Von Gipfel zu Gipfel durch die Toskana Südhessens

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Bei klarer Sicht bietet sich dieser Blick vom Rehberg auf die Frankfurter Skyline, dahinter der Taunus.

Odenwald/Groß-Zimmern - Bei Traumpfaden denkt man spontan an südliche Gestade, an exotische Vegetation oder an abenteuerliche Wege durch Vulkankrater wie man es durch das beliebt gewordene Inselwandern kennt. Von Hans-Jürgen Badior

Aber es braucht nicht viel und schon gar keine lange Flugreise, um wirklich traumhafte Landschaften in unmittelbarer Nähe zu erleben. Der Lokal-Anzeiger stellt in Zusammenarbeit mit dem Odenwaldklub in lockerer Folge einige erlebenswerte Wanderungen vor unserer Haustür vor.

Gerade mal 43 Millionen Jahre ist es her, dass der Roßberg bei Roßdorf noch Feuer spuckte. Die Überreste seines letzten Ausbruchs stecken heute als Basaltpfropfen in seinem Schlot und werden zu Schotter abgebaut, während am Südwesthang der Wein gedeiht. Ihm gegenüber liegt als kleinerer Bruder der Rehberg, den sogar ein Gipfelkreuz ziert. Roß- und Rehberg gehören zum Frankensteinkomplex, dem nördlichsten Zipfel des Kristallinen Odenwalds. Die Wanderung verbindet die beiden Gipfel und bietet fantastische Fernsichten von Frankfurt im Norden über den Spessart im Osten sowie den Odenwald im Süden und Südwesten. Mit den aneinander gereihten, sanften Hügeln und den verstreut liegenden Gehöften erinnert die Landschaft verblüffend an die Toskana; lediglich die schlanken Zypressenbäume fehlen. Obwohl die Landschaft nur zwischen etwa 200 und 300 Metern Seehöhe liegt, geht es doch dauernd bergauf und bergab, jedoch nie sehr lange.

Oberhalb Roßdorfs durch den Wingert

Start ist am Schwimmbad in der Erbacher Straße in Roßdorf. Hier besteht Parkmöglichkeit für den PKW und die Bushaltestellen sind nicht weit. Los geht es in Richtung der neuen katholischen Kirche schnurstracks auf den Roßberg zu. Man folgt zunächst dem Roßbergweg und wandert an der Einmündung der Ringstraße geradeaus weiter ins Feld, überquert den Erbesbach und biegt am Bergfuß nach rechts ab. Tipp: Sollte der Boden sehr aufgeweicht sein, bietet sich der Aufstieg unmittelbar hinter dem Erbesbach auf dem asphaltierten Weg an. Beide Wege führen stetig bergauf bis zu einem breiten, geschotterten Querweg, in den man nach links hinauf zu Edlings Weinberg abbiegt. Man sollte nicht versäumen, sich ab und zu umzudrehen, denn hier bietet sich ein herrlicher Blick auf Roßdorf und die Gehöfte.

Bevor der Weg so richtig steil wird, geht es an einem Gatter nach rechts, entlang der Wingertspfähle, in Richtung auf die K129 und Ober-Ramstadt. In einer Senke, kurz vor Erreichen der Straße, geht es scharf nach rechts und dann einer sanften Linkskurve folgend auf ein Feldgehölz zu, das an seinem südlichen Rand passiert wird, um dann geradewegs zur Höhe anzusteigen. Dort trifft man wieder auf einen Asphaltweg, der auf dem Kamm zum Ober-Ramstädter Ortsteil Eiche führt.

Auf dem Kamm zum Kuhfalltor

Man hat den Eindruck, dass von diesem Kammweg aus der gesamte nördlich Odenwald zu sehen ist: Im Norden der Mainzer Berg „Moret“, im Osten die Veste Otzberg, im Süden der Parallelkamm „Windlücke“ und die Neunkircher Höhe, im Südwesten der Felsberg und der Melibokus. Bei guter Fernsicht sind auch am Horizont das Kraftwerk in Groß-Krotzenburg, die Spessarthöhen und der Krehberg zu erkennen. Bevor man in die Bebauung des Ortsteils Eiche absteigt, lohnt für technisch Interessierte ein Blick auf die Antennenanlagen des Amateurfunk-Klubs, der ebenfalls die exponierte Lage zu schätzen weiß.

Von der „Hohen Schneise“ geht es nach rechts über den Kinderspielplatz. Dort folgt man zunächst der Radwegmarkierung zur Landstraße L 3104, vermeidet es aber, in das kleine Wäldchen zu gehen, sondern überquert die Straße direkt an der Zufahrt und folgt dem Weg auf der anderen Straßenseite über den Seesenberg immer am Waldrand entlang. Kurz bevor der Weg auf den Parkplatz „Kuhfalltor“ trifft, lädt der Unterstand des OWK Ober-Ramstadt zu einer genussvollen Rast ein. Von hier aus bietet sich ein prächtiger Blick über die „Stadt der Farben“ wie sich Ober-Ramstadt gerne nennt. Auch der Beiname „Tor zum Odenwald“ erklärt sich hier oben von alleine, denn man sieht, wie die in den Talkessel eingebettete Stadt auch die Hügel hinauf und in die Täler hinein wächst.

Wer es nicht eilig hat, dem sei ein Abstecher in das Heimatmuseum Ober-Ramstadt empfohlen, das an Sonntagen nachmittags geöffnet ist und dessen Ausstellungen über die Automobilfabrik Röhr und den Physiker und Philosophen Lichtenberg weit über die üblichen heimatkundlichen Sammlungen hinausgehen.

Über Ludwigseiche, Grabhügel, „Heisje“ und Kotelettpfad zum Rehberg

Nun überquert man den Parkplatz „Kuhfalltor“, benutzt den mittleren Weg in Richtung Messel, der mit einem roten Quadrat auf weißem Grund gekennzeichnet ist, und trifft nach rund 300 Metern auf einen mächtigen Baum, die Ludwigseiche. In ihrer Nähe wurden aus mehreren Grabhügeln archäologische Funde aus der Stein- und Eisenzeit ausgegraben.

Ihr gegenüber steht ein verwunschener Turm in dem man das Dornröschen vermuten könnte. Das Bauwerk, in Ober-Ramstadt „Heisje“ genannt, diente einst den Darmstädter Großherzögen als Jagdpavillion. ie Wanderung führt weiter durch den Wald, wo man bald auf Darmstadts bekannten Wanderweg trifft, den Kotelettpfad, dem man nach rechts in Richtung Roßdorf folgt. Auf der Anhöhe an einer Wegspinne biegt man nach links und kurz darauf nach rechts ab und steigt auf die „Hundsrück“ genannte Anhöhe, immer den Holzschildern „Kotelett-Pfad“ folgend. Oben wendet man sich nach rechts, um auf der Höhe zu bleiben.

Bereits von hier aus kann man den Feldberg im Taunus und die Frankfurter Skyline sehen. Nach etwa 600 Metern, oberhalb von saftigen Weiden mit Pferden, trifft man auf den Fahrweg zum Rehberg, dem man nach rechts auf seinen baumbestandenen Gipfel folgt.

Gipfelkreuz aus Dankbarkeit

Den Gipfel des Rehbergs ziert ein mächtiges Holzkreuz, das die Roßdorfer Bürger aus Dankbarkeit für die Nichtzerstörung im zweiten Weltkrieg hier errichteten.

Obwohl der Berg nur etwa 270 Meter hoch ist, bietet er eine grandiose Fernsicht: Von den Hochhäusern in Frankfurt und den Feldberg im Taunus, über den Spessart und den nördlichen wie auch den westlichen Odenwald schweift der Blick. Eine Bronzetafel mit Peilmarken hilft bei der Orientierung.

Wenn man sich endlich von dieser Aussicht losreißen kann, steigt man auf direktem Weg nach Roßdorf ab, wo bald der Ausgangspunkt erreicht ist.

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