Serie: Mein Platz in Zimmern

Orte mit besonderen Geschichten

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Jasmin Dressel lebt gern mitten in der Natur.

Groß-Zimmern - Ein Haus mitten im Feld. Ab vom Schuss. Umgeben von Mais. Kann man hier tatsächlich glücklich sein? Wer das Haus von Jasmin und Jörg Dressel hinter dem Ortsausgang Richtung Reinheim einmal besucht hat, weiß ganz sicher: Ja, man kann! Von Julia Glaser 

„Ich war lange Zeit nicht bereit im Feld zu wohnen“, sagt Jasmin Dressel. „Aber jetzt fühle ich mich hier pudelwohl!“ Seit gut einem Monat leben die beiden mit ihrer dreijährigen Tochter Jette inzwischen in ihrem neuen Zuhause. Der Bungalow liegt neben dem Landwirtschafts-etrieb der Familie, hier stehen die Kartoffelhallen, werden Maschinen aufbewahrt und rundum picken rund tausend Hühner ihr Futter vom Boden. Von außen sieht man erstmal nur einen Rohbau, aber das wird sich bald ändern. „Wir möchten in einer gedeckten Farbe verputzen. Das Haus soll nicht durchs Feld leuchten, sondern sich der Natur etwas anpassen“, erklärt Jasmin Dressel.

Alles im Haus scheint sich der Natur anzupassen, eine Verbindung mit ihr zu suchen. In kleinen Vasen sind Wildblumen verteilt, in den Ecken stehen Grünpflanzen und auch das Dach soll noch begrünt werden. Zwei wandhohe Glasfenster im großzügig geschnittenen Wohnzimmer mit offener Küche bieten einen freien Blick auf die Maisfelder und Wildblumen, die auf einer Wiese rundherum wachsen. „Wir hören hier morgens die Vögel und abends die Kaninchen“, erzählt Dressel. Das Schmuckstück des Hauses wird das Atrium: Dafür wurde ein rund acht Quadratmeter großer Bereich beim Bau ausgespart, der jetzt von drei Seiten mit Glas umgeben ist. Die vierte Seite bietet einen Durchgang ins Badezimmer. „Mein Mann möchte hier eine Außendusche anbringen. Dann kann man vom Bad aus direkt raus gehen zum Duschen“, sagt sie und ergänzt: „Wir haben fast alles selbst entworfen“.

Schön, aber anstrengend

Der beauftragte Architekt hat eng mit ihnen zusammengearbeitet, denn Dressels hatten eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Haus aussehen soll. „Mein Mann wollte schon lange hier rausziehen. Er hat sogar vor 15 Jahren schon einen Baum an dieser Stelle gepflanzt“, sagt die Leiterin des Hofladens in der Kirchstraße.

Dort lebte die junge Familie bis vor wenigen Wochen. Durch die Mietwohnungen, das Restaurant, den Hofladen und das Atelier ist immer etwas los im „Dresselhof“. Das ist zwar schön, kann aber auch anstrengend werden. In ihrem Haus im Feld sind Dressels jetzt ganz für sich. Fast jedenfalls: Mittags kocht Jasmin Dressel nicht nur für ihre Familie und ihre Schwiegermutter, sondern auch für den Betrieb mit Angestellten und Auszubildenden. Gemeinsam wird dann am großen massiven Holztisch gegessen und sich ausgetauscht.

Die gelernte Diplom-Medienwirtin hatte sich ihr Leben ursprünglich ganz anders vorgestellt, zum Beispiel als Mediendesignerin in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg. Dann trat vor rund zehn Jahren Jörg Dressel in ihr Leben und nach und nach änderte sich ihre Zukunftsperspektive- der Liebe wegen.

Keine Reue

Inzwischen sind die beiden seit rund fünf Jahren verheiratet, vor sechs Jahren übernahm Jasmin Dressel die Verantwortung für den Hofladen in der Kirchstraße. „Das war natürlich eine Umstellung. Ich hatte nie damit gerechnet, in eine Groß-Zimmerner Landwirtschafts-Familie einzuheiraten“, erzählt die gebürtige Dieburgerin.

Die Dressels lassen sich etwa zwölf Generationen zurückverfolgen, das sind mehr als 300 Jahre. Das Leben als Landwirt kennt keinen geregelten Alltag: „Unser Lebensrhythmus richtet sich nach der Frucht. Weil es so gut wie keinen Winter gab, muss die Ernte diesmal früher eingebracht werden. Witterungsbedingt können wir kaum Pläne machen“, sagt Jasmin Dressel.

Bereut hat sie ihre Entscheidung trotzdem nie: „Ich stehe voll hinter dem, was mein Mann tut. Bei den Landwirten herrschen noch andere Grundwerte, sie machen ihre Arbeit mit Leidenschaft. Sie können gar nicht anders“. Im neuen Zuhause wird bald ein weiteres Familienmitglied hinzukommen: Im November kommt nach Töchterchen Jette das zweite Kind der Dressels zur Welt, ein Sohn. Um sich auf das große Ereignis in Ruhe vorzubereiten, wird man Jasmin Dressel im Hofladen deshalb aus gutem Grund in nächster Zeit etwas seltener zu Gesicht zu bekommen.

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