Nachbarn protestieren gegen Geschosshöhe

Groß-Zimmern: Grünes Licht für Neubau an Wilhelm-Leuschner-Straße 35

In Groß-Zimmern werden dem geplanten Neubau im Kreuzungsbereich Wilhelm-Leuschner-Straße/Darmstädter Straße der Supermarkt und die links angrenzenden Häuser weichen.
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In Groß-Zimmern werden dem geplanten Neubau im Kreuzungsbereich Wilhelm-Leuschner-Straße/Darmstädter Straße der Supermarkt und die links angrenzenden Häuser weichen.

Mit dem Aufstellungsbeschluss zum BBP „Wilhelm-Leuschner-Straße 35“ hat das Parlament den Weg frei gemacht für einen Neubau. Nachbarn fordern eine Geschossbegrenzung.

Groß-Zimmern – Die Bedenkenträger im Parlament konnten sich nicht durchsetzen: Eine Mehrheit aus CDU, SPD und ZiLi in der Gemeindevertretung hat am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle nach zweijähriger Diskussion einer Neubebauung der Wilhelm-Leuschner-Straße 35 mit einem multifunktionalen Gebäude zugestimmt.

Seitdem der Investor, die Dexturis-Bau GmbH (Bad Nauheim) im April 2019 den Antrag auf Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Eckgrundstück Wilhelm-Leuschner- Straße/Darmstädter Straße gestellt hat, wird über die Gestaltung des Neubaus kontrovers diskutiert (wir berichteten mehrfach). Zu hoch und zu massiv erschien den meisten Bürgervertretern der Baukörper an exponierter Stelle, wo derzeit noch ein Supermarkt und links angrenzende Bebauung stehen, die platt gemacht werden und das Ortbild geprägt ist von älteren, überwiegend zweigeschossigen Häusern.

Nur die SPD-Fraktion konnte sich mit dem geplanten über 60 mal 17 Meter großen, modernen Gebäuderiegel, mit rund 3 000 Quadratmetern Nutz- und Wohnfläche plus Tiefgarage anfreunden; Ihr Hauptargument war der Wohnungsbedarf. Mit der innerörtlichen Verdichtung durch den großen Neubau soll nun neuer Wohnraum entstehen, zudem ist vorgesehen, ein Gesundheitszentrum, Kinderbetreuung, Büros und betreutes Wohnen unterzubringen.

Wiederholt stockte das Vorhaben. Der Bauträger, der das Gelände erworben hat, reagierte auf Änderungsanträge der Politik, besserte wiederholt nach und reduzierte die ursprünglich geplante Gebäudehöhe – vier Vollgeschosse plus eingerücktes Staffelgeschoss – auf vier Vollgeschosse mit begrüntem Flachdach. „Maximal drei plus Staffelgeschoss“, hatte zuletzt die CDU gefordert. Dies ist jetzt auch im Bauleitplan vorgesehen. Die maximale Gebäudehöhe beträgt 14,6 Meter. Die Fassade soll unter anderem durch Glaselemente und Grün optisch aufgelockert werden; das Gebäude wird fünf Meter von der Wilhelm-Leuschner-Straße eingerückt.

Drei Vollgeschosse plus Walmdach hatten die Grünen vorgeschlagen. „Wir können dem Antrag nicht zustimmen“, erklärte deshalb der Fraktionsvorsitzende Reiner Raab in der Sitzung: „Das sind noch immer vier Geschosse.“

„Ich stimme dem Vorhaben so nicht zu“, kündigte auch FDP-Abgeordneter Kurt Werdecker an. Der Architekt hatte vergangenen Oktober gefordert, den Antrag zurückzustellen, bis die Gemeindevertretung einen Rahmenkatalog mit Vorgaben, Bedingungen und Empfehlungen erarbeitet hat und für das Projekt einen städtebaulichen Wettbewerb angeregt. „Dreigeschossig und ein geneigtes Dach“ – damit hätte Werdecker sich anfreunden können.

Die FDP Groß-Zimmern unterstützt zudem Anwohner, die gegen den geplanten Neubau protestieren. Ein entsprechendes Schreiben plus Unterschriftenliste, die rund 20 Bewohner der Wilhelm-Leuschner-Straße und Darmstädter Straße gezeichnet haben, war dem Hauptamt in der Gemeindeverwaltung am Dienstagnachmittag vor der Parlamentssitzung per Mail zugegangen, mit der Bitte, es an die Fraktionsvorsitzenden weiterzuleiten. Dies sei erst am Mittwochmorgen geschehen, sagte Hauptamtsleiter Stefan Herbert auf Nachfrage des LA, weil die elektronische Nachricht übersehen wurde.

Die Nachbarn sagen „nein zur City-Plaza in der jetzigen Dimension!“ und fordern, dass die aktuelle Planung nachgebessert wird, da sie „unangemessen und wuchtig“ sei. Es gehe ihnen nicht darum, einen Neubau zu verhindern, erläutert Joachim Göbel stellvertretend für die Anlieger. „Im Gegenteil, die Nachbarschaft freut sich über eine neue und moderne Bebauung des Grundstücks, fordert aber eine Begrenzung auf drei Geschosse, damit sich das Gebäude besser einfügt und nicht so erdrückend auf die Umgebung wirkt.“

Durch den Offenlegungsbeschluss, der am Dienstagabend ebenfalls mehrheitlich gefasst wurde, werden die Bürger – neben den Trägern öffentlicher Belange – die Möglichkeit haben, ihre Hinweise und Einwände zum ausgelegten Entwurf schriftlich vorzubringen.(Von Sabine Müller)

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