Schauspieler Christian Klischat nimmt sein Publikum mit in die Welt des Reformators

Luther zu Gast in Zimmern

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Das Bauernbrot, mit dem die Gäste der Veranstaltung „Luthers Tischreden“ verwöhnt wurden, holte Karl-Heinz Bodensohn frisch aus dem mobilen Ofen. Schauspieler Christian Klischat, als Martin Luther in der evangelischen Kirche in Groß-Zimmern, hatte keine Berührungsängste mit seinem Publikum.

Groß-Zimmern - „Wein, Weib und Gesang“. Dieser Spruch wird Martin Luther zugeschrieben. Mit allen drei Themen beschäftigte sich Christian Klischat, Schauspieler am Darmstädter Staatstheater, der nun in der evangelischen Kirche von Groß-Zimmern den Luther gab.

Während eines deftigen, an die Zeit des Reformators angepassten Essens, unterhielt er die Speisenden mit den Tischreden, die Luther zugeschrieben werden. Martin Luther pflegte sich nicht nur mit seiner Familie um den Essenstisch zu versammeln, bei ihm und seiner Frau Katharina speisten alle gemeinsam, die sich in seinem Haus befanden. Dazu gehörten auch die Studenten, die bei den Luthers Kost und Logis genossen. Bei Tisch wurde nicht geschwiegen, wie es in der damaligen Zeit eigentlich üblich war, sondern auch miteinander gesprochen. Daraus entwickelten sich häufig Diskussionen über meist theologische oder kirchliche Themen, mitunter hielt Luther aber auch eine längere Rede. Die Studenten notierten ab einem gewissen Zeitpunkt diese Reden, die später als Tischreden auch veröffentlicht wurden.

Schauspieler Klischat verfügte also über genug Material, dass Luther zugeschrieben wird, um einen ganzen Abend zu bestreiten. Luther hatte sich in seinen Tischreden den unterschiedlichsten Themen zugewandt, darunter wie oben erwähnt auch dem Weibe. „Kinder gebären ist das allerschwerste Werk“, trug Luther vor, der über dieses große, unbegreifliche Wunderwerk Gottes staunte. Prüde kann der Reformator auch nicht gewesen sein, er beschäftigte sich auch ausführlich mit den Brüsten der Weiber, die nicht nur ihr Schmuck seien, sondern auch die „rechten Proportionen“ haben müssten. Luther brach allerdings auch eine Lanze für die Frauen, da diese laut der Bibel aus einer Rippe des Mannes geformt seien, solle sie der Mann auch so gut behandeln, wie er sich selber behandele.

Auf den Spuren Luthers quer durch Deutschland

Gemeindepädagogin Manuela Bodensohn hatte diesen fulminanten Lutherabend organisiert. Sie hatte Klischat in Nieder-Ramstadt erlebt und dann alles daran gesetzt, den Schauspieler und Lutherinterpretator auch nach Groß-Zimmern zu holen. Nicht nur sie, sondern alle Gäste des Abends waren beeindruckt von der lebendigen Art, mit der Klischat die Tischreden gekonnt unter das Volk brachte. Er rückte seinem Publikum teils dicht auf den Leib, geriet bei bestimmten Themen so richtig in Erregung und begann mitunter auch lauthals zu singen, wobei er als Sänger vermutlich keine Karriere gemacht hätte.

Viel Mühe hatte sich die evangelische Gemeinde, die „Luthers Tischreden“ im Zuge der 500-Jahrfeier zur Reformation am Freitag in die Kirche geholt hatte, auch mit dem Speiseplan gegeben. Das Bauernbrot wurde in einem mobilen Ofen zwischen Kirche und Gemeindehaus frisch gebacken, das Gänseschmalz kam aus der Region von Bauer Mann. Erbensuppe und Zwiebelsuppe halfen an diesem Abend auf leckere Weise, den Magen zu füllen, der Käsekuchen auf Brotteig wurde ebenfalls im mobilen Ofen von Heidi und Karl-Heinz Bodensohn gebacken.

Wer sich unter den Tischgästen nicht so gut mit den Speisen in der Zeit von Luther auskannte, konnte sich über Menükarten schlau machen. Salz beispielsweise war damals eine Kostbarkeit, gesüßt wurde mit Honig, ansonsten kam in die Küche, was die Natur an Kräutern hergab. Huhn stand bei Luthers Ehefrau Katharina von Bora häufig auf dem Speiseplan, Gemüse und Hülsenfrüchte bereicherten die Küche, die heute häufig gegessene Kartoffel war noch nicht gebräuchlich. Musikalisch wurden die Tafelnden auch noch verwöhnt. Stephan Klischat spielte auf einer Gitarre, die einer Laute, einem zu Luthers Zeit gebräuchlichen Musikinstrument, nachempfunden war. (bea)

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