Wohin fließt das Wasser und was wird aus den Tieren?

Großes Interesse am „Schlädchen“

+
So voll war es im Sitzungssaal selten bei Bürgerveranstaltungen. Das Interesse an der Beteiligung ist offensichtlich groß.

Groß-Zimmern - Es geht also auch anders. Für die Durchführung der zweistufigen Bürgerbeteiligung bei der Aufstellung des Bebauungsplans „Hinter dem Schlädchen“ konnten Bündnis 90/Die Grünen im Parlament eine Mehrheit begeistern.

Am Dienstagabend kamen rund 80 Kaufinteressenten, Grundstückseigentümer, Anwohner der Schillerstraße und der Alten Ziegelei sowie Kommunalpolitiker zur Informations- und Diskussionsveranstaltung ins Rathaus. Auf dem 4,4 Hektar großen Baugebiet zwischen Alter Ziegelei und Schillerstraße könnten bis zu 70 Bauplätze für maximal dreigeschossige Einzelhäuser mit zwei bis drei Wohneinheiten ausgewiesen werden.

Vermessungsingenieur Bernd Heinen erklärte auf verständliche Weise, wie das Bauleitverfahren funktioniert und welche Schritte anstehen. Nähere Details etwa zu Quadratmeterpreisen konnte er noch nicht nennen. Aber fest steht: für Grundstückseigentümer ist die Überführung von Acker- in Bauland eine deutliche Wertsteigerung und die Gemeinde profitiert, die in dem Gebiet selbst rund 30 Prozent der Fläche besitzt, weil sie das Bauleitverfahren selber in die Hand genommen hat und den Umlegungsvorteil abschöpfen kann. Astrid Zilz, deren Vater im Schlädchen einen Garten hat, wollte wissen, wer die Erschließungs- und Rodungsarbeiten bezahlen wird. „Die Gemeinde“, lautete die beruhigende Antwort. Den Bebauungsplan-Entwurf stellte Planer Kai-Oliver Heintz wie zuvor im Ausschuss vor (wir haben berichtet).

Besonders hinterfragt wurden hier die Lärmschutzmaßnahmen, die an der Darmstädter Straße vorgesehenen sind. Auch zum Schutz der hinteren Häuser, die maximal zwei Vollgeschosse und eine Firsthöhe von elf Metern haben sollen, seien für die südlichen Gebäude Höhen von bis zu 15 Metern vorgesehen, so Heintz. Die Nivellierung und der damit einhergehende Wasserabfluss des Baugeländes und die Erreichbarkeit über einen neuen öffentlichen Weg interessierten besonders die Anwohner der Schillerstraße. Planer Joachim Göringer, für den naturschutzrechtlichen Ausgleich zuständig, konnte beruhigen: Eine Nivellierung soll an der Situation der geplanten Wegeparzelle nichts ändern. Die meisten Fragen betrafen jedoch den Natur- und Artenschutz.

Rund 80 Obstbäume stehen auf dem Gelände, die meisten von ihnen werden fallen. Dafür werde es einen „ökologischen Ausgleich“ im Gemeindewald geben, so Göringer. „Das ist doch gar kein Ausgleich. Der Wald ist ja schon ökologisch wertvoll“, kritisierte Monika Lohe. „Eigentlich müsste man doch versiegelte Flächen wieder entsiegeln.“ So viele solcher Flächen gäbe es nicht und auch wenn Lohe prinzipiell Recht habe, habe sich die Aufwertung von Waldgebieten bei der „Kompensationsverordnung“ bewährt, entgegnete Göringer. Zur zweistufigen Bürgerbeteiligung gehört, dass die Öffentlichkeit über Ziele und Zwecke Planung, informiert wird. Deshalb sind die Planunterlagen auf der Homepage der Gemeinde (www.gross-zimmern.de) einsehbar.

guf

Kommentare