„Ziegelwerke“ vorher und nachher

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Die Fassade des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Ziegelei (rechts) wurde in einem Mehrfamilienhaus (links) auf dem Gelände teils mit original Klinkersteinen und den Reliefs des Künstlers Well Habicht optisch wieder hergestellt. 

Groß-Zimmern - Den Auflagen des Denkmalschutzes wurde nun Rechnung getragen. Von Gudrun Fritsch 

„Vor gut zwei Wochen wurde die letzte Wand fertiggestellt“, berichtet Bauherr Georg Pullmann, der im Baugebiet „Alte Ziegelei“ in einem Mehrfamilienhaus die Fassade des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen „Odenwälder Ziegelwerke“ wiederherstellen ließ. Den Bauplatz hatte Pullmann wegen der Auflagen des Denkmalschutzes etwas günstiger erworben. „Aber das wiegt den finanziellen Aufwand und die Mehrarbeit nicht auf“, sagt er.

Die beiden Reliefs des Darmstädter Künstlers Well Habicht (1884 bis 1966) sind gut erhalten. Nach der Zwischenlagerung auf dem nahegelegenen Grundstück von Pullmanns Bruder wurden sie gereinigt und von einer Spezialfirma in der Woche vor Kerb an ihren ursprünglichen Platz in die Fassade eingesetzt. „Wir haben alles eng mit dem Bau- und Denkmalschutzamt abgesprochen“, so Pullmann.

Eigentlich sollten auch die original Ziegelsteine wieder verwendet werden. „Aber die meisten waren nicht mehr zu retten“, sagt der Bauherr. Deshalb habe man sich mit der Denkmaplpflege geeinigt, dass lediglich der Eingangsbereich mit den Originalsteinen nachgebaut wird. Die Ziegel für die Fassade wurden möglichst präzise nachgefertigt.

Aufwendig und langwierig

Die erhaltenen Originalziegel wurden an der Fabriktür eingesetzt.

„Der Bau des Eingangs war sehr aufwändig und langwierig“, sagt Pullmann. Sechs Arbeiter hätten drei Wochen lang allein an der Fassade gebaut und 6 000 Steine eingesetzt. Dadurch muss diese Wand wesentlich mehr Gewicht tragen als die anderen mit üblichem Außenputz. Für die Statik war also wesentlich mehr Stahl und Beton notwendig. Der Schriftzug am Verwaltungsgebäude habe aus Plastikbuchstaben bestanden, von denen schon einige fehlten, bevor der Denkmalschutz hinzukam. Er galt folglich nicht als erhaltenswert. Das Gebäude besteht nun aus sechs 65 Quadratmeter großen Wohnungen im Erdgeschoss und ersten Stock, hinzu kommen zwei Dachgeschosswohnungen mit je 50 Quadratmetern. In eine der oberen Wohnung wird Junior Jörg Pullmann einziehen, die anderen will Pullmann vermieten.

„Die Fenster sollen noch mit Holzsprossen geviertelt werden, damit die Außenansicht genauso ist wie früher beim Original. Der Schallschutz ist hier mit einer dreifach Verglasung sehr gut“, sagt der Junior zufrieden und hofft, dass die Wohnungen bis zum Jahresende bezugsfertig sind. Noch ist ungeklärt, ob die zum Haus gehörenden Parkplätze vor oder hinter dem Gebäude angelegt werden.

Einem Antrag der Grünen folgend hat die Gemeindevertretung im Dezember 2010 beschlossen, dass die historische Zufahrt auf das Gelände einschließlich der vorhandenen Pfosten zu erhalten ist. „Von mir aus können hier auch die Skulpturen Fisch und Katz wieder aufgebaut werden“, sagt Pullmann. Auch das wurde eigentlich schon im Dezember 2010 beschlossen. Darüber hinaus hieß es nämlich in dem Beschluss, dass die Übernahme sämtlicher Restaurierungskosten im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben und die Übertragung von Verpflichtungen auf spätere Bauherren zu sichern seien. Allerdings hat sich inzwischen ein Sponsor bei der Gemeinde gemeldet, der für die Restaurierung aufkommen könnte. „Derzeit sind wir noch in Gesprächen“, so Bürgermeister Achim Grimm.

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