Klasse G6b beschäftigt sich mit Vorurteilen

Schubladendenken reflektieren

+
Wer mag Fußball mehr, die Männer oder die Frauen. Anhand von Stereotypen arbeitet Esra Erbas mit Sechstklässlern am Schubladendenken.

Groß-Zimmern - Der erste Eindruck zählt – so ist es in den meisten Fällen. Nun bietet die Albert-Schweitzer-Schule ihren Sechsklässlern im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus“ einen Workshop an, um Schülern eine andere Sichtweise darzustellen.

„Der Mann ist faul“, fast einhellig bewerten die Schüler der Klasse G6b der Albert-Schweitzer Schule (ASS) ein Foto eines auf dem Sofa liegenden Mannes. Ein Anzugträger hingegen schneidet wesentlich positiver in der Bewertung der Schüler ab, ihm werden Intelligenz und Fließ zugeschrieben. „Vielleicht hat der Mann auf dem Sofa ganz viel gearbeitet und ruht sich jetzt davon aus, eigentlich wissen wir gar nichts über ihn“, versucht Esra Erbas den Schülern eine anderen Blick auf das Foto zu eröffnen. Erbas und Kizito Odhiambo sind Tutoren beim Studierendenwerk der Technischen Universität in Darmstadt und bieten den Sechstklässlern einen Workshop mit dem Titel „Schubladen-Denken? Ich doch nicht“ an. Der Workshop läuft im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus“ an der Gesamtschule.

Im Laufe der zwei Schulstunden werden die Sechstklässler mit vielen plakativen Aussagen konfrontiert, dürfen aber auch einen Film sehen. Es geht im Wesentlichen darum, den Schülern zu vermitteln, wo sie mitunter vorschnell und/oder mit zu wenigen Informationen urteilen. Es geht vor allem darum, den Schülern zu ermöglichen, ihre Ansichten zu überdenken. Wobei Tutorin Erbas auch ganz eindeutig feststellt, dass Vorurteile per se nicht negativ seien. Sie hülfen auch, Situationen im Alltag schnell einzuschätzen und handlungsfähig zu bleiben. Dennoch sollten sich alle Menschen mitunter bewusst sein, dass sie in Schubladen denken und welche sie ganz besonders gerne aufziehen und füllen.

Esra Erbas (links) und Kizito Odhiambo (rechts) arbeiten mit Sechstklässlern zum Thema Vorurteil und Schubladendenken.

Am Anfang des Workshops fallen den Schülern eindeutige Aussagen und Bewertungen noch leicht, im Verlaufe der anderthalb Stunden, können die Tutoren, aber auch die beiden Lehrer der ASS, Sven Dwelk und Carmen Pop eine zunehmende Nachdenklichkeit beobachten. Manche Aussagen, die die Tutoren machen, scheinen auf den ersten Blick leicht zwischen fair und unfair einzuordnen zu sein. „Mädchen backen alle gerne“, wollen viele der Jungen und Mädchen gerne unterschreiben und stellen sich auf einer Meinungsskala auf die Bewertung „Fair“. „Ich backe gerne“, begründet eine Schülerin ihren Schritt, von den Jungs scheint hingegen keiner diese Tätigkeit auszuüben.

„Jungs können Mathe und Mädchen Kunst“, wollen vor allem die Mädchen aber nicht so stehen lassen. Allerdings wehrt sich auch ein Jungedagegen „Mathe ist für mich ein Fremdwort“, stellt der Schüler fest. Auch beim Thema Fußball sind sich die Schüler nicht einig, ist doch der Frauenfußball inzwischen zu weit verbreitet, was Erbas durch ein Foto von einer Fußballnationalspielerin gleich eindrucksvoll beweist. Aber auch andere Fotos von beispielsweise einer Automechatronikerin oder von zwei Krankenpflegern sollen helfen, so manches lieb gewordene Vorurteil beiseite zu räumen.

So manchem Schüler ist nach dieser Unterrichtsstunde einiges klar geworden. Vorurteile können in ihrer negativen Form auch zu Ausgrenzung von Menschen führen. Deshalb sei es gut, die Schubladen im eigenen Kopf zu erkennen und sie mitunter zu hinterfragen. Das helfe sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen zu wenden. (bea)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare