Grünes Licht für die Ziegelei-Bebauung

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Nahezu die gesamte bewaldete Naturfläche mit den Gruben (unterer linker Rand, als dunkle Fläche zu erkennen), die an das Ziegeleigelände (rechts) angrenzt, wird an den NABU überschrieben.

Groß-Zimmern ‐ Vier Unterschriften und damit ist es amtlich. Erleichtert und zufrieden war Bürgermeister Achim Grimm am Montagabend. Der Abstimmungsmarathon über die Einwendungen der Träger öffentlicher Belange sowie den städtebaulichen Vertrag mit Satzungsbeschluss zur Wohnbebauung der „Alten Ziegelei“ (wir haben berichtet) wurde wie erwartet mit der Mehrheit von CDU, FDP und Janek Gola (20 zu 17 Stimmen) im Sinne der Investoren entschieden. Von Gudrun Fritsch

Es ist schwer, vor Weihnachten noch einen Termin zu finden“, meinte Grimm im Anschluss an die Sondersitzung der Gemeindevertretung gegen 22 Uhr und begab sich mit dem Ersten Beigeordneten Hans Wichmann und den Kaufinteressenten Christian Früchtenicht und Kevin Aumann sogleich ins Bürgermeisterbüro zur Unterzeichnung des frisch verabschiedeten Vertrags. „Mit der Entscheidung sind wir zufrieden. Voraussichtlich im Januar können jetzt die Räumungsarbeiten auf dem Gelände beginnen“, sagte Früchtenicht.

Nachdem die Liberalen und Gola im Vorfeld ihre Zustimmung angekündigt hatten, bestanden eigentlich kaum Zweifel, dass das von der CDU favorisierte Projekt durchkommen würde – aber das ging nicht ohne Diskussion.

„Jetzt werden die Weichen gestellt“

Die Bewerber haben nicht Schlange gestanden. Jetzt werden die Weichen für eine vernünftige Nutzung gestellt“, leitete Bürgermeister Grimm die Redebeiträge mit einem Plädoyer für den Vertrag ein. Das seit Jahren brachliegende Industriegelände am Ortsrand, soll von der Arbeitsgemeinschaft „Alte Ziegelei“ der Firmen Aumann und Früchtenicht nach Plan zunächst von Schutt befreit und anschließend mit rund 50 Einfamilienhäusern sowie einem Seniorenwohnheim bebaut werden. „Ich gebe zu, der erste Vertragsentwurf ist nicht zufriedenstellend ausgefallen“, sagte Grimm und erntete laute Zustimmung auf den Oppositionsbänken. Hier war man eigentlich noch immer nicht zufrieden mit dem Regelwerk.

Gleich nach der Sitzung unterzeichneten die Investoren (von links) Christian Früchtenicht und Kevin Aumann den Vertrag mit Bürgermeister Achim Grimm und dem Ersten Beigeordneten Hans Wichmann.

Als erste meldete sich Marianne Streicher-Eickhoff, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, zu Wort. Ganze Listen mit Änderungsvorschlägen hatte die Stadtplanerin zur Abwendung der „Splittersiedlung“ eingereicht, war damit jedoch größtenteils an den Mehrheitsverhältnissen gescheitert. „Wer auf diesen Vertrag stolz ist, der dokumentiert, dass er die Sozialisierung der Risiken und die Privatisierung der Gewinnchancen für einen ganz normalen Vorgang in unserer Republik hält“, mahnte sie und kritisierte ein weiteres Mal, dass die Kostenübernahmen für den Fuß- und Radweg an der Darmstädter Straße, die Verlegung der Bushaltestelle und die denkmalpflegerischen Auflagen nicht geklärt, die Hochrechnungen für Kinderbetreuungskosten schöngerechnet und die bürgschaftliche Sicherung für den Fall einer Insolvenz des Erschließungsträgers zu niedrig wären.

SPD kritisiert Abstimmung als „Hauruck-Verfahren“

Der Freie Wähler Peter Urban bezeichnete das ungeordnete Verfahren als „unglaublich und blamabel“. Er beantragte, es „mit einem neutralen, externen Gutachter abzustimmen, einer neutralen fachlichen Prüfung zu unterziehen und mit den üblichen notariellen Hinweisen zu versehen.“

SPD-Mann Chris Kowal bezog sich auf den fehlenden Lückenschluss zum vorgelagerten „Schlädchen“, ohne dessen parallele Erschließung die Ziegelei zur Splittersiedlung werde, und kritisierte die schnelle Abwicklung als „Hauruck-Verfahren“.

NABU erhält ehemalige Abbauflächen

Positiv sah der FDP-Fraktionsvorsitzende Klaus Roth die Entwicklung. Alle Anregungen der Liberalen seien im Vertragswerk berücksichtigt worden. „Der Kinderspielplatz zählt nun zu den Erschließungsanlagen und die Bürgschaft wurde mit einbezogen“, so Roth.

Janek Gola lobte die „sinnige, neue Nutzung“ der südlich an den Geltungsbereich des Bebauungsgebietes angrenzenden ehemaligen Abbauflächen. Die sollen per gesondertem Vertrag in das Eigentum der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe übergehen. Zuletzt kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Pentz, die Opposition hätte nicht mitgearbeitet und Reden der Grünen würden „mit Blick auf die Wahl“ gehalten.

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