nisthilfen als Quartiere, um in kalten Winternächten nicht zu erfrieren.

In mindestens drei Fällen konnten diese Bewohner anhand eingetragener, trockener Blätter und Eicheln identifiziert werden, einmal wurde sogar die Maus noch zu Hause angetroffen. Dieser Kasten wurde natürlich nicht gereinigt, sondern gleich wieder aufgehängt. Vermutlich werden aber noch mehr Tiere im Winter in den Nisthöhlen Unterschlupf finden, ohne große Spuren zu hinterlassen. Auch dieses Mal verschwanden Nisthilfen: vier Kästen konnten nicht wieder gefunden werden. Ein Verlust, der durch die Vereinskasse des NABU wieder ersetzt werden muss.

„Die meisten Untermieter sind alljährlich die Meisen, wobei wir nicht zwischen den einzelnen Arten unterscheiden können“, kommentierte der NABU-Vorsitzende Lothar Jacob. Vermutlich sei der „Hauptmieter“ im Regelfall die Kohlmeise. „In zwei Fällen waren wir aber sicher, dass es Blaumeisen waren, die ihr Nest gebaut hatten. Auch der Trauerschnäpper hatte ein sehr gutes Jahr. Mit 14 Nachweisen ein erfreuliches Resultat“, berichtete Jacob zufrieden. Für den Kleiber war 2016 ein eher schwaches Jahr. Nurfünf Nisthöhlen wurden gezählt, die dieser Vogelart als Kinderstube gedient hat, im Vorjahr waren es immerhin 13. Kleiberwohnungen bedeuten aber auch immer, dass die Reinigung für die Helfer sehr zeitaufwändig ist, da die Tiere die Nisthöhlen regelrecht mit Lehm verkleben.

Andre erklimmt die Leiter, Sarah schaut ihm zu und Felix Sohlbach hält die Leiter beim Nistkastenreinigen.

Dieses Jahr bereitete aber eher der Frost Schwierigkeiten. Da einige der Nistkästen eingefroren waren und sich schlecht öffnen ließen, dauerte die Reinigung insgesamt auch etwas länger. Vor allem mit den kalten Fingern, die man an diesem Tag sofort bekam, wenn man die Handschuhe ausziehen musste, war das teilweise nicht angenehm. „Trotzdem war die Stimmung in den drei Gruppen prima und alle Pfadis waren mit Eifer bei der Sache“, zog Jacob nach der Aktion ein Resümee.

Pünktlich gegen 12.30 Uhr konnte die Reinigungsaktion mit dem gemeinsamen Mittagessen beendet werden. Nach fast drei Stunden „Waldarbeit“ waren alle hungrig und froh, dass sie sich an den gedeckten Tisch setzten konnten, den das fleißige Team der Waldschule vorbereitet hatte. Auf dem Speiseplan standen dieses Mal Bohneneintopf und Kartoffelsuppe mit Würstchen. Zum Nachtisch wurde eine leckere Kirsch-Quarkspeise serviert.

Um Nistkästen ging es auch am Nachmittag. Drei Väter mit ihren Kindern, eine Mutter mit Kind und Großeltern mit ihren Enkeln waren nicht zum Reinigen der Vogelwohnungen, sondern zum Bau von Nistkästen in die Waldschule gekommen.

Lothar Jacob erzählte den Bauherren einiges über die späteren tierischen Bewohner, wie Meisen, Kleiber, Trauerschnäpper oder Sperlinge, und über deren spezielle Vorlieben. Danach wurde tatkräftig mit Hammer, Säge und Bohrer gearbeitet. Zwischendurch wurden einige Nester gezeigt, die beim Reinigen der Nistkästen am Morgen gefunden worden waren und nun als Anschauungsmaterial dienten. In einigen waren sogar noch Eier, die nicht ausgebrütet waren. „Dass aus einem so kleinen Ei wirklich eine Kohlmeise schlüpft, ist fast unvorstellbar“, wunderte sich ein Vater. Um die „Kinderstuben“ für die gefiederten Freunde noch schöner zu gestalten, malten einige Kinder die fertigen Nistkästen bunt an. Stolz trug jeder nach gut zwei Stunden sein Bauwerk nach Hause. (bea)

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