„Rentnerporsche“ braucht gute Bremsen

Rollatoren individuell einstellen

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Bevor es in den Straßenverkehr geht, üben die Senioren den Umgang mit der Rollator im Hof des Gersprenz-Pflegeheims.

Groß-Zimmern - Anna-Maria Hof hat Erfahrung im Gebrauch mit dem Rollator. Seit 20 Jahren nutzt sie die Gehilfe. Eigentlich glaubt sie nicht, dass sie beim Training noch etwas lernen kann. Sie wird schnell eines Besseren belehrt. Von Ulrike Bernauer 

ADAC-Trainer Ralph Drexelius, der als Polizist auch für das Polizeipräsidium Südhessen unterwegs ist, zeigt im Mehrgenerationenhaus (MGH) Senioren, worauf sie achten müssen. Drexelius sieht auf den ersten Blick, dass der Rollator für die ältere Dame nicht richtig eingestellt ist. Er verändert die Griffhöhe und bei den ersten Schritten ist Anna-Maria Hof noch skeptisch. Doch schon nach einigen Metern strahlt sie, denn jetzt kommt sie mit dem „Rentnerporsche“ viel besser voran. Der Trainer zeigt den Rollator, den er mitgebracht hat, mit 80 Euro einer der billigsten auf dem Markt. Teurere Geräte kosten bis zu 400 Euro. Was Drexelius immer wieder feststellt, die Gehhilfen werden beim Kauf oft nicht auf die Maße der Kunden eingestellt. Viele Senioren laufen dann gebückt oder sogar schief, wenn die Griffe unterschiedlich hoch sind. Der Rollator von Hof ist folglich nicht der einzige, der an diesem Nachmittag neu eingestellt wird.

Die Bremsen sind ebenfalls ein wichtiges Thema. Auch die sind längst nicht bei allen in Ordnung. Viele Senioren machen auf ihrem Gang auch mal ein Päuschen und setzen sich auf den Rollator. Funktionieren die Bremsen nicht richtig, kann es schlimme Stürze geben. Dass diese grundlegenden Einstellungen oft nicht in Ordnung sind, ist erstaunlich. Nachdem Gehhilfen früher verpönt waren, bewegen sich inzwischen rund 3,5 Millionen Menschen mit Rollatoren im Haus und im Straßenverkehr.

Viele Hindernisse für Rentner

Und da gibt es viele Hindernisse, Bordsteinkanten sind nur ein Beispiel. Lästig sind auch zu kurz geschaltete Ampelphasen. „Lassen sie sich nicht stressen, wenn sie es bei Grün nicht bis auf die andere Seite schaffen. Die anderen haben noch eine Weile rot“, rät Drexelius.

Ein weiteres Thema ist der Einstieg in einen Bus. Eigentlich sind Busfahrer verpflichtet, Gehbehinderten zu helfen, nötigenfalls sogar eine Rampe anzulegen, um den Einstieg zu ermöglichen. Das wusste kaum einer der Senioren. Andererseits berichten sie hier von durchweg erfreulichen Erlebnissen. „Wenn ich die Leute an der Bushaltestelle frage, dann sind sie immer hilfsbereit“, sagt eine Seniorin. Auch die anderen in der Runde nehmen vor allen Dingen die jungen Leute in Schutz, da würde keiner nein sagen.

Drexelius freut sich über diese Erfahrungsberichte. Nach dem Theorieteil geht es an die Praxis. Einigen stellt er vor dem Ausflug noch die Griffhöhe anders ein, dann wird im Hof des Seniorenheims der Gersprenz ein Parcours aufgestellt. Früher dribbelten die Herren zwischen den Verkehrshütchen mit dem Fußball, allerdings ist aktuell nur ein Mann dabei, heute fahren sie mit dem Rollator hindurch. Dadurch dass die Geräte sehr wendig sind, hat auch keiner der Trainingsteilnehmer ein Problem damit, den Parcours zu durchlaufen.

Danach geht es in den öffentlichen Straßenraum, wo die Senioren die richtige Handhabung des Rollators an der Bordsteinkante üben und lernen, sich insgesamt sicherer und angstfreier im Straßenverkehr zu bewegen.

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