Platz für erforderliche zweite Integrationsklasse fehlt

Schweitzer-Schule hat zu wenig Räume

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Yazin, Gabirel und Aya (von links) sind sehr zufrieden mit dem Deutschunterricht und fühlen sich von Lehrerin Mihan Kurt gut betreut.

Groß-Zimmern - „Wir haben zu wenig Räume“, bemängelt Helmut Buch, Leiter der Albert-Schweitzer-Schule. Gerne würde er dem Bedarf entsprechend eine zweite Integrationsklasse gründen. Schuldezernent Christl Fleischmann meint, mit anderer Aufteilung wäre dies möglich. Von Gudrun Fritsch 

Eng ist es in dem rund zwölf Quadratmeter kleinen Raum an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS), in dem 16 Jugendliche unterrichtet werden, die Regelklassen der Gesamschule besuchen und in dem Minizimmer zudem zwei bis vier Stunden täglich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen. Zum Glück sind sie nicht immer gleichzeitig anwesend, denn Sitzplätze gibt es nicht für alle. „Diese Schüler haben individuelle Stundenpläne“, erklärt Integrations-Lehrerin Mihan Kurt, die mit 22 Wochenstunden an der ASS tätig ist. Außerdem erteilt die gebürtige Türkin noch Studenten an der Universität Darmstadt Deutschunterricht und ist als Lehrerin für islamische Religion im Einsatz. Nach Unterrichtsende unterzeichnet sie die Pläne der Schüler, die für die Intensivstunden vom regulären Klassenunterricht freigestellt sind. „Ich achte darauf, dass möglichst keine Stunden wie etwa Sport ausfallen, die für die Integration der jungen Leute wichtig sind“, berichtet Kurt.

Die Schüler, die den Sprachunterricht zwei Jahre lang besuchen können, wissen ihr Engagement zu schätzen. Fast alle konnten anfangs überhaupt kein Deutsch. „Der Unterricht mit Frau Kurt ist sehr schonend und ich verstehe sie immer gut“, sagt Gabriel in perfektem und akzentfreiem Deutsch. Vor einem Jahr ist der 16-Jährige mit seinen Eltern aus Rumänien hergekommen. Zuvor hatte er bereits sieben Jahre in Portugal gelebt und dort vier Jahre die Schule besucht. Gabriel sieht die Vorteile der Vielsprachigkeit, er kann sich in sechs Sprachen verständigen, besucht die Realschule und will später einmal Dolmetscher werden.

Zu eng ist es im Unterrichtsraum der Idaz-Klasse, auch wenn nicht alle Schüler anwesend sind.

Aus Syrien ist Yazin (15) mit seiner Mutter und dem 18-Jährigen Bruder vor einem Jahr nach Zimmern gekommen – ebenso die 16-Jährige Aya, die hier mit ihrem ältern Bruder (34) und der Schwester (23) lebt. Ihre Eltern und zwei weitere Geschwister blieben zurück. Über die Balkanroute sind die Jugendlichen nach Deutschland gekommen. „Wir wollten eigentlich nach Kanada“, berichtet Aya ebenfalls in sehr gutem Deutsch. Mit dem Boot seien sie von der Türkei nach Griechenland gereist und dann viel gelaufen. Etwa ein Jahr waren sie unterwegs und fühlen sich jetzt in Groß-Zimmern sehr wohl.

„Wir machen hier sehr interessante Projekte“, beschreibt die 16-Jährige und erzählt von E-Mail-Kontakten zu Schülern in Frankreich, einem Projekt der Goetheschule, oder vom gemeinsamen Schlittschuhlaufen. Aya ist in Syrien sieben Jahre zur Schule gegangen, besucht derzeit die achte Gymnasialklasse der ASS, und sie hat sehr gute Noten. „Ich will später gerne studieren und in der Tourismusbranche arbeiten“, berichtet sie. In der Integrationsklasse, die nicht nur Flüchtlinge besuchen, sondern auch Schüler aus der Türkei, Griechenland oder Kroatien, sprechen alle Deutsch miteinander. „Natürlich müssen die Jugendlichen viel nachholen“, sagt Lehrerin Kurt. „Sie lernen erstaunlich schnell und gut zu reden, aber das Schreiben braucht etwas länger.“ In ihrem Unterricht versuche sie zudem Landeskunde und Politik spielerisch näher zu bringen. Schade findet sie, dass etliche Jugendliche aus Groß-Zimmern in Nachbarorten zur Schule gehen müssen, weil es wegen fehlender Räume keine zweite Intensivklasse gibt.

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Schulleiter Helmut Buch bedauert dies ebenfalls. Er bemängelt, dass es an der ASS für 850 Schüler in 38 Klassen nicht genug Raum gebe. „Wir hatten vor einigen Jahren hier noch zwei Pavillons stehen, doch die hat der Kreis vor zwei Jahren wieder abgeholt.“ Seitdem würden Fachräume für den Unterricht genutzt und zwei Klassen müssten sich einen Raum teilen.

Schuldezernent und Erster Kreisbeigeordneter Fleischmann sieht das anders. Seiner Meinung nach verfügt die ASS über genügend Räume. 2015/16 habe es für 37 Klassen insgesamt 37 Säle und zwölf Fachräume gegeben. „Dieses Angebot hat sonst keine Schule“, so Fleischmann. Die ASS habe einen „reinen Vormittags-Stundenplan“, was die Raumnot verschärfe. Zudem verfüge die Schule über eine sehr große Pausenhalle mit Nischen, die so geschaffen wurden, dass hier auch in Kleingruppen gearbeitet werden könne. Ein weiteres Manko sei, dass für 93 Schüler vier neunte Gymnasialklassen gebildet wurden. „Hier hätten auch drei Klassen mit je 31 Jugendlichen gereicht“, so Fleischmann. Im Jahrgang sieben der Hauptschule gebe es für 25 Schüler zwei Klassen mit je 13 Jugendlichen. „Auch hier hätte man den vorgegebenen Teiler von 25 um einen überschreiten und so einen Raum und eine volle Lehrkraft sparen können.“

Dies alles seien Entscheidungen der Schulleitung. Bei anderer Aufteilung habe die ASS ausreichend Potenzial. „Jetzt kommen erst mal die dran, die tatsächlich ein Problem haben“, betont Schuldezernent Fleischmann mit Bezug auf die Max-Planck-Schule in Groß-Umstadt.

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